Legionär, Der
(Legionnaire)

USA
D:Jean-Claude Van Damme,
Steven Berkoff,
Nicholas Farrell,
Adewale Akinnuoye-Agbaje
Inhalt
Immer wieder reizt das in ganz Europa romantisch verklärte Jahrzehnt der „goldenen 20er Jahre“ zur Wunschprojektion ureigenster Männerabenteuer. Besonders die legendäre französische Fremdenlegion hat sich in ihrer Historizität im Laufe der Zeit verflüchtet und bot Jean-Claude van Damme aktuellem Film einen Ansatzpunkt für die Vita eines Zerbrochenen, der auszog, um zu vergessen: Alain Lefevre ( Jean-Claude van Damme ) zelebriert in der lebhaften französischen Hafenmetropole Marseille ein verschwenderisches Leben als Playboy, Gentleman und - wie könnte es anders sein - Preisboxer. Da auch der Sport natürlich nicht frei ist vom virulenten Problem der Kriminalität und Korruption, trifft Lefevre auf einen Gangsterboß, der ihm ein verlockendes Angebot eines getürkten Kampfes unterbreitet. Lefevre kann nicht widerstehen, lässt sich mit einer hohen Summe Geld bestechen und soll dann im Kampf vorsätzlich unterliegen. Dummerweise trifft er auch noch seine alte Flamme Katrina, die er durch eine geplatzte Hochzeit tief kränkte. Als der dann im Ring steht, kann er sich aufgrund psychischer Labilität und plötzlich erwachendem Erhaltungsurtrieb nicht an den Deal halten und gibt seinem Gegner ordentlich eins auf die Glocke. Nun bleibt ihm nichts anderes als die Flucht vor der Rache des betrogenen Gangsters an den unwirtlichsten Ort, zur rauesten Truppe der Welt - der Fremdenlegion. Katrina wird ein zweites Mal versetzt, Lefevre träumt ihr nach und sieht seine Entscheidung als harten Weg der Läuterung.
Kritik
Spätestens mit diesem neuesten Auswurf an klischeegetränktem Action-Abenteuer, das gerne großes, episch breites Erzählkino sein möchte, doch haarsträubend substanzlos im Wüstensande verläuft, dürfte sich Jean-Claude van Damme aus den Reihen Hollywoods verabschiedet haben - falls er jemals richtig dort war. Es nicht verständlich, was dazu bewogen hat, diese 35 Millionen Mark teure filmische Fata Morgana, ursprünglich „exklusiv“ für den Video Markt produziert, noch auf die Leinwand zu bringen. Sicher, die Ökonomie ist fast kalkulierbar, pilgern doch die wenigen, ganz hartnäckig eingeschworenen „Muscles from Brussels“ Gläubigen beinhart in jede neue dramaturgische Katastrophe. Denn was uns hier als differenzierte Charakterdarstellung eines gebrochenen Helden aufgeschummelt werden möchte, bewahrheitet sich als beispiellos oberflächliche Inszenierung des Regisseurs ( Peter MacDonald ), der schon den brachialmartialischen Rambo III zu verantworten hat. Dachten wir diese grausam dummen Zeiten hinter uns zu wissen, werden wir nun auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wusste jeder noch, wieso Rambo die bösen Russen zu dezimieren hatte, macht sich der gurkenhafte Drehbuchschreiber Shelton Lettich ( „Double Impact“ ) nun nicht mal mehr den Hauch einer Mühe, für den bodenlosen Alain Lefevre ein Feindbild zu konstruieren. Doch siehe da, was zaubert er aus dem Ärmel? Ein entferntes arabisches Reitervolk, dem es kräftig einzuheizen und vorher den Drill zu durchstehen gilt! Das wüstentraumatische Stück Elendsfilm wird durch die nicht vorhandene Schauspielkunst van Dammes regelrecht plotmäßig souverän und formt das aus, was jeden van Damme Film bis in Ewigkeit anhaften wird: entsetzlich leerere Blicke, Gewalt aus purem Selbstzweck, der endgültige Begriff vom schauspielerischeren Dilettantismus mit dem immerwährenden Wunsch „ach, könnte ich mich im Dialog bloß verständlich machen“. Da dies jedoch für die belgische Exil-Pommes außerhalb des Möglichen liegt, muss das Sprechen größtenteils den anderen zufallen, denen, die auf ihn einreden, um dann doch nur wieder einen nichtsverstehenden Blick zu ernten. Die anderen multinationalen Klischeegestalten, mit denen der französische Prügelknabe seinen Drill durchmacht, sind so dumm wie schablonenhaft präsentiert und van Dammes fatalistischer Selbstinszenierung durchaus ebenbürtig. Da schwelgt der ganze Mob in Erinnerungen, affektierten Identitätskrisen und unzumutbaren Dialogen. Elendig langweilig ist es, dem bis ins Kleinste vorhersehbaren Verlauf, dem Marschieren, der Entkräftung, dem machohaften Heroentums etc., zu folgen. Die Unsinnigkeit kulminiert schließlich im Aufbruch zu einer vor den Reiterstämmen zu verteidigenden Wüstenfestung. Jene Reiter sind der Feind, der - wie zum Schluss eröffnet wird - nur legitim sein Territorium gegen französischen Kolonialismus verteidigt. Aber egal, denn der Feind bleibt identitätslos, stürmt heran, lässt die Franzosen bluten und zertrümmert im finalen Showdown deren Wüstenbastion, gleichsam die endgültige Selbstdemontage dieser epochalen Dummheit. Ja, da macht das Sterben richtig Sinn. Das hat die Fremdenlegion nun auch wieder nicht verdient. Ach ja, raten Sie, welcher Franzose als einziger überlebt und vom bösen Okkupationsgedanken durch Kurzdidaktik befreit wird.

Infernalisch versandet und leider keine Fata Morgana


Flemming Schock