Land of the Dead

Kanada / Frankreich / USA, 93min
R:George A. Romero
B:George A. Romero
D:Dennis Hopper,
John Leguizamo,
Simon Baker,
Asia Argento,
Robert Joy
L:IMDb
„In a world where the dead are returning to life, the word 'trouble' loses much of its meaning”
Inhalt
Jetzt ist die Erde vollständig in der Hand von Zombies. Nur eine letzte menschliche Gesellschaft hat sich in einer befestigten Stadt verschanzt. Geschützt durch einen dicken Wall, fristen sie ihr Leben in Wolkenkratzern, hoch über dem trostlosen Treiben. Doch vor den Stadtmauern formiert sich eine Armee von Untoten, die nur nach einem giert: Menschenfleisch. Um sich vor dem drohenden Untergang zu schützen, wird eine Truppe von Söldnern angeheuert, die die letzte Schlacht gegen die Übermacht schlagen soll.
Kurzkommentar
Der Paradiesapfel fault - trotzdem konnte George A. Romero nicht widerstehen und läßt seine Untoten kräftig zubeißen. Doch die Versuchung hat ihren Preis, Land of the Dead, der vierte Teil der Zombie-Reihe des Begründers des modernen Untotenfilms, stellt den schwächsten Teil der Serie dar. Ein uninspiriertes Drehbuch, Dennis Hopper als Trashikone und gezähmter Goregehalt ergeben einen mittelmässigen Film und eine gewaltige Enttäuschung innerhalb der Splatterkommune.
Kritik
Die letzten Jahre meinten es gut mit den Untoten - die Metaphern-Platzhalter waren in unterschiedlichen Produktionen nach jahrelanger Abwesenheit wieder vermehrt auf den Kinoleinwänden zu begutachten, sei es die seichte Videospielreihenadaption "Resident Evil" bzw. "House of the Dead", die Komödie "Shaun of the Dead", das "Dawn of the Dead"-Remake von Zack Snyder oder der famose "28 Days Later": Zombies erleben eine Renaissance sondergleichen. Es scheint, als wolle angesichts dieser Entwicklung auch der US-Amerikaner George A. Romero, Begründer des modernen Zombiefilms, nicht hinten anstehen. Eigentlich hatte eine abgeschlossene Untoten-Trilogie vorgelegen: Die Nacht der lebenden Toten (1968), Zombie (1978) und Zombie II - Das letzte Kapitel (1985), doch mit seinem neuesten Streifen "Land of the Dead" – von Fans bereits liebevoll "LOTD" genannt - erweitert Romero seine Untoten-Epik.

- "They are pretending to be alive..."
- "Isn't that what we're all doing? Pretending to be alive."

Romero zeichnet ein trostloses Bild der Welt: Die Horden von Untoten bevölkern den gesamten Globus und nur in abgeriegelten Großstadt-Teilen, die Festungen gleichen, herrscht nervöser Frieden. Eine solche "Burg" in Pittsburgh ist auch Schauplatz der Geschichte, welche Romero erzählt. Innerhalb der sicheren Zone, abgeschirmt von drei Flussteilen, hat sich eine Zweiklassengesellschaft herausgebildet, in der die Ärmeren auf der Straße vegetieren, während die reichere Gesellschaft unter der Herrschaft des Oligarchen Kaufman (Dennis Hopper) in einem prunkvollen Hochhaus residiert, in dem sich das Leben der Reichen und Schönen von nichts von dem Leben vor den Untotenplage unterscheidet. Nepotismus, wohin man sieht.

Auf einem der überfallartigen Ausflüge ins Umland, provozieren die Söldner Kaufmans Riley (Simon Baker) und Cholo (John Leguizamo) die Untoten, welche über die Zeit eine Art von Bewusstsein entwickelten und erste Anfänge von kommunikativen Verhalten aufzeigen. Aufgebracht machen sich die Zombies, allen voran ein schwarzer Tankwart (Eugene Clark), auf den Weg zu Kaufmans strahlendem (Kapitalismus-)Tower. Externe Gefahr ist also in Verzug, doch auch intern nehmen die Spannungen zu, das brüchig-ungerechte Gesellschaftsmodell in Pittsburgh gerät zunehmend außer Kontrolle. Während der gemeinnützige Riley sich einfach möglichst schnell mit Freunden Richtung Kanada absetzen möchte, möchte Cholo mit allen Mitteln seinen Platz im vermeintlichen Paradies neben den Großen und Mächtigen im Tower einnehmen. Cholo entwendet als Druckmittel einen Art Superpanzer. Mit diesem, so droht Cholo Kaufman, werde er den Tower vernichten. Der Nero von Pittsburgh engagiert nun Riley unter dem Versprechen eines freien Abzugs nach Kanada, den Panzer mit allen Mitteln zurückzuholen.

Die Geschichte, die Romero anbietet ist wenig originell. Die Protagonisten bewirken zudem keine emotionale Rührung - die Handlung verläuft ohne klassische Heldenreise, Riley, der Protagonist, verändert sich nicht. Schmerzten die früheren Filme Romeros noch, ist diesmal alles eher klinisch sauber gehalten. Um es drastisch auszudrücken: Es sterben fast ausnahmslos diejenigen, die es auch durch irgendeine Form des menschlichen Fehlverhaltens „verdient“ haben. Das willkürliche und unverständliche Töten, das die älteren Zombiefilme Romeros ausmachte, geht beinahe vollständig verloren. Verstärkt wird dieser Eindruck in erster Linie dadurch, dass sich Romero entschied, Zombies mit Intellekt auszustatten. Das wirkt aufgesetzt und unpassend.

Die gewalttätigen Fressorgien wurden arg beschnitten und die zuständige KNB Effect Group kreierte Zombies, welche eher Züge deren früheren Arbeiten aus "From Dusk Till Dawn" tragen. Der Gastauftritt Tom Savinis wirkt da wie blanker Hohn; war es doch, der in „Day of the Dead“ das kongeniale Make-up kreierte. Romero drehte seine 18 Millionen Dollar Geschichte in Toronto so, als ob es das "Dawn of the Dead"-Remake und "28 Days later" nie gegeben hätte. Die teilweise träge Inszenierung, welche mit Hommagen an "Seargant York" und "Carnival of Souls" durchzogen ist, ist im Grunde ein unnötiger, überflüssiger Beitrag zur Zombie-Welle. Stellt schon der Versuch, "Dawn of the Dead" als konsumkritische Parabel zu deuteneine sehr romerofreundliche Interpretation dar, so wird man bei "Land of the Dead"ernsthafte Schwierigkeiten bekommen.

Die Sozialkritik, möchte man diese tatsächlichherauslesen, ist schlichtweg zu platt, zu offensichtlich. Da gibt es die kapitalistische Zweiklassengesellschaft, in welcher sich tatsächlich die Armen gegenseitig auffressen müssen, da gibt es den schwarzen Zombie-Tankwart, der die Rebellion gegen den rassistisch-portraitierten Dennis Hopper anführt, da gibt es Zombies als Unterhaltung für die dekadente Gesellschaft in Anlehnung an zahlreiche geistlose Game-Shows, kurzum: da gibt es keine Zwischentöne, keine kleinen Nischen. Romero benutzt, ganz wie seine Untoten keine Nadelstiche, sondern grobes Werkzeug, wie etwa einen Presslufthammer. Möchte der Zuseher aber wiederum das sehen, bleibt er letzten Endes gleich bei Lucio Fulcis „The Beyond“ oder „Woodoo“.

Morbide, zeitlose Zombie-Unterhaltung; Romero verpackt dabei leider seine blutige Variante der Sozialkritik in einer mitunter schwächelnden Erzählung


Rudolf Inderst