King Kong

USA / Neuseeland, 187min
R:Peter Jackson
B:Philippa Boyens, Frances Walsh, Peter Jackson
D:Jack Black,
Naomi Watts,
Adrien Brody,
Andy Serkis,
Jamie Bell
L:IMDb
„I'm not going to let them kill my film”
Inhalt
1933, die Zeit der Großen Depression in Amerika. Wie so viele findet die Varieté-Schauspielerin Ann Darrow (Naomi Watts) keine Arbeit. Bei ihrem verzweifelten Versuch, einen Apfel zu stehlen, wird sie von Regisseur Carl Denham (Jack Black) gerettet. Noch an diesem Abend will Carl seine Crew an Bord des Dampfers S. S. Ventura versammeln, um auf die geheimnisvolle Skull Island im fernen Singapur zu reisen, wo er seinen Abenteuerfilm vollenden will. Weil seine Hauptdarstellerin kurzfristig abgesprungen ist, kommt Ann dem Regisseur gerade recht. Die Schauspielerin reagiert skeptisch. Erst als sie erfährt, dass der gesellschaftskritische Bühnenautor Jack Driscoll (Adrien Brody) das Drehbuch schreibt, lässt sie sich für die Rolle überreden – dass Driscoll den Job aus bloßer Geldnot übernahm, ahnt Ann noch nicht. Denhams Film-Dampfer verlässt den Hafen von New York und beginnt eine Reise, deren Verlauf sich niemand an Bord je hätte erträumen können.
Kurzkommentar
Man gönnt Peter Jackson ja jede Minute, die er mit seinem Affen verbringen kann, aber ein guter Film muss „King Kong“ deswegen noch nicht sein. Einerseits penibel der Vorlage verhaftet, andererseits unnötig ausschweifend ringt Jackson dem klassischen Stoff nichts Neues ab, aktualisiert eigentlich nur die Grafiktreiber. Das ist zu wenig für drei Stunden Brimborium, so virtuos sie technisch auch sein mögen.
Kritik
Es gibt solche Blockbuster, die nur im Populären zuhause sind und es gibt solche, die die Rezensionsgemeinschaft vereinen. Zu den „Wedding Crashers“ – mit sagenhaften 209 Mio.$ einer der erfolgreichsten Filme des Jahres in den USA – will maximal die Cinema und die McDonald´s Kinonews etwas drucken, zu „King Kong“ meint hingegen jeder – von der Fanbasis bis zum Feuilletonisten – sich äußern zu müssen. In solchen Zeiten zeigt sich die Sehnsucht nach dem „großen“ Film des Jahres, in solchen Zeiten zeigt sich aber auch die Bigotterie der Filmkritik. Da helfen keine größtenteils wohlwollend aufgenommenen Fortsetzungen wie „Star Wars – Episode 3“ oder „Harry Potter 4“, auch kein charismatischer Mainstream wie „Batman Begins“ oder „Sin City“. Es muss eben doch richtig bumsen und krachen, ordentlich Pomp und Schmalz aufgetragen sowie das neueste Update der Computergraphik gefeiert werden. Kurz: Kino als „Event“, sonst verschmäht, ist ganz schnell wieder in Mode.

Entsprechend hoch ist denn auch die Rezensionsdichte zu solchen Filmen und eigentlich gibt es nichts, was zu Jacksons „King Kong“ nicht schon gesagt worden wäre. Wenn man die zahlreichen Kritiken liest, die im Netz verfügbar sind, kann man einen hervorragenden Einblick in den Film gewinnen, die eigene Meinung ist da – ziemlich ernüchternd für den Rezensenten, ziemlich bezeichnend für den betroffenen Film – eigentlich nur ein Konglomerat. Warum also das Rad neu erfinden und bestehende Gedanken doppeln? Zumal viele Formulierungen so treffend sind...


Hier also einfach meine Top 10 der besten Zitate zu „King Kong“:

10) Zum Subtext des Originals

Georg Seeßlen sah in Kong 1979 „ein Stück Natur, das vom Menschen vergewaltigt wird“. Erst „durch seine Denaturierung“ werde Kong zum Ungeheuer „und ist schließlich nur verschmähter Liebhaber, der Wilde, der die Formen und die Sprache nicht kennt, seine Bedürfnisse zu artikulieren, und der am Ende seiner Leidenschaft zum Opfer fällt“. Mit Raymond Durgnat interpretierte Seeßlen die Liebesbeziehung zwischen dem riesigen Kong und Ann psychoanalytisch als „Akt von Kinderschändung“, als „am Kind vorweggenommene Strafe für die Entfaltung als Frau“. Nicht nur „der Frauenhass des Amerikaners von 1933“ werde, so Seeßlen, „durch King Kong befriedigt“, die Zerstörung New Yorks befriedige zugleich auch seinen „Hass auf seine beengende Umwelt“.
epd Film
9) Zum Subtext der Neuverfilmung

Jackson tries to deflect the racism here by casting Jamaican actor Evan Parke as one of the first mates who discovers Skull Island, though having the only major black character be the one spouting moral platitudes before obviously being marked as one of Kong's first victims feels like we're stuck back in the casual prejudice of 1933, only now it's stuck in the double standard of trying to apologize for itself while simultaneously following the genre rules established by Alien: the black guy's gotta die.
Slant Magazine
8) Zum Anspruch des Films

„Heutzutage ist alles 'postmodern' und 'postapokalyptisch', das interessiert mich nicht. Ich will zurück zu Inseln, auf denen Monster und hysterische Eingeborene leben!“
Peter Jackson zitiert in epd Film
7) Zu den Actionszenen

Es wimmelt in diesem Film von Szenen, die wirken sollen wie Kongs Brustgetrommel: respekteinflößend. [...] Auf die Dauer haftet diesem Überbietungsfuror natürlich etwas entschieden Unsympathisches an, außerdem ist manche Szene so schnell geschnitten, daß das Auge kaum folgen kann.
FAZ.net
6) Zu den Änderungen gegenüber dem Original

Gerade einige der interessantesten Szenen des Originals hat Jackson dann bei aller Pedanterie doch komplett gestrichen - und sie sind verräterisch: Es sind alle Szenen, die Andeutungen von erotischer Begierde, von Sex enthalten. "No, I said no! that's all there is" ist das einzige, was Ann einmal rufen darf, als der Affe nach ihren Flirtattacken gar zu zudringlich wird.
Telepolis
5) Zum Remake-Charakter des Films

Man hatte irgendwie erwartet, dass sich der große Herr der Ringe-Mythenbeschwörer Peter Jackson eigene Gedanken zur Kong-Thematik macht. Es hätten ja auch amüsante sein können. Solche sind Jacksons Film leider nicht zu entnehmen, er verlässt sich ganz aufs Spektakuläre, auf die Überwältigung.
Die Zeit
4) Zur Tricktechnik des Films

Die ausgiebigen Kämpfe zwischen den Urzeitgiganten markierten seinerzeit dank der bahnbrechenden Stop-Motion-Animationstechnik von Willis H. O’Brien visuelle Höhepunkte. Sieben Dekaden später verpufft dieser Sensationseffekt; denn „Jurassic Park“ mit den Fortsetzungen „Vergessene Welt: Jurassic Park“ und „Jurassic Park III“ waren schließlich nichts anderes als verkappte Remakes von „King Kong“, die mit Hilfe der digitalen Bildmanipulation Jacksons Vision vorwegnahmen.
Film-Dienst
The emotive power of the film's original monster, made out of rubber and models by Willis O'Brien, was something Jackson had already matched in his stunning creation of Gollum in The Lord of the Rings.
Slant Magazine
Zudem sind viele der Kämpfe zwischen Tieren oder zwischen Mensch und Tier so dermaßen grotesk überzeichnet, so völlig - und ganz im Gegensatz zum Beispiel zum 1933er-Film - von Desinteresse an der Realität geprägt, dass sie nicht mal mehr so tun, als seien sie realistisch.
Telepolis
3) Zu den Qualitäten des Films

When the monsters chase after our heroes during the second hour of this three-hour-plus epic, there are moments where Jackson is at the top of his game. When spiders and squid monsters, insects and night creatures pop out of the caves, it's like the squeam-inducing manipulation of a master showman.
Slant Magazine
2) Zur Länge des Films

There is some measure of awe inspired in this King Kong, and it's funny to think that while the extended editions of The Lord of the Rings may have played slightly better than the shorter theatrical releases, this movie would be so much stronger in retracted form.
Slant Magazine
1) Resümierendes

Jacksons King Kong ist der beste nicht so gute Film, den man sehen muss.
Die Zeit
Eine Riesensause ist das, ein Kino der lautstarken, aber leider alles andere als sinnlichen Attraktionen. Wer hier noch etwas fühlen kann, hat auch schon Tränen in den Augen, wenn er seine Playstation anschaltet.
Manifest

Thomas Schlömer