Match Point

USA, 123min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Woody Allen
B:Woody Allen
D:Emily Mortimer,
Jonathan Rhys-Meyers,
Scarlett Johansson,
Matthew Goode,
Brian Cox
L:IMDb
„Das größte Glück ist manchmal jenes, gar nicht erst geboren worden zu sein”
Inhalt
Ein junger Tennislehrer von bescheidener Herkunft, Chris Wilton, verschafft sich eine Anstellung in einem der nobelsten Tennis-Clubs des vornehmen London. Er freundet sich mit Tom Hewett an, dem Sprössling einer reichen Familie. Tom lädt ihn zu seinen Eltern ein, wo Chris auch Bekanntschaft mit seiner Schwester Chloe macht sowie seiner Verlobten Nola Rice, einer jungen amerikanischen Schauspielerin. Im gleichen Moment, da Chris zarte Bande mit Chloe knüpft, die auch den erhofften gesellschaftlichen Aufstieg beinhalten, fühlt er sich unwiderstehlich zu Nola hingezogen.
Kurzkommentar
Die Kritik ist sich einig: „Match Point“ ist Woody Allens bester Film seit Jahren. Kunststück, mag man denken, führt man sich die Mittelmäßigkeiten der vergangenen Dekade zu Gemüte. Dennoch ist der Hinweis gerechtfertigt: „Match Point“ überrascht nicht nur als Woody Allen-Film, sondern ganz allgemein als gutes Kino: er ist griffiges Drama ohne allzu kalkuliert zu wirken, ein spannender Thriller ohne selbstzweckhafte Momente, gut geschrieben und mit Hintersinn inszeniert. Ein Film, der Stanley Kubrick gefallen hätte: wie Thackerays „Barry Lyndon“ oder Schnitzlers „Traumnovelle“ seziert Allen die Psychologie des Begehrens. Deren sexuelle, gesellschaftliche und ökonomische Komponente. Was Allen dabei clever macht: seine Charaktere sind nicht leicht zu durchschauen und durchaus widersprüchlich, dadurch interessant: Chris ist nicht einfach nur ein Betrüger, der für den sozialen Aufstieg alles in Kauf nimmt und keine Skrupel kennt. In seinem Herzen gibt es noch einen letzten Rest Selbstachtung: zwar bekommt er vom Schwiegerpapa den dicken Job untergejubelt, aber er schuftet auch hart dafür, ist sogar halbwegs talentiert. Er möchte sich seinen Aufstieg – bei aller Verlogenheit – erarbeiten. Rhys-Meyers fängt dieses Chargieren zwischen Raubtier, unbändigem Sexualverlangen und fast schon unschuldiger Kleinbürgerseele hervorragend ein. Währenddessen spielt Allen auf bravouröse Art mit dem Zuschauer: die Wendungen seiner Geschichte sind intelligent, weil sie nicht allein überraschen wollen, sondern weil sie eine neue Sicht auf die Thematik erlauben, eine neue Sicht auf den Fokus des Regisseurs. Zudem bietet „Match Point“ große Kinomomente: Etwa zur Hälfte des Films gibt es eine Szene in einem Kunstmuseum. Ausgestellt werden moderne, großformatige Gemälde. Im Hintergrund sehen wir Scarlett Johansson. Im Vordergrund ein Hinweis: „Do not touch the artworks“.
(Thomas Schlömer)