Family Man

USA 2000, 125min
R:Bret Ratner
B:David Diamond
D:Nicholas Cage,
Téa Leoni,
Jeremy Piven,
Don Cheadle
„Das ist sicher sehr nett, aber ist das nicht kitschig?”
Inhalt
Vom Ferrari bis zum Penthouse mit Blick über Manhattan hat Jack Campbell (Nicholas Cage) alles, was einen erfolgreichen Geschäftsmann auszeichnet. Nur eines fehlt: eine Familie. Seit er vor 13 Jahren seine Jugendliebe Kate Reynolds (Téa Leoni) verlassen hat, um Karriere zu machen, herrscht emotionale Eiszeit im Leben des Wall Street Managers. Bis ein mysteriöser Einbrecher Jacks Leben "stiehlt" - und den Broker am nächsten Tag mit einem völlig anderen Leben erwachen lässt: Zwei Kinder tollen ums Bett, der Familienhund naht mit wedelndem Schwanz und da ist Kate, die liebevolle Gattin.
Kurzkommentar
Pünktlich zum Fest setzt sich Nicholas Cage nach in letzter Zeit weniger festlichen Auftritten als tragfähiger Mime wieder ein und legt eine unterhaltsame Metamorphose vom karrieregeilen Wallstreetbroker zum rührseligen Familienvater hin. Neben ihm trägt Tea Leoni dazu bei, das mit kitschigem Wertehammer konstruierte Weihnachtsmärchen mit Humor vor geschmackloser Süße zu retten.
Kritik
Weihnachten, Zeit der Besinnung, Zeit der gepfeffert servierten Stimmungskeulen. Wo der moderne Mensch über Sinn und Unsinn, Wärme und Kälte der Existenz nur mehr zum Fest der Liebe und des Komsums nachsinnt, passt der den sozialen Instinkt predigende Familienfilm natürlich völlig. Auch die Zierden des Kapitalismus dürfen jetzt rührselig werden und merken, dass all die materiellen Güter Schuld an der Leere im Menschen und auch nicht annähernd ein Ersatz für zwischenmenschliche Wärme sind. Die Märchengestimmtheit sieht das Glück gar vor einem jedem liegen, man muss halt nur beherzt und bewusst zugreifen.

Ganz auf dieser Linie trägt denn auch "The Family Man" seinem platten und programmatischen Titel Rechnung und fährt ein Sentimentalitätsbombardement auf, das einen abgebrühten Super-Broker doch tatsächlich zum Super-Softi läuternd mutieren lässt. Die Story ist so alt wie ihre Verbreitung familiärer Werte und spießbürgerlicher Glückseligkeitsutopien, die jedoch auch karikiert werden. Eingermaßen interessant ist hingegen der Einfall, den Börsenyuppie und Maßanzugträger im kathartischen Traum ein "Was wäre, wenn"-Szenario entdeckend durchleben zu lassen. Aber so völlig unschön wie sein Titel hätte auch schnell der gesamte Streifen werden können, wenn da nicht der Film durch zwei engagierte Schauspieler getragen würde.

Gut, dass Regisseur Bret Ratner ("Rush Hour"), dem mit seiner Fabel so gar keine inszenatorischen Kniffe gelingen, den Gefühlsüberschwang Nicholas Cage und Tea Leoni überantwortet. Leoni mimi die kleinbürgerliche Perfektion zum Anfassen mit deutlichem Spaß am Schauspiel. Die eigentliche Überraschung gelingt aber Nicholas Cage. Nach dem lahm-dummen Blechspektakel "Nur noch 60 Sekunden" wird er sich für die doppelte Rolle als Familienvater und Geschäftsmacho im schnell vergessenen, unauffälligen Weihnachtsfilm entschieden haben, um sich omnipräsent als fähigen Star wiedereinzusetzen. Es gelingt besser als erwartet, weil sein facettenreiche Darstellung jeden Moment glaubhaft und den dauerphlegmatischen Trauerblick seiner letzten Filme krass kontrastiert. Auf inhaltlicher Ebene, im Gerede über Gefühl und Liebe, bleibt alles ohne Tiefgang und die empfindungsmäßige Wandlung Jakes nicht nachvollziehbar.

Ratner billigt den Rollen der Hauptdarsteller neben dem Haufen Kitsch dann nur Klischees zu, was Cage und Leoni wiederum vergessen machen, da sie ihre Reißbrettfiguren mit wirklichem Leben füllen. Sie machen erst den zweiten Aspekt möglich, der aus "Family Man" trotz aller sentimentalen Überladenheit gediegene Familienunterhaltung macht, und zwar Humor. So stolpert Jake in der Aneignung der neuen Lebenswirklichkeit "zweiter Klasse" durch etliche groteske Situationen, die Nicholas Cage nicht nur mit rührseligem Pennerblick, sondern im Wechselbad der Gefühle durchlebt. Letztlich hätte es angesichts des Titels schlimmer kommen können und auch wenn "Family Man" nichtig und bis zum nächsten Fest ganz klar vergessen ist - flacher bis tränenseliger Unterhaltungswert ist zweifelsfrei gegeben und vielleicht ist selbst das schon für Weihnachten genug Bescherung.

Beherzte Hauptdarsteller in humorvoll-romantischer Rührseligkeitsattacke


Flemming Schock