Letzte Festung, Die
(Last Castle, The)

USA, 131min
R:Rod Lurie
B:David Scarpa
D:Robert Redford,
James Gandolfini,
Mark Ruffalo,
Delroy Lindo
L:IMDb
„Der General erobert Herzen und Verstand der Männer! - Ihre Herzen und ihren Verstand kann er haben, solange wir ihre Eier haben.”
Inhalt
Als 3-Sterne-General Irwin (Robert Redford) seine rechtmäßige Strafe in einem Militärgefängnis antritt, will er die Zeit eigentlich nur absitzen und dann schnell wieder nach Hause. Doch mit der Zeit werden die Mißstände unter dem tyrannischen Gefängniskommandant Colonel Winter (James Gandolfini) immer deutlicher sichtbar, und so entschließt sich Irwin, eine Gefängnisrevolte zu starten und die Festung zu übernehmen.
Kurzkommentar
"Die letzte Festung" lebt von dem Machtkampf zwischen Redford und Gandolfini - einen anderen Grund, sich diesen Film anzusehen, gibt es eigentlich nicht (es sei denn, man mags gern zackig oder pathetisch). So ganz glücklich inszeniert ist diese Auseinandersetzung nicht immer - für Fans aber allemal sehenswert.
Kritik
Das Redford-Charisma schlägt wieder einmal voll zu: Denn eigentlich unterliegt Redford schauspielerisch Gandolfini bei Weitem. Dennoch ist nicht zu bestreiten, dass eine umgekehrte Rollenverteilung kaum denkbar scheint. Redford hat jene Aura, die ihn, ohne großes Spiel, als 3-Sterne-General glaubwürdig erscheinen lässt, und Gandolfini nimmt man den sadistischen Gefängniskommandanten ebenfalls leicht ab. Aber das Rollen nicht mit guten Schauspielern sondern immer mehr mit Typen besetzt werden, ist in Zeiten, in denen Drehbücher mehr und mehr für Personen geschrieben werden, auch keine neue Erkenntnis mehr.

Von zwei Dingen lebt der Film: Von der vorgeblichen Spannung, und von dem angedeuteten Psycho-Duell. In beiden Fällen leistet der Film aber nicht das, was er leisten könnte: Das Manko ist wie so oft, dass das Ende vorhersehbar ist - auch wenn es zum Schluss hin diverse Wendungen gibt (die hier nicht verraten werden sollen), im Wesentlichen geschieht aber genau das, was man schon wusste, als man die Inhaltsbeschreibung las. Bleibt die Spannung, die durch die Frage aufgebaut wird, wie das absehbare Ende erreicht wird. Und dieser Teil ist durchaus gelungen. Trotz einiger logischer Fehler (Wie kommen Gefängnisinsassen an einen Enterhaken?) ist es mehr oder weniger interessant zu sehen, mit welchem Einfallsreichtum die Gefangenen das Gefängnis übernehmen, und sich dabei Scharfschützen, Wasserwerfern und Hubschraubern erwehren. Nur: Das sind eher technische Spielereien, die man in einem Gimmick-Gadget-Film a la James Bond suchen würde, nicht aber in einem Film mit Robert Redford, jenem Mann, der immerhin das Sundance-Festival für Filme jenseits von Hollywood ins Leben gerufen hat. Was das die Auseinandersetzung zwischen Irwin und Winter angeht, die ja das Motto des Filmes (A castle can only have one king) bestimmt, so muss man wohl sagen, dass auch die schon nervenaufreibender inszeniert wurde. Obwohl die Figur des Winter zunächst weniger platt zu schein seint, als man hätte befürchten können, wird doch allzu bald deutlich, wie die Rollen verteilt sind, die Charakterzeichnung folgt dem äusserst platten Gut-Böse-Schema. So kann es natürlich nicht anders sein, dass der General zwar wegen des von ihm verschuldeten Todes einiger Soldaten in das Gefängnis muss, aber natürlich wollte er nur das beste, ist ein moralisch Anständiger, während Winter zwar klassische Musik hören darf (in der Vorstellung amerikanischer Drehbuchschreiber war das schon immer das Zeichen für eine unterdrückte Persönlichkeit und tiefliegende Grausamkeit), aber auch historische Pistolenkugeln sammelt, was natürlich, wie uns sofort dozierend verdeutlicht wird (wir wären auch nicht selber drauf gekommen), ganz ganz unmenschlich ist, ganz böse. Derart platt geht es leider noch öfter zu, auch wenn es durchaus ein paar gute Szenen im Duell der beiden gibt.

In Filmen wie "Crimson Tide" hat man entsprechende Auseinandersetzungen schon ebenso platt gesehen, dabei aber weit spannender inszeniert, und wer ein schauspielerisch beeindruckendes, nicht vor Pathos triefendes Gefängnis-Drama sehen will, wird sich wohl eher an "Murder in the First" halten.

Apropos Pathos: Sehr gute Arbeit hat hier Jerry Goldsmith geleistet, der unterlegte Score passt gut zur Stimmung, leider bleiben die Bilder hinter der dramatisch-getragenen Musik zurück. Die restliche Inszenierung gibt sich solide, aufregend ist das alles aber kaum. Auch Redford kann schauspielerisch nicht wirklich überzeugen, aber wer geht schon wegen seiner darstellerischen Qualitäten in einen seiner Filme - die größte Arbeit leistet hier noch die einmalig gute deutsche Synchronstimme von Rolf Schult.

Blickt man auf die Zielgruppe, so muss man erstmal ein wenig suchen: Action gibt es zwar in geringem Maße, aber ein Action-Film ist es nicht. Ein Militärfilm? Nunja, es gibt ein paar militärische Anknüpfungspunkte, aber ein wirkliches Thema ist das auch nicht. Oft liest man: Genre des Gefängnisfilms. Sicher, das gehört zum Thema, aber Mittelpunkt der Handlung ist es eigentlich nicht - dazu werden die spezifischen Zustände und Lebensbedingungen viel zu sehr vernachlässigt. Ein Drama? Offiziell ja, tatsächlich ist die Handlung dafür doch ein wenig dünn. Am treffendsten wäre es vielleicht noch, den Film als Redford-Film zu bezeichnen. Was uns doppelte Einsicht verschafft: Man muss ihn nicht gesehen haben, Redford-Fans werden aber dennoch ihren Spass haben (soviel zur Zielgruppe).

Eigentlich überflüssiger, für Redford-Fans aber akzeptabler Film für's amerikanische Gemüt


Wolfgang Huang