Makellos
(Flawless)

USA, 97min
R:Joel Schumacher
B:Joel Schumacher
D:Robert DeNiro,
Philipp Seymour Hofmann
L:IMDb
„Daf Leben ift scheiffe. - Na, du bist mir ja ein kleines Sonnenscheinchen.”
Inhalt
Der stockkonservative, pensionierte Cop Walt (Robert DeNiro) erleidet einen Schlaganfall, als er in seinem Haus zwei Gangster stellen will. Fortan ist sein Leben von Selbstmitleid geprägt - bis er erkennt, dass er gegen seine halbseitige Lähmung angehen kann, zum Beispiel durch Sprachunterricht. Und dafür sucht er sich ausgerechnet Miss Rusty (Philipp Seymour Hoffmann), die DragQueen von nebenan, mit er sich seit Jahren Mietshaus-Kleinkriege liefert, aus. Und mit der Zeit beginnt dabei so etwas wie Freundschaft zu entstehen.
Kurzkommentar
Der bemühte Ansatz von "Makellos" ist bemerkenswert, aber vor allem Robert DeNiro hat sich mit diesem phrasendurchtränkten Toleranzplädoyer keinen Gefallen getan. Durch kräftiges Oberflächengeschiller unterhält der Film, wird aber durch einen blödsinnigen Rahmenplot und ausufernde Klischeebedienung verzichtbar.
Kritik
Die Bandbreite im Werk von Joel Schumacher ist groß, aber selten ist dabei auch ein großer Film entstanden. Egal, ob nun der poppige "Batman Forever", die solide Grisham-Adaption "Der Klient" oder angeblich provokant-reflektierte Stücke wie "8 MM" oder "Falling Down" - flach sind sie alle. Schumachers Oevre ist handwerklich oberste Liga, von der Substanz hingegen ziemlich mager und dem eigenen Anspruch irgendeiner Tiefe nicht gerechtwerdend.
Daran ändert auch "Makellos" nichts, ein Film, der von einer netten Nachsichtsidee ausgeht, aber leider genau ins Fettnäpchen der Klischees stampft und zudem nicht weiß, in welche Richtung er eigentlich will. Der Einfall, den aufstrebenden Philip Seymor Hoffman ("Magnolia") als schrillen Transvestiten zu verkleiden und Schauspielgott Robert DeNiro als machoistischen Gegenpol einzusetzen, nährt Hoffnung. Was Schumacher, der auch beim Drehbuch die Fäden in den Händen hielt, jedoch vorlegt, schafft nicht nur nicht die Balance zwischen Komödie, Tragödie und Selbstfindungsdrama. Vielmehr ist das Ergebnis auch ein Kapitel im zunehmend trauriger werdenen Buch "DeNiro". Der Begründer des "method acting" und Vorbild für die jüngere Schauspielgeneration bewies in letzter Zeit bei der Rollenwahl nicht gerade das glücklichste Händchen. Und dass er nun auch bei "Makellos" danebengriff, ist fast schon bezeichnend, aber vielleicht auch die Schuld Schumachers, denn die Rolle eines Schlaganfallpatienten wird DeNiro nicht zu Unrecht in der Erwartung einer Herausforderung angenommen haben. Doch der Regisseur setzt die Grenzen eng, zu eng.

Zu mehr als nervtötender Gemeinplatzpflege und zielgruppenstrategischer Sympathieverteilung ist "Makellos" nämlich nicht fähig - flach eben. Die Möglicheiten der beiden großen Darsteller versumpfen in einer dämlichst gestrickten Seelenannäherung, und ja, natürlich erwächst aus anscheinend unüberwindbaren Differenzen die größte Freundschaft. Er zofft man sich, dann liebt man sich. Zugegeben, die Chemie zwischen DeNiro und Hoffman funktioniert und beschert uns einige schillernde Momente. Hoffman, der hierzulande bisher nur als sensibler Krankenpfleger in "Magnolia" auffiel, kehrt die Drag-Queen genussvoll hervor, trägt zum berüchtigten Geschlechterdiskurs durch tuntige Affekte jedoch wenig Erhellendes bei. Überhaupt werden an allen Ecken und Enden nicht Gedanken, sondern Klischees losgebrochen. Schwuchteln müssen sich eben wie richtige Schwuchteln verhalten, Männer wie richtige Männer und Gangster sind natürlich grundverdorben - darum ein Hoch aufs nervende Stereotyp. Auf dieser Oberfläche spielt sich dann auch der Dialog zwischen geknicktem Rentnermacho und bewusstseinserschüttertem Schminkmonster ab.

Zwar ist es natürlich das Problem einer den Schlaganfall imitierenden Rolle, dass die Mimik erheblich eingeschränkt wird, aber DeNiro wirkt, als schleiche und murmelte er mit diesem Auftritt nur dem Ruhm früherer Filmauftritte nach. Eine ausgefeilte Dramaturgie sucht man vergebens und auch die Annäherung des Erzheteros an den Paradiesvogel ist total unmotiviert und zudem total absehbar. Gemeinsam einsam. Die Kontraste der beiden sind lebendig, aber unglaubwürdig plakativ. Und als ob Schumacher gesehen hätte, dass seine platte Seelenvertröstung nicht genügend Bewegung bringt, packte er kurzerhand noch eine grausam abgedroschene Rahmenhandlung um verschwundenes Gangstergeld obendrauf. Nein, makellos ist dieser unentschlossene Film, der nur manchmal zum Schmunzeln, aber nie zur richtigen Teilnahme anregt, nicht. Das Potential wird aufgrund der wenig differenziert und vorgetäuscht sensibel behandelten Thematik nur angeschnitten, aber trotz aller Defizite kann "Makellos" noch gediegen unterhalten.

Formschwacher DeNiro in platter Klischeekanonade


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
"Makellos" ist weder perfekt noch makellos - besonders die Story leidet unter unmotivierten Einschüben. Das vergleichsweise sensible Herangehen an die Thematik sowie die tolle Schauspielerleistung können dafür aber entschädigen. Insgesamt bleibt so ein ungewöhnliches Stück, irgendwie der Mainstream-Maschinerie Hollywoods entwischt, das zumindest Fr...