Verlorene Seelen
(Lost Souls)

USA, 97min
R:Janusz Kaminski
B:Pierce Gardner, Betsy Hall
D:Winona Ryder,
Ben Chaplin,
John Hurt,
Philip Baker Hall
„Meinen Sie nicht, daß der Markt übersättigt ist ?”
Inhalt
Beim misslungenen Exorzismus eines verurteilten Mörders erkennt die streng gläubige katholische Lehrerin Maya (Winona Ryder, zuletzt "Es begann im September"), dass der nächste Kandidat auf des Teufels Liste der erfolgreiche Agnostiker Peter Kelson (Ben Chaplin, "Der schmale Grat") ist. Der will von Mayas Verdachtsmomenten zunächst nichts wissen. Als er erkennt, dass sie mit ihrer Vermutung richtig liegt, ist es fast zu spät.
Kurzkommentar
Ein Regiedebüt kann kaum schlechter ausfallen: statt frischen Wind bringt Kameramann Janusz Kaminski schwüle Luft in die von okkultem Horror übersättigten Kinosäale und scheitert mehr als deutlich an dem Versuch, seinem Thriller Spannung oder wenigstens Interesse einzuhauchen. Das Ende soll zudem verstörrend wirken, bleibt im Endeffekt allerdings nur lächerlich.
Kritik
Für seine Arbeiten an "Schindlers Liste" und "Saving Private Ryan" noch ausgezeichnet, entpuppt sich das Regiedebüt von Steven Spielbergs Cinematograph Janusz Kaminski als ganz und gar nicht oskarreif. Daß den Zuschauer mal wieder ein okkulter Horrorstreifen erwartet, ist insofern noch zu verschmerzen, als daß wohl auch nur die (wenigen) verbleibenden Genrefreunde mit einem Besuch liebäugeln dürften. Alle anderen (gerade Sneakbesucher) dürfte die ewig gleiche Thematik zum Halse raushängen.

Zu Gute halten muß man Kaminski aber auf jeden Fall seine Talente auf der visuellen Ebene. Die Photographie, die blassen Farben, die Kameraführung und der ein oder andere Special Effect sind unbestreitbar gelungen, birgen aber eine Gefahr in sich: gerade wenn Story und Inszenierung nicht stimmen, wirkt das Geschehen unter solch einer hochprofessionellen Photographie schnell lächerlich. Und auch wenn die ersten drei Viertel des Films nicht wirklich schlecht sind, eher grundsolide, so nützt das doch alles nichts, wenn das letzte Viertel umso holpriger und trashiger rüberkommt. Nicht nur, daß wohl das einzig interessante Storydetail, die Auflösung eines Verräters, peinlich ungeschickt daherkommt, auch das Ende des Films ist sowas von schwach inszeniert, daß es schon wieder lustig ist. Da fragt man sich wirklich, ob der Regisseur vor der Veröffentlichung seines Films nicht nochmal den korrigierenden Blick über sein Werk wirft. Etwas derart Spannungsarmes begegnet einem wirklich selten.

Umso trauriger stimmt der Film, wenn man über das verschwendete Talent der sonst fähigen Darsteller nachdenkt. Winona Ryder beweist nach "Es begann im September" und "Alien 4" einmal mehr ihr Talent für dämliche Rollenwahl und John Hurt läßt schmerzvoll die Erinnerung an seine grandiose Rolle als S.R. Hadden in "Contact" aufkeimen. Aber selbst die talentiertesten Schauspieler hätten in diesem Tiefpunkt cineastischer Dramaturgie nichts retten können. Der Vergleich mit "The Calling", der vier Wochen vor "Lost Souls" startete und bei diversen Kritikerkollegen schon die übelsten Wertungen abstaubte, drängt sich auf und es stellt sich unweigerlich die Frage, was diese zu "Lost Souls" sagen werden, wenn schon "The Calling" im unteren Fünftel der Wertungsskala angesiedelt war. Im Gegensatz zu den verlorenen Seelen bot "The Calling" nach ähnlich unspektakulären drei Vierteln aber das ungewöhnlichere und weit besser inszenierte Ende. Die Kulmination (allein die Verwendung dieses Begriffs grenzt an Übertreibung) in "Lost Souls" hingegen ist einfach nur dumm.

Ein Musterbeispiel für Spannungslosigkeit und Regieinkompetenz


Thomas Schlömer