Weather Man, The

USA, 101min
R:Gore Verbinski
B:Steven Conrad
D:Nicolas Cage,
Michael Caine,
Hope Davis,
Gemmenne de la Peña,
Nicholas Hoult
L:IMDb
„Do you know that the harder thing to do, and the right thing to do, are usually the same thing?”
Inhalt
Das Wetter lässt sich nie vorhersagen. Das Leben auch nicht. Journalist Dave Spritz (Nicolas Cage) ist Chicagos bekanntester „Wetterfrosch". Als man ihm die Moderation von Amerikas bedeutendster TV-Show „Good Morning, America" anbietet, scheint er auf der Karriereleiter ganz oben angekommen zu sein. Allerdings müsste er für den Job nach New York - dabei steht in Daves Privatleben das Barometer längst auf Sturm. Wegen der schmerzhaften Trennung von seiner Frau (Hope Davis), der Krankheit seines Vaters (Michael Caine) und des ständigen Ärgers mit seinen Kindern balanciert er auf Messers Schneide zwischen Absturz und Lebensfreude.
Kurzkommentar
Erst mal Schluss mit Piraten und Karibik: Gore Verbinski stellt sich erfolgreich – zusammen mit Nicolas Cage, Michael Caine und Hope Davis – dem Genre der Tragikkomödie. In kühlen, oftmals elegischen Bildern offenbart sich eine Charakterstudie voller Höhen und Tiefen des Lebens. Dies wird von einem minimalistischen, jedoch fesselnden Elektro-Sound begleitet.
Kritik
Die Macht, das Wetter der kommenden Zeit vorherzusagen, das bedeutet in etwa zu prophezeien, wann der erhoffte Regen fällt, ist nicht zu unterschätzen. So war es in bestimmten Kulturkreisen den Priestern oder Schamanen vorbehalten, diese Deutungshoheit als ein Zeichen ihrer Götterverbundenheit zu manifestieren. Anders jedoch Nicolas Cage als Wetterfee David Spritz. Er wird, kaum vor die Tür getreten, mit Lebensmitteln unterschiedlichster Art beworfen – weniger ist dies als Opfergabe denn als Herabwürdigung zu deuten. So erkennt er auch an einer Stelle zu Recht, dass eigentlich nur Zirkusclowns mit Essen beworfen werden. Unweigerlich fragt Spritz sich, ob er denn tatsächlich nur einen Hampelmann darstellt.

Doch Verbinski zeigt uns die zwei Seiten des Clowns. Er zeigt uns, gleich zu Beginn, den gewinnenden, den lächelnden Wettermann, nur um eine Sekunde später zu beweisen, dass das Eis, welches Chicago fest im Griff hat, auch im Herzen Spritz’ Einzug gehalten hat. Die farbarmen, manchmal obszön achromatischen Töne sind eine große Stärke des Films. Seine Themenbandbreite ist beeindruckend: Verbinskis formale Kategorien streifen so vieles, dass man als Zuseher leicht geneigt ist, vor all der Sammlung von Unglück und Schieflage zu kapitulieren und auf den nächsten befreienden Lacher zu warten. Doch Verbinski gibt nicht den postmodernen Zyniker – es gelingt ihm vielmehr voller Leichtigkeit, Themen wie Kindsmissbrauch, Mobbing oder Krankheit und Hass zu benutzen, ohne sie billig zu instrumentalisieren: Sie ergeben die Geschichte einer amerikanischen Gesellschaft, die von so vielen Faktoren gleichzeitig beharkt wird, dass manchmal das Leben auszusetzen scheint und an anderer Stelle wieder Fahrt aufnimmt.

Während die berufliche Karriere mehr oder minder steil nach oben zeigt, zerfällt das Privatleben des Wettermannes in tausend Scherben. Er erkennt zunehmend (oft unter Zuhilfenahme einer gesalzenen Vulgärsprache), dass er ein einziger Spielball der gesellschaftlich-ideologischen Großwetterlage ist – und erst als er sich gezwungenermaßen mit manchen Sachverhalten arrangieren oder auseinandersetzen muss, kann er einen Status quo entwickeln, der es ihm ermöglicht zu wissen wo er (sprichwörtlich) steht. Hinter der New Yorker Feuerwehr, aber vor Sponge Bob, dem Schwamm.

Sind es also vor der Kamera die großen Namen der Schauspielriege, auf die sich Verbinski verlassen kann (allen voran der Souveränität und Würde ausstrahlende Michael Caine), arbeitet im Hintergrund bewährtes Personal: Phedon Papamichael, zuständig für die einprägsamen Bilder ist unter anderem verantwortlich für „Million Dollar Hotel“, der Production Designer Tom Duffield arbeitete nicht nur an Tim Burtons „Ed Wood“, sondern übernahm auch das Design für Verbinskis kompetente Version von „The Ring“. Der Erfolgsexport Hans Zimmer steuert einen gelungenen Soundtrack bei, der die Bilder unterstreicht, akzentuiert und bei Zeiten konterkariert.

Es ist absehbar, dass eine der Hauptschwierigkeiten darin bestehen wird, den Film „The Weather Man“ profitabel vermarkten; entscheidend dürfte es sein, ein eigenes Profil für den Film zu entwickeln: Einzig die Frage bleibt, welches das sein könnte. Der offizielle Trailer betont leider lediglich die komischen Seiten des Films und ist somit als irreführend zu bezeichnen. Dass dies sich als sehr nachteilig erweisen kann, belegt das Beispiel „The Village“. Die Vorschau wollte den Film als rigiden Horrorstreifen transportiert wissen. Als sich jedoch eine stimmungsvolle Inszenierung ohne harte Gangart dann letzten Endes darbot, war die Enttäuschung (zu Unrecht) groß. Verbinskis Film trägt deutlich das Kainsmal der Filmverleihpolitik – viel zu lange blieb der Streifen unveröffentlicht, da man sich nicht so recht klar darüber war, wie eine sinnvolle und erfolgreiche Vermarktung auszusehen habe.

In gewisser Weise ist „The Weather Man“, der innerhalb von zwei Monaten an Originalschauplätzen in Chicago gedreht wurde, versöhnlich, in gewisser Weise trist: „As for he script, it brought me from laughter to tears and back again. It’s one of those movies that is not a comedy, a drama or a tragedy – it’s all those things, because that’s what real life is.” (M. Caine)

Gore Verbinski zeichnet in kühlen Bildern eine tragisch-komische Geschichte, die nach einem hervorragenden Schauspielerensemble ruft und dessen Ruf erhört wird.


Rudolf Inderst