Taxi Taxi
(Taxi 2)

Frankreich, 82min
R:Gérard Krawczyk
B:Luc Besson
D:Samy Naceri,
Frédéric Diefenthal,
Marion Cotillard,
Emma Sjöberg
L:IMDb
„Wir haben keine Zeit, Zeit zu verlieren!”
Inhalt
Taxifahrer Daniel kurvt (Samy Nacéri) durch die Straßen von Marseille, stolz darauf, seine Kunden stets rechtzeitig am Zielort abzuliefern. Dass manche bei Tempo 130 nur knapp einer Herzattacke entgehen oder sich ausgiebig in die am Vordersitz angebrachte Plastiktüte erbrechen, sieht Daniel nicht so eng. Mit Autoritätspersonen konnte Daniel noch nie viel anfangen - um so erstaunlicher, dass ausgerechnet er nun eine hoheitliche Aufageb ausführen darf. Denn Daniel soll mit seinen tolldreisten Fahrkünsten die Japaner von den Vorzügen einer vom französischen Geheimdienst entwickelten Limousine überzeugen. Aber bevor er sich versieht, ist der japanische Verteidigungsminister von asiatischen Terroristen entführt worden. Nun will er mit seinem Kumpel, dem Polizisten Emilien (Frederic Diefenthal) und dessen Kollegin Petra (Emma Sjoberg) die Scharte wieder auswetzen.
Kurzkommentar
Tiefgelegte Sprüche, jede Menge Klaumauk, Blech, viel zu viele Peugeots und unergründlicherweise der erfolgreichste Film in Frankreich - das ist "Taxi Taxi". Wer am geschmackswidrigen Strickmuster des Originals Gefallen fand, wird auch mit der zweiten Blechoper fertig.
Kritik
Da wird sich Luc Besson ("Das fünfte Element", "Johanna von Orleans") als nationaler Produktionskrösus die Hände gerieben haben: Teil eins der Crashkomödie lockte 1997 bereits Millionen von Franzosen ins Kino, machte "Taxi" erfolgreicher als jeglichen Import aus Hollywood hob und ihn in die ewige Bestenliste der meistgesehendsten Filme des Landes. Der markig bis merkwürdig aussehende Samy Nacéri wurde als rasender Taxifahrer mit dem Film zum Star. Es bleibt aber eigentlich nur Spekulation, was damals in Frankreich Pilgerströme ins Kino lockte, war das derbe Klamaukniveau am ehesten mit Louis de Funès zu vergleichen, eigentümlich französisch und kaum internationalisierbar.

Der Marktanteil der Eigenproduktionen mit "spezifisch nationalem" Humor ist in Frankreich höher als in jedem anderem Land. Beträgt bei uns die Präsenz des deutschen Films unter zwanzig Prozent, so konnte Luc Besson seine weniger erfolgreiche Hollywood-Existenz mit der Fortsetzung zur Schrottoper vergessen machen. Er produzierte den Film, verfasste das "Drehbuch" und siehe da: sage und schreibe über zehn Millionen Franzosen belagerten die Kinokassen und machten "Taxi 2" zum ewigen Spitzenreiter. Und das mit einem Scherzniveau, das selbst Hollywood nur mit Mühe hätte unterbieten können. Wer nun Gefallen am temporeichen ersten Teil fand, wird auch die Fortzsetzung lieben, denn natürlich ist alles beim alten geblieben:

Die Gags sind noch immer tiefer gelegt als der Peugeot von Daniel, die Polizei ist weiterhin ein biersaufendes Idiotenkollektiv und nur die Gegner sind diesmal nicht die Mercedes-Gang, sondern irgendwelche Yakuza. Die hirnverbrannte Geschichte um die Entführung des japanischen Verteidigungsminister ist selbstredend bloß reiner Vorwand für die Verkettung von Autoraserei, Situationsklamauk und Schenkelklopfersprüchen. Immerhin hält der hierzulande idiotisch als "Taxi Taxi" (der unausweichliche dritte Teil wird dann wohl "Taxi Taxi Taxi" sein) betitelte Streifen das, was "Nur noch 60 Sekunden" nur versprach: Viel Blech und Raserei.

Ist man bereit, jeglichen Anspruch vor Abfahrt zurück- und sich auf den zuweilen in Geschmacklosigkeit abdriftenden Blödsinn einzulassen, ist für Kurzweil gesorgt, das gerade auch deswegen, weil dieser rasende Mist nach weniger als neunzig Minuten endet. Zwar finden in einigen Sequenzen unglaublicherweise sozialkritische Aspekte anklang, die die multikulturelle Gesellschaft propagieren, aber grobschlächtiger Radau erschlägt alles andere. Da ist einem nicht nur durch Daniels Fahrstiel zum Kotzen. Die Schauspieler sind die gleichen und leisten das, was Radaukomödien verlangen. Das alles ist wirklich dümmer als die Polizei erlaubt, bis der Schwachsinn in fliegenden Autos und einer Szene kulminiert, die dutzende von Polizeiautos zu schunkelnde "À Paris..."-Musik zu einem Blechberg ineinanderrasen lässt.

"Taxi Taxi" wird, da er durch seinen trashigen, hirnlosen Charme eben doch was hermacht, auch hier sein Publikum finden. Was aber Produktionen eines solchen Kalibers in Frankreich in den Erfolgshimmel rasen lässt, bleibt ein Rätsel.

Mit Vollgas in die Geschmacklosigkeit: Slapstickartiges Blechspektakel


Flemming Schock