Aeon Flux

USA, 93min
R:Karyn Kusama
B:Peter Chung, Phil Hay, Matt Manfredi
D:Charlize Theron,
Jonny Lee Miller,
Marton Csokas,
Sophie Okonedo,
Frances McDormand
L:IMDb
„I had a family once, I had a life. Now all I have is a mission.”
Inhalt
Die Zukunft in 400 Jahren. Eine makellose Stadt namens Bregna im Jahr 2415. Keine Krankheiten, kein Hunger, keine Kriege... Eine perfekte Welt und eine perfekte Lüge. Denn der Preis für den vermeintlichen Frieden auf Erden ist die Freiheit. In dieser sterilen Welt wächst Aeon Flux (Charlize Theron) auf. Als ihre Familie brutal von Regierungsagenten ermordet wird, schwört sie Rache. Sie wird zum Eliteagenten der Rebellion und zur tödlichsten Waffe der Regimefeinde. Endlich bekommt sie den Auftrag, auf den sie ihr ganzes Leben gewartet hat – die Ermordung des Alleinherrschers Trevor Goodchild (Marton Csokas). Doch je näher sie ihrem Opfer kommt, desto näher kommt sie auch der Wahrheit, die sich hinter der perfekten Lüge eines perfekten Lebens verbirgt. Eine Wahrheit, mit der selbst sie nie gerechnet hätte.
Kurzkommentar
Auf der Basis der MTV-Zeichentrickserie „Æon Flux“ inszeniert Karyn Kusama einen lauwarmen Sci-Fi Aufguss mit dystopischen Elementen aus dem Zukunftsbaukasten und viel Hardware-Power. Zu keiner Zeit jedoch vermag das desaströse Drehbuch die teilweise netten optischen Einfälle zu einem organischen Ganzen zusammen zu führen.
Kritik
Als Anfang und Mitte der 1990er-Jahre plötzlich Computerspiele auf vier bis acht CDs ausgeliefert wurden und „interaktive Unterhaltung“ in aller Munde war, kam auch aus Hollywood der Versuch, einige Thriller im Virtuellen Raum Gestalt annehmen zu lassen – als Musterbeispiel dient „Der Rasenmähermann“ (der Stephen King-Fans mit einem großen „WTF-Fragezeichen“ auf der Stirn zurück ließ).

In einigen Momenten erinnert Aeon Flux frappierend an diese – durchaus dramaturgisch meist düstere – Zeit. Viele Sequenzen finden ausschließlich in den Hirnen der Protagonisten statt und die Produzenten arbeiten sehr gerne mit optischen CGI-Illusionen. Dazwischen bewegen sich die Darsteller wie übelgelaunte Statisten. Sie wurden degradiert – eingezwängt in die Schwächen des Drehbuchs und die seltsamen „So-ist-also-die-Zukunft“-Kostümen. Aeon Flux, 55 Millionen Dollar schwer, wurde in Babelsberg, Berlin gedreht, was bedeutet, dass während der 93 Minuten Spielzeit immer wieder Berliner Drehorte, wie etwa U-Bahn Stationen und Parkanlagen, oder auch der Deutsche Thomas Huber als Wissenschaftler zum Einsatz kommen. Die kinetischen, actionreichen FSK-12 Momente kostet der Film durch seine hektischen Schnitte nicht aus – wie am Fließband sterben zwar gesichtslose Opponenten, doch der Zuseher kann sich darüber nicht bewusst werden. Es wird zwar gewissermaßen Comichaftes eingefangen, doch den zynischen Geist des Originals atmet Aeon Flux zu keiner Zeit, welches sehr schade ist.

In einer anderen Besprechung von Aeon Flux war zu lesen, dass Theron ihre Rolle nicht „spielt“, sondern „modelt“; der Vorwurf lässt sich eigentlich auf den ganzen Film übertragen: Sci-Fi leidet besonders dann, wenn es nicht als ernste Option für gesellschaftskritische Reflektionen wahrgenommen wird: Es ist das Fenster, nicht die Aussicht. Aeon Flux malt diese Aussichten, ohne sich um den Rest zu kümmern. Das ist zu wenig: dann doch lieber die ironische Brechung eines Flux-Kompensators.

Sci-Fi für Beginner: Enttäuschende Zukunftsvision voller fahriger Dialoge und Stahlbeton.


Rudolf Inderst