Leon - der Profi
(Léon)

Frankreich, 130min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Luc Besson
B:Luc Besson
D:Jean Reno,
Natalie Portman,
Gary Oldman,
Danny Aiello
L:IMDb
„Keine Frauen, keine Kinder ... das sind die Regeln.”
Inhalt
Die zwölfjährige Mathilda (Natalie Portman) wächst in einer heruntergekommenen Familie auf. Ihr Vater versteckt Drogen für den zwielichtigen Cop Norman Stansfield (Gary Oldman). Nur die Existenz ihres kleinen vierjährigen Bruders verhindert, daß Mathilda vollkommen zusammenbricht. Als Stansfield und seine Männer eines Tages Rache an Mathilda's Vater wegen gestretchter Drogen nehmen, töten Sie auf brutalste Weise die ganze Familie. Nur Mathilda, die Einkaufen war, überlebt, weil sie bei ihrer Rückkehr Unterschlupf beim Nachbarmieter Léon (Jean Reno) findet. Als Mathila entdeckt, daß ihr "Freund" ein Profikiller ist, wittert sie die Chance mit Léon's Hilfe Rache üben zu können. Léon hingegen hat weder Erfahrung als Vater noch als Freund und muß mit dieser neuen schwierigen Situation umgehen. Der Konflikt eines bis dahin emotionslosen Profikillers, der seine Fähigkeit zu leben und lieben entdeckt, und eines brutal rücksichtslosen korrupten Polizisten hat seinen Grund in einem kleinen zwölfjährigen Mädchen, das absolut nichts zu verlieren hat.
Kritik
Mit "Léon, der Profi" hat Luc Besson ein eigenwilliges Werk geschaffen. Er führte nicht nur Regie, sondern entwickelte auch die intelligente Story um eine der wohl ungewöhnlichsten Beziehungen der Filmgeschichte. Und vor allem vermag er es extrem gut, diese Beziehung zu entfalten und immer neue Aspekte aufzuweisen. Unglaublich, wie fesselnd er das mehr oder weniger simple Spiel seiner beiden Hauptdarsteller inszeniert hat und mit welch tiefgründigen Dialogen eben diese charakterisiert werden. Vor allem wirken Léon's und Mathilda's Verhaltensweisen absolut glaubwürdig, so daß man von "unrealistisch" eigentlich nicht reden kann. Mathila wächst in einer der heruntergekommensten Familien, die man sich nur vorstellen kann, auf: brutaler Vater mit Kontakt zu Drogenhändlern, eine Prostituierte als Ersatzmutter, eine freche Schwester und ein kleiner Bruder, um den sie sich kümmern muß (und will), damit er einigermaßen glimpflich aufwachsen kann. In diese nicht vorhandene Idylle tritt dann der kaltblütige korrupte Komissar Stansfield, der nicht nur gehörige psychologische Probleme hat, sondern auch auf brutalste Weise Mathilda's Familie geradezu abmetzelt.

Léon, als Profikiller entsprechend wurzellos und ebenso kaltblütig, ist aber immerhin insoweit "vernünftig", als daß er weiß, wo die moralischen Extrema liegen. Er tötet "nur" Kriminelle, ist quasi der Insider-Tip in New Yorker Drogen- und Mafiageschäften. Dieser Mensch, geistig ob seines Berufes etwas neben sich stehend, überwindet sich nun, die kleine Mathilda bei sich aufzunehmen und läßt sich von Ihrer direkten und fast skrupellosen Art überrumpeln, einen Deal einzugehen : sie bringt ihm Lesen und Schreiben bei, er ihr das "Cleanen". Und so wird der Zuschauer mit teils rasanten, teils gefühlvollen Bildern überflutet, die moralisch fragwürdige, aber dennoch realistische Waffenübungen, und beziehungsintensive Vater-Tochter Szenen paaren.

Die schauspielerischen Leistungen kann man dabei als sensationell bezeichnen. Jean Reno verleiht allein schon durch seine Mimik (bsp.weise im Kino) der Rolle eine unglaubliche Tiefe, Natalie Portman, immerhin noch Kind, spielt so gefühlvoll und talentiert, daß man schon fast gewillt ist, ihr einen Oscar in die Hand zu drücken, Gary Oldman definiert die Rolle des emotionslosen Bösewichts neu und selbst die Nebenrollen (der bunt zusammengewürfelte Haufen Handlanger Stansfield's, die "Bank" Tony oder z.B. eine unbeteiligte Oma) wirken so bedacht gewählt, daß einem ob des Realismus schon Angst und Bange um die Zukunft der Gesellschaft wird.

Dazu noch die exzellente Kameraführung und die stimmungsvolle Musik Eric Serra's - perfektes Gefühlskino mit Einblicken in eine kriminelle, korrupte Welt, die dem Zuschauer so noch nie präsentiert wurde. Da ich leider nur den "Director's Cut" kenne und ihn unabhängig von der ursprünglichen Version bewerte, fällt ein Vergleich zum Original natürlich flach. Aber bei diesem genialen Schnitt, frage ich mich auch, ob ich das Original überhaupt sehen will.

Gefühlvolle Inszenierung, exzellenter Schnitt, packende Story - ein Meisterwerk


Thomas Schlömer