Sahara

USA, 124min
R:Breck Eisner
B:Clive Cussler, Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer
D:Matthew McConaughey,
Steve Zahn,
Penelope Cruz,
Lambert Wilson
L:IMDb
„I´ll go for the bomb, you get the girl!”
Inhalt
Für den wagemutigen Schatzsucher Dirk Pitt (Matthew McConaughey) beginnt das Abenteuer seines Lebens, als er eine antike Münze zugespielt bekommt. Das Artefakt stammt von einem verschollenen Kriegsschiff aus Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges, das angeblich eine sagenumwobene Fracht mit sich führte. Gemeinsam mit seinem besten Freund Al Giordino (Steve Zahn) macht sich Pitt auf die Suche - unterstützt von dem ehemaligen Navy-Admiral Sandecker (William H. Macy), der Pitts Unternehmungen mit Hilfe der von ihm gegründeten Organisation NUMA (National Underwater and Marine Agency) finanziert. In dem afrikanischen Staat Mali stoßen Pitt und Giordino zunächst jedoch Dr. Eva Rojas (Penélope Cruz), eine Ärztin im Einsatz der Weltgesundheitsorganisation, die einer mysteriösen Epidemie auf den Spuren ist. Als sie jedoch bei ihrer Arbeit zunächst durch den undurchsichtigen Geschäftsmann Yves Massarde (Lambert Wilson) gehindert und kurz darauf von waffenstarrenden Schergen fast ums Leben gebracht wird, die unter dem Kommando des afrikanischen Generals Kazim (Lennie James) stehen, wird Pitt klar, dass seine Schatzsuche unmittelbar mit den Nachforschungen der Ärztin in Verbindung steht.
Kurzkommentar
Ein Regie-Debüt und weiterer „Indiana Jones“-Verschnitt? Klingt nach peinlichem Ende, aber „Sahara“ gelingt der Coup, sich und erst recht nicht seinen Plot in keiner Sekunde ernst zu nehmen. Dank gut aufgelegter Besetzung, sinnfrei-lockeren Sprüchen und gut getimter Action bietet das ironische Draufgänger-Spektakel annehmbaren Popcorn-Spaß mit Fortsetzungswahrscheinlichkeit.
Kritik
Das Kalkül war klar und ging auch auf. Stellt man die übrigen Kinostarts des bisherigen Jahres in Rechnung, wirkt der Erfolg von „Star Wars 3“ nicht wie von dieser Welt. Gerade deswegen stach das ehrlich dumpfe Action-Abenteuer „Sahara“ ein wenig heraus, weil er am ersten Wochenende in den USA 18 Millionen Dollar umsetzen konnte. Möglich, dass „Sahara“ noch stärker gestartet wäre, wenn Hugh Jackman, wie eigentlich vorgesehen, die Hauptrolle übernommen hätte. Der Kassenfluss versandete bald zwar, aber eine Fortsetzung liegt nahe, und das war auch so gedacht, denn die Vorlage stammt nicht von irgendwem und der Regisseur, obwohl hier Debütant, ist nicht irgendwer, sondern der Sohn des ehemaligen Disney-Konzernchefs Michael Eisner. Man könnte nun in das übliche Gejammer über eine weitere lahme „Indiana Jones“-Kopie verfallen, mit der man sich martern müsse, bis sich Spielberg denn endlich bequemt, nach 16 Jahren ein viertes Original mit einem fragwürdig gealterten Harrison Ford nachzuschieben.

Und so viel ist dann klar: Auch „Sahara“ kann „Indiana Jones“ natürlich nicht das Wasser reichen - nicht im Hinblick auf den charismatischen Helden, nicht im Hinblick auf den augenzwinkernden Humor, mit Regisseur und Drehbuchautor der Unglaubwürdigkeit ihrer Geschichte begegnen, nicht im brillanten Timing, nicht in der Action und erst recht nicht im Hinblick auf den Spannungsbogen. Aber immerhin liefert Clive Cussler die Vorlage, mit einer weltweiten Auflage jenseits der 100 Millionen Exemplare sicher einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Cussler schreibt Dirk Pitt, eine Art intellektloser Indiana Jones und in „Sahara“ wie eine kaum ernst gemeinte Kreuzung aus Unterwasser-Cowboy und Surfboy, in Serie fort und stürzt ihn, wieder vom Standpunkt der Logik und Glaubwürdigkeit her, in die haarsträubendsten Abenteuer. Bizarrerweise gibt es die „National Underwater Maritime Agency“, die in „Sahara“ trotz hehrer musealer Bekundung eher wie ein Grabräuber-Company daherkommt, unter der Ägide von Cussler wirklich.

Wer es nun mit dem Wirklichkeitsgehalt bei „Sahara“ überhaupt nicht eng sehen will, kann sich von gut aufgelegtem Blödsinn zwei Stunden lang vor exotischer Kulisse gut unterhalten lassen. Originell ist hier nichts, aber alles sehr entspannt. Matthew McConaughey, angeblich begeisterter Clive Cussler-Konsument, fungiert als Produzent und Hauptdarsteller, und man merkt, dass die gesamte Crew bei diesem Wüstenrennen einigen Spaß und ironische Distanz zu dem gehabt haben muss, was man hier auch als „Handlung“ verbissen hätte verkaufen können. Aber „Sahara“ macht nach einer krachenden und letztlich völlig überflüssigen Einleitung sofort klar, dass es den Verantwortlichen nur darum geht, mit B- und Trashmovie-Tendenzen zu kokettieren und gut getimte Action-Szenen an wechselnden Orten in Reihe zu schalten. Plot und markige Einzeiler der Helden dienen nur als Kitt für Schlägereien und wüste Verfolgungsjagden vor dem für das Genre notwendigen exotisch-schicken Bilderbogen.

Sicher, die Einführung der Helden ist jämmerlich knapp, hier bringt es nichts über Comic-Niveau. Auch vernünftig installierte Schurken sucht man vergebens, „Indys“ Nazis bleiben ungeschlagen. „Sahara“ bringt es bloß auf einen schmierigen, niederträchtigen Industriellen und einen beliebigen, afrikanischen Mini-Tyrannen. Dafür aber kann die Chemie der besetzten Rollen sofort punkten. Als „Buddy“-Movie funktioniert „Sahara“ herrlich locker: McConaughey stürzt sich als Pitt von einer todesverachtenden Szene in die nächste, während Steve Zahn als der immerwährende Kumpel Al Giordino Feuerschutz geben und die Karre mit aus dem Dreck ziehen darf. Dass selbst derbsten Kugelhagel Coolness bewahrt wird, versteht sich von selbst. Die Spanierin Penélope Cruz muss nicht viel tun, ist nicht viel mehr als das zu rettende Objekt. Immerhin ist sie dem Spaß des ganzen nicht hinderlich, auch wenn ihre Figur der UN-Ärztin erst eigentlich dafür sorgt, dass der ohnehin sinnfreie Plot der Schatzsuche um einen noch absurderen zweiten Handlungsstrang ergänzt und gebremst wird.

Es sollte aber nicht erst bei späten Einzeilern vom Schlage des „I´ll go for the bomb, you get the girl“ klar sein, mit welcher Erwartungshaltung man sich auf „Sahara“ einzulassen hat. Hier gibt es alles, was unlogisch ist: Befreiungsaktion aus schier aussichtsloser Lage, Wüstenwindsurfen auf Flugzeugwracks und einen absolut spektakulären Showdown, gleichzeitig Gipfel der augenzwinkernden Übertreibung. Nur Spannung gibt es keine. „Sahara“ ist ehrlich dumm und macht dabei einigen Spaß. Das Action-Abenteuer ist kein Stück originell, was in einem vergleichsweise angestaubten Genre aber ohnehin schwer gewesen wäre. Bis zum vierten, einzig echten „Indiana Jones“ macht sich „Sahara“ als Lückenfüller ganz passabel.

Sinnfreie "Indiana Jones"-Kopie. Spaßig, selbstironisch, rasant.


Flemming Schock