3 Engel für Charlie
(Charlie's Angels)

USA, 96min
R:McG
B:Ivan Goff, Ben Roberts
D:Cameron Diaz,
Drew Barrymore,
Lucy Liu,
Bill Murray,
Sam Rockwell
L:IMDb
„And that's .. kicking your ass”
Inhalt
Basierend auf der TV Serie der 70er Jahre, müssen die drei "Engel" Natalie (Cameron Diaz), Dylan (Drew Barrymore) und Alex (Lucy Liu), geleitet von ihrem treuen Vorgesetzten Bosley (Bill Murray), in ihrem neuesten von Charlie überreichten Auftrag die Entführung des Softwareentwicklers Knox (Sam Rockwell, "The Green Mile") aufklären. Dieser hat ein neues Stimmerkennungssystem entwickelt, welches dank seiner Perfektion in den falschen Händen erheblichen Schaden anrichten kann. Doch wie sich herausstellt, ist dies nicht die einzige Drohung, mit der sich die drei Engel für Charlie konfrontiert sehen - selbst ihr geheimer Boss Charlie ist in Gefahr.
Kurzkommentar
In seinem Regiedebüt "Charlie's Angels" legt Videoclip-Virtuose McG ein selbstironisches, gewitztes Stück Actionkino mit drei unbeschwert aufspielenden und liebenswerten Hauptdarstellerinen vor. Auch wenn Tempo und Parodie nicht über die volle Laufzeit gehalten werden können, macht der Film vor allem aufgrund seiner Charaktere und der teils exzellent inszenierten Action einfach 'ne Menge Spaß.
Kritik
Schon im Jahr 1976 lief der Pilotfilm zur einer ungewöhnlichen Agentenserie, in der drei attraktive Privatdetektivinnen für einen unbekannten Drahtzieher im Hintergrund Aufträge im Sinne der Gerechtigkeit erledigen durften. Mit dem Satz "Yet another movie from an old TV Show" beginnen nun die "3 Engel für Charlie" selbstironisch ihre Reinkarnation nach über 20 Jahren und machen von Anfang an klar, daß dem Zuschauer hier nichts weiter als ein simpler "Girls kick ass"-Movie geboten werden soll. Denn Debütregissuer und vormals Videoclip-Guru (ua. für "The Offspring") McG weiß scheinbar genau, was die heutige Zeit verlangt und nahm den drei Engeln beinahe jegliche Ernsthaftigkeit. Und das ist gut so, denn jede andere Interpretation dreier weiblicher Top-Agentinen, denen scheinbar kein Gegner was anhaben kann, wäre wohl nichts geringer als lächerlich geworden.

Nun entpuppt sich "Charlie's Angels" hingegen als beinahe astreine Agentenparodie mit Comiccharakter. Und das Tolle daran: durch den fehlenden Anspruch auf Realismus dürfen die drei Hauptakteure geschmeidige Martial Arts Bewegungen, unmögliche Stunts und die unrealistischsten technischen Mätzchen durchführen, ohne daß sich jemand an der totalen Unglaubwürdigkeit stören dürfte. Ein Punkt, der vielen beim weitaus ernsteren "Mission: Impossible 2" übel aufgestossen war und sich bei "Charlie's Angels" zum dicken Pluspunkt entwickelt. Gerade die teils wirklich beeindruckenden Actionsequenzen, in die die drei Engel desöfteren verwickelt werden, machen nämlich am meisten Spaß. Untermalt von peppigem Beat und mit wunderbaren Slow-Mo Aufnahmen gesegnet überzeugen manche Kung-Fu Einlagen von technischer Seite mindestens so wie bei "Matrix" und wirken nur einen Tick weniger gut choreographiert. Und während sich die übermenschlichen Manöver bei den Wachowski's durch den Science-Fiction Charakter erklären, ist es hier eben die comichafte Überzeichnung.

Aber neben dem ganzen Gerase, dem lauten Kawumm und dem coolen Outfit macht der Film vor allem auch wegen seiner witzigen Charaktere Spaß. Cameron Diaz als Dumpfbacke Natalie kommt wirklich herrlich naiv rüber, während Drew Barrymore und Lucy Liu etwas ernsthafter zur Sache gehen. Macht aber nix, denn sie sollen ja nur gut aussehen, möglichst viel Dekolleté zeigen und ordentlich Ärsche treten. Für geistreichere Witzchen sind da schon eher Bill Murray und diverse Cameos da (Tim Curry, LL Cool J, Tom Green). Von Murray sieht man insgesamt zwar etwas zu wenig und einen Tick witziger hätte er auch sein können, aber trotzdem ist er die ideale Besetzung für den Zwischenvermittler Bosley - seine Mimik ist nun mal unwiderstehlich.

Glücklicherweise gibt es ja noch die "böse" Seite, bei denen vor allem Crispin "George McFly" Glover als überzogen stereotypischer "Beißer" in bester James Bond-Manier hervorsticht: charismatisch, markant, eiskalt. Der perfekte Obermotz für ein Comic und ebenso passend als scheinbar übermächtiger Gegner für die drei fähigen Kung-Fu Engelchen. Aber keine Actionkomödie ohne lockere Sprüche und jeder Menge Slapstick. Nicht jeder Spruch in "Charlie's Angels" sitzt hundertprozentig, viel Anlaß zum Meckern gibt's in diese Richtung trotzdem nicht (obwohl das ein oder andere Wortspiel in der deutschen Synchronisation verloren gehen dürfte).
Was den drei Engeln hingegen viel mehr schadet, ist die Tatsache, daß "Charlie's Angels" seinem selbstironischen und leicht persiflierenden Ansatz nicht immer treu bleibt und in zwei oder drei Szenen (bspsw. auf dem Trümmerfeld von Bosleys Haus) die ach-so wendungs- und trickreiche Story dem unwissenden Zuschauer auf's Penibelste erklärt - damit es auch der kleine Sechsjährige in der dritten Reihe versteht. Abgesehen davon, daß der Film hier zu sehr auf Ernsthaftigkeit und Emotionalität drängt, wird das Tempo des Films doch merklich gedrosselt und etwas Langeweile macht sich breit. Dabei hatte McG beim Ausloten der "Screentime" für alle drei Hauptdarstellerinen überraschend viel Geschick bewiesen - vor allem auch durch den gewitzten Schnitt im 70er Jahre Stil. Zudem dürfte manchem die ein oder andere Szene doch arg albern erscheinen (die "klassisch" deutsche Jodeleinlage), was aber nichts an der Liebenswürdigkeit der drei tolpatschigen Agentinnen ändert.

Doch trotz der erwähnten Mängel und der selbstverständlich strohdoofen Story dürfte man sich als Zuschauer nicht um sein Geld betrogen fühlen: "Charlie's Angels" ist anspruchsloses, visuell und akustisch bestechendes Popkornkino. Cool, witzig, locker - kurz: spaßig. Immer noch der Hauptgrund, warum viele ins Kino gehen.

Simpel gestrickes Fun-Movie - spaßig, locker, stylish


Thomas Schlömer