Fast and the Furious, The

USA 2001, 107min
R:Rob Cohen
B:Ken Li, Gary Scott Thompson
D:Paul Walker,
Vin Diesel,
Michelle Rodriguez,
Jordana Brewster
L:IMDb
„Egal ob Du einen Inch oder eine Meile Vorspung hast, gewonnen ist gewonnen.”
Inhalt
Am Start stehen nach allen Regeln der Kunst getunte Autos, die jede Sekunde zu einem illegalen Autorennen durch die nächtlichen Straßen von L.A. starten. Unter den Fahrern ist Dominic (Vin Diesel), einer der Anführer der Straßengangs, die heute wieder einmal um das schnellste Auto wetteifern. Einer seiner Rivalen ist der neu zu der Szene gestoßene Brian (Paul Walker), der sich heute zum ersten Mal behaupten will. Hippe Mädchen, wie Dominics Schwester Mia (Jordana Brewster), und Letty (Michelle Rodriguez), feuern die Jungs an, die Tag und Nacht an ihren Autos basteln und all ihr Geld in neues Equipment stecken. Bei jedem Rennen riskieren sie ihr Leben für den Wetteinsatz und den Augenblick der Beschleunigung. Mit ihren getunten Maschinen verschaffen sie sich ein Stück von Freiheit.
Kurzkommentar
"The Fast and the Furious" bietet wohl genau das, was man erwarten durfte: fetzige Rennaction en Masse, gut geschnitten, treffend visualisiert, mit röhrendem Sound und Technomusik untermalt. Das ist angesichts mancher Konkurrenzfilme sehr zufriedenstellend und deshalb geht auch das erwartungsgemäß ölige Drumherum voll in Ordnung.
Kritik
Jetzt wo "The Fast and the Furious" ins Kino kommt, erinnert man sich dunkel an cineastische Peinlichkeiten wie "Nur noch 60 Sekunden", der trotz Bruckheimer-Produktion so auffällig wenig Action und so wenig Verfolgungsjagden und Rennsequenzen bot, daß es zum Haareraufen war. Eine einzige (!), knapp zehnminütige Autojagd tischte uns Dominic Sena seinerzeit auf - das war angesichts der Trailer schon fast Betrug am Zuschauer. Selbst der Frankreich-Import "Taxi Taxi" hatte mehr zu bieten, litt aber am, sagen wir mal, gewöhnungsbedürftigen Humor.

Und hält man sich nun solche Filme vor Augen, die flotte Raseraction versprechen und lahme Freundschaftsdramen bieten, ist man fast dankbar, daß Rob Cohen ("Dragonheart", "The Skulls") das Maximum aus seinem Budget herausholt und hält, was der trashige Titel verspricht. Die wirklich zahlreichen Verfolgungsjagden sind nahezu perfekt inszeniert, vermitteln -gerade bei großer Leinwand- ein fettes Geschwindigkeitsgefühl und sind sogar halbwegs komfortabel in den dünnen Plot eingebaut. Cohen bedient sich hier nicht nur flotter Schnitttechnik, sondern läßt teilweise auch die Farben des Hintergrunds verlaufen, setzt auf künstlichen Wackeleffekt der Kamera und einige schicke Perspektiven. Wesentlich mehr wird man in naher Zukunft wohl nicht aus einfachen Raserszenen herausholen können.

Daß man dem Zuschauer schon was außergewöhnliches bieten muß und nicht einfach die getunte Karre von Ottonormalverbraucher für die spannenden Rennen hernehmen kann, war den Machern natürlich klar. Also werden die Wagen mit NOS-Lachgas-Tanks für ein, zwei Turbo-Boosts ausgestattet ("Knight Rider" läßt grüßen), die Reperaturtechnik mit allerlei Computertechnik aufgemotzt und der Oberbolide am Ende mit 900PS ausgestattet, so daß der Kickstart auch mit einem Vierräder möglich ist. Völlig unglaubwürdig schallt es da schon aus den hinteren Reihen, aber James Bond war in dieser Hinsicht schon schlimmer.

Selbstredend spielt die Story um einen Undercover-Polizisten da nur eine sehr untergeordnete Rolle, aber ich muß zugeben, daß Cohen trotz der plumpen Figuren das beste aus diesen Voraussetzungen gemacht hat. Die Lovestory bleibt kurz und knapp und wird schließlich nicht zum Happy-End ausgewälzt. Stattdessen steht das maskuline im Vordergrund - fette Wagen, Sex zwischen Motoröl und Schraubenschlüssel, echte Freundschaft. Cohen gelingt zumindest inszenatorisch klischeefrei zu bleiben und nicht in altbekannten Schemata zu verfallen - auch wenn die von Vin Diesel und Paul Walker mit treffendem Charisma übernommenen Charaktere natürlich nicht der Rede wert sind. Aber was soll's? Filme sollten vor allem an ihren eigenen Zielen gemessen werden. So läßt sich am besten beurteilen, ob sie dem Zuschauer das bieten, was sie erwarten und ob der zahlende Kinogänger zufrieden den Saal verlassen kann. "The Fast and the Furious" kann da als Paradebeispiel gelten.

Niveauloses, aber fetziges Prollkino


Thomas Schlömer