X-Men 3

USA, 104min
R:Brett Ratner
B:Zak Penn, Simon Kinberg
D:Patrick Stewart,
Hugh Jackman,
Ian McKellen,
Halle Berry,
Famke Janssen
L:IMDb
„Wie schon Churchill sagte: Es kommt die Zeit, da muss jeder Mann ran!”
Inhalt
Ein „Heilmittel“ gegen Mutationen droht den Lauf der Geschichte für immer zu verändern. Zum ersten Mal haben Mutanten nun die Wahl: Entweder sie entscheiden sich dafür, ihre Einzigartigkeit zu bewahren und so ein isoliertes und von der Welt entfremdetes Leben zu führen, oder sie geben ihre Kräfte auf, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Die unterschiedlichen Standpunkte der Mutantenanführer Charles Xavier, der an das Gute im Individuum glaubt, und Eric Lehnsherr (Magneto), der ganz im Sinne Darwins davon überzeugt ist, dass sich die stärkere Rasse durchsetzen wird, werden auf eine ultimative Probe gestellt. Der Krieg der Kriege, der alle Kämpfe beenden soll, steht kurz bevor.
Kurzkommentar
Nach dem dritten Teil von "Mission: Impossible" und "X-Men" lässt sich eine Einsicht formulieren, aus der Hollywood einfach nicht lernen will und in diesem Fall dennoch glücklich ist: Werbegetöse kann keinen Erfolg erzwingen. "M:I:3" stürzte nach kolossal nervender Tom-Cruise-Omnipräsenz auf allen Kanälen an der Kasse ziemlich ab. Die Merchandisingkohle hätte dem Film selbst lieber zugute kommen sollen. "X-Men 3" hingegen war im Vorfeld eher beiläufig, nur hier und dort ein Poster. Es scheint: Je geringer die Werbung, desto größer überhaupt noch die Lust beim Publikum, sich auf ein Blockbuster-Sequel einzulassen. "X-Men 3" hat so eben wohl wider Erwarten einen neuen Boxoffice-Rekord hingelegt und profitiert eindeutig davon, dass es keine Selbstvergötterung eines einzigen Superstars zu sehen gibt. Zwar ist drei Jahre nach dem zweiten Teil "Der letzte Widerstand" auch so etwas wie der Restbestand an Ideen: "X-Men 3" ist in keiner Sekunde originell, teilweise sogar harsträubend unlogisch. Das mag daran liegen, dass Bryan Singer, Regisseur der ersten beiden Teile, lieber "Superman" in diesem Jahr neues Leben einflößen will, und die Regie in letzter Sekunde an Brett Ratner übertrug. Auf dessen Talentbeweis wartet man noch. Doch irgendwie ist man Ratner dankbar, dass er das intellektuellen Posieren und den theatralen Erwachsenenernst jüngerer Comicverfilmungen nicht mitmacht. Stattdessen serviert er hundert Minuten selbstironische Anspruchslosigkeit mit ausreichend spektakulärem Kawumm. Dass die vermeintlich "tiefere Bedeutung" des "X-Men"-Szenarios - Sozialdarwinismus, gesellschaftlicher Utopismus und so fort - auf der Strecke bleibt, geht absolut in Ordnung, weil wir es mit massenfähigem Kino zu tun haben. "X-Men 3" ist so schnell vergessen wie er konsumiert ist, aber immerhin hält er zwischen unfreiwilliger Komik und ausbaufähigen Helden leidlich bei Laune und spart sich das schizophrene wie trantütige Pathos eines "Batman Begins".
(Flemming Schock)