Feuer, Eis und Dosenbier

Deutschland 2001, 83min
R:Mathias Dinter
B:Mathias Dinter
D:Axel Stein,
Rick Kavanian,
Eva Habermann,
Christoph M. Ohrt
L:IMDb
„Das ist der Geissenpeter. Mit dem spiele ich bereits seit ich klein bin Räuber & Gendarm, Himmel & Hölle und Beine Breit, Frau Doktor.”
Inhalt
Türlich (Rick Kavanian) und Josch (Axel Stein) sind mächtig stolz darauf, die faulsten Zivildienstleistenden des Ruhrgebiets zu sein. Weil sie ihren Krankenwagen zu lässig fahren, wird ihnen wegen Fahrlässigkeit gekündigt - sie riskieren, zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Gerade noch rechtzeitig desertieren sie ins österreichische Skiparadies Ischgl, wo Türlich einst auf der Alm bei seiner großen Liebe Heidi (Eva Habermann) und dem alten Öhi (Herbert Fux) aufgewachsen ist. Der amerikanische Industriemagnat Tronald Dump (Christoph M. Ohrt) will dem Öhi seinen Berg abkaufen, um dort einen Fun-Park zu errichten. Weil der Alte sich hartnäckig weigert, besticht Dump dessen Erben Türlich mit reichlich Bier und Babes. Josch und Türlich lassen sich von dem verlockenden Angebot blenden, verscherzen sich damit aber Heidis Gunst und sind bald auch untereinander heillos zerstritten.
Kurzkommentar
Wenn man "Feuer, Eis und Dosenbier" nur irgendwas ehrliches und gutes abgewinnen möchte, dann, dass die Trailer das Niveau des Streifens unverblümt rüberbringen und so garantiert das Publikum bedient wird, dass Tierblähungen und Popelgeschosse witzig findet. Ansonsten bleiben Sie bitte, bitte zu Hause.
Kritik
Wenn man am Kinoeingang schon ein x-beliebiges Dosenbier in die Hand gedrückt bekommt, kann eigentlich nur ein Film den Zuschauer treffen: "Feuer, Eis und Dosenbier", die neue Stümperkomödie aus deutschen Landen. Mit einem unverschämten Budget von knapp 5,8 Mio. DM drehte Mathias Dinter sein Regiedebüt über die von ihm als dämlichsten Zivis der Welt angedachten grenzdebilen Spacken Türlich und Josch. Falls man nicht schon durch den Trailer weiß, was hier Unsägliches auf einen zukommt, so wird doch spätestens in den ersten fünf Minuten klar, auf welche Weise hier die Lacher erzwungen werden sollen: durch simple Übertreibung.

Witz durch Übertreibung war schon immer die einfachste Form der Comedy, weil sie a) wenig Phantasie erfordert und b) immer noch genug Leute zum Lachen bringt. Das Problem dabei: sie wird a) schnell langweilig und ist b) scheisse. Nehmen wir exemplarisch für den Film doch nur mal die ersten paar angedachten Brüller: Türlich heißt Türlich, damit er, welch Kalauer, auf die Fragen seines Kumpels ganz locker mit seinem Namen antworten kann. Dann hat er einen (wohl absichtlich) sofort als Perücke erkennbaren Raster-Schopf, bekifft sich dank chemisch akkurater Heimapparatur erstmal deftig mittels eines abflussgroßen Reagenzglases, während er wiederum in seinem von leeren Bierdosen überfüllten Zimmer sitzt. Als Videospiel wird, damit auch ja jeder den Gag rafft, anschließend das älteste Game aller Zeit angespielt - Übertreibung ins Extrem aus Hilfslosigkeit? Wie auch immer: bei solch übersprudelnder Phantasie ist man geneigt, zu glauben, die Kreation dieser Szene hat ganze 30sek gedauert.

Aber gut: die Witze sind ja wenigstens noch harmlos, entlarven sich quasi selbständig als phantasielos und in sich klischeehaft, können aber (wie die Reaktion des Publikums offenbart) nicht nur der angedachten Zielgruppe von männlichen Teenagern im Alter von 12 bis 19 Jahren noch genügend Lacher entlocken. Diese Zielgruppe wird laut Presseheft gar explizit angestrebt und man glaubt: "Peinlichkeiten kommen da bestimmt besser an als ein gut konstruierter Witz". Fehlt nur noch das Eingeständnis, dass man zu einem gut konstruierten Witz auch gar nicht fähig gewesen wäre.

Was zur Niveausenkung jedoch wieder folgt, sind die üblichen Fäkal- und Behindertenscherze. Meine Güte, hat das Publikum davon immer noch nicht genug? Kurzes Nachdenken genügt und schon fallen mir acht Filme ein, die auf demselben Mist aufbauten - und keiner davon ist älter als drei, vier Jahre. "Feuer, Eis und Dosenbier" muss die Schraube der Geschmacklosigkeit natürlich noch weiter anziehen und so erweitert man das Repertoire um Popelgeschosse und Tierblähungen. Da bekommt man beinahe Mitleid mit dem geistigen Zustand der Drehbuchautoren; dabei sind sie einfach nur dem Gesetz des Geldes gefolgt: es wird gedreht, was Zuschauer bringt. Und so muss zur Ehrenrettung der Filmemacher deutlich gemacht werden, dass sie tatsächlich nur ihre Zuschauer zufriedenstellen: "Wir haben bei den
Testvorführungen immer wieder gestaunt - aber die meisten Lacher bekamen die Furze des Bernhardiners - oder Josch, wenn er auf die Fresse fällt. Bananenschalengags sind immer ein Erfolg".

Das bringt es fast auf den Punkt: "Feuer, Eis und Dosenbier" ist ein Musterbeispiel an Formelhaftigkeit: Gags, Settings und Charaktere sind in ihrer komödienhaften Bearbeitung gängiger Klischees wieder selbst klischeehaft; verfallen sozusagen ins Comedyklischee - und das nicht zu knapp. Dass es trotzdem drei stolze Wertungsrollen gibt, liegt daran, dass der Film in der zweiten Hälfte gar nicht mehr so sehr "Ballermann 6", sondern viel mehr "Austin Powers" ist. Hier wollen die Autoren Dinter und Ritzenhoff diverse Hollywood Gut-Böse Schemata auseinanderrupfen und vor allem den in dieser Hinsicht rezeptartigen James Bond-Streifen eins auswischen. Dabei ist man sicher auch weit davon entfernt, nur irgendwelche neuen Akzente setzen zu können, aber die Bearbeitung ist eben auch nicht grottenschlecht. Gerade, weil der ein oder andere Witz sicher doch ein Schmunzeln hervorrufen kann. Und wenn wir es genau nehmen sind die von der Kritik wesentlich schonender behandelten "Austin Powers" oder auch "Zoolander"-Streifen in ihrer Klischeebearbeitung und ihrem Fäkalrepertoire doch auch keinen Deut besser.


In seiner Klischeeveralberung schon wieder zu klischeehaft


Thomas Schlömer