Team America: World Police

USA
R:Trey Parker, Matt Stone
B:Trey Parker, Matt Stone, Pam Brady
L:IMDb
„Freedom isn't free. There's a hefty fuckin' fee!”
Inhalt
Das "Team America", eine Polizeitruppe zur Aufrechterhaltung der globalen Stabilität, sieht sich mit seiner bisher größten Herausforderung konfrontiert: Ein machthungriger Diktator versorgt Terroristen mit Massenvernichtungswaffen. Um das Terroristennetzwerk in einer Rolle getarnt zu unfiltrieren, rekrutiert das Team den Broadway-Star Gary Johnston. Bald geht es darum, die Zerstörung der gesamten Welt unter Einsatz aller Mittel zu verhindern.
Kurzkommentar
Eine mit Marionetten inszenierte Polit- und Hollywoodsatire der beiden „South Park“-Ikonen Trey Parker und Matt Stone konnte nur weit unter der Gürtellinie enden. „Team America“ ist ein zynisch-wüster Großangriff auf heutige Feind- und Weltbilder, auf Hollywood und seine Schauspieler. Für Fans der beiden Anarchoregisseure wird das geschmacklose Spektakel Kult sein. Für alle anderen: Wer Political Correctness am Boden und Puppen Amok laufen sehen will, wird durch teils grandiosen Schwachsinn auf seine Kosten kommen.
Kritik
Eine weite weitere Parodie des bushistischen Amerikas hätte Demokraten und Liberale ja freuen können; es wäre, bedenkt man auch das Startdatum von „Team America“ (lange vor dem Stichtag am 2. November), beste Pro-Kerry-Propaganda gewesen, ganz im Zuge Michael Moores. Hätte. Denn es handelt sich bei den gefürchteten Regisseuren um Trey Parker und Matt Stone. Und die Masche der „South Park“-Macher ist nicht weniger zynisch als die Außenpolitik eines George Bush. Also ist auch Aktionist Michael Moore nichts weiter als ein hotdogsaucenbeschmierter, fetter Aktionistenzombie, der durchs Bild wankt und dann ziemlich explosiv endet. Damit ist klar, was ansteht: Ein rabiater, weit unter die Gürtellinie gehender, anarchistischer Rundumschlag nicht nur gegen das gesamte Parteienspektrum, sondern gegen „amerikanische Werte“ an sich – oder gegen das, was das Ausland dafür hält -, und damit gegen jenes Amerika, in dem Wirklichkeit und Hollywood zunehmend austauschbar scheinen.

„South Park“-Anhänger werden „Team America“ sowieso lieben, andere werden ob dem gewohnt einzigen Programmpunkt, der möglichst aggressiven Beleidigung in alle Richtung, die Hände vors Gesicht halten. Gewarnt ist mal wieder jeder. Schon der Titel: brachial statt subtil, eine Parodie auf Amerikas selbst angemaßte „weltpolizeitliche“ Interventionspolitik, oder auch eine Abrechnung mit jenen, die das Walten Amerika als arrogant und „weltpolizeilich“ aburteilen. In welche Richtung der Dampfhammer schlägt, ist bei Parker und Stone nie wirklich klar, aber der Titel hält zunächst einmal, was er verspricht, weil natürlich Bushs Krieg – ohne ihn ausdrücklich zu erwähnen, denn das Szenario ist bewusst so unbestimmt und platt wie möglich - gegen den Terror ausgeschlachtet wird. Und dass dieser in der Wahl seiner Methoden nicht weniger terroristisch ist als seine unsichtbaren Gegner und erst schießt, dann vielleicht die Fragen stellt, ist als Kritikpunkt herzlich ausgeleiert, aber in dem farcehaften Auf-die-Spitze-Treiben von „Team America“ dann doch absurd komisch.

Zurück zur Beleidigung: Die beginnt schon in der Form, als Affront gegen das Kino an sich und gegen dessen Schauspieler im Besonderen. Dass sie Schauspieler wirklich „hassen“, meinen Parker und Stone, wie in einem Interview verkündet, scheinbar irgendwie ernst – nun abgesehen davon, dass solche angesichts des Mediums schon paradoxen Äußerungen auch immer auf Wirkung bedachtes PR-Gerede sind. Aber „Team America“ macht gnadenlos ernst und das für die heutige, von immer „realistischeren“ Spezialeffekten Sehgewohnheit eigentlich Unmögliche und setzt auf Marionetten, auf an Fäden hängenden Superhelden und Terroristen, die – es soll wohl eine politische Metapher oder auch wieder ihre Parodie abgeben – von „unsichtbaren Kräften“ gesteuert werden. Das ist, wie alles hier, lächerlich, infantil und bewusst trashig, wobei wiederum im Rahmen der Erwartung oder noch darunter, weil es angesichts der programmatisch miesen „South Park“-Animationen noch weit schlimmer hätte kommen können. Zuweilen ist der Detailaufwand sogar beeindruckend.

Dennoch ist das Ganze, für hiesige Erinnerung, der Alptraum der Augsburger Puppenkiste. Andererseits wird das politsatirische Kaspertheater auch eine schlicht ökonomische Entscheidung gewesen sein, weil „Team America“ ein „Actionfilm“ und – richtig – wiederum eine Polemik gegen ihn ist; besonders gegen den Bruckheimscher Machart, also mit möglichst viel Rambazamba und Zerstörungswut im Minutentakt. Die „präventive“ Vernichtung des Eiffelturms und die Zerstörung der Sphinx als „Kollateralschaden“ während einer mit Raketen bestrittenen Terroristenjagd – ganz zu Schweigen vom kompletten Bau eines fiktiv-faschistoiden Palastes des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il - hätte in „Realfilm“-Format Parker und Stone sicher kein Studio finanziert. Eine herrlich fiese Jong Il-Puppe ist dann das eigentliche Highlight, besser als manch Filmbösewicht aus Fleisch und Blut. Natürlich wäre auch Saddam, säße er nicht schon ein, Zielscheibe des unbarmherzigen Spotts geworden. Da wir aber nun alle im Hinblick auf die Existenz von WMDs (Weapons of Mass Destruction) im Irak vermeintlich schlauer sind, ist es natürlich so einfach wie bestechend, „die“ Terroristen als Marionetten der Marionette Kim Jong Il zu installieren.

Überhaupt die Terroristen und ihre WMDs: Ein Aktenkoffer mit rot blinkendem Lämpchen, ein vernarbt-düsteres Gesicht samt „asiatischem“ Aussehen. Herrlich. Hier zielt die bitterböse wie berechtigte Karikatur auf eine weitere Ebene, auf Stereotype der Fremdenangst, auf mittelalterlichen „Kulturkonflikt“ im Zuge von 9/11. Doch die Klischeebildung von allen Seiten wird heftig durch den Kakao gezogen, als archaisch gebrandmarkt, nicht nur die der „Terroristen“, sondern auch das undifferenzierte Bild Amerikas als Land der „Rambo-Cowboys“, jener Wahrnehmung also, die angesichts diverser antikamerikanischer Trends in Europa einfach „hip“ zu sein scheint. Und andersherum exakt genauso: Die Deutschen tragen noch immer Pickelhaube. Hier kriegt jeder sein Fett weg, mit oder ohne Grund. Jedes Vorurteil wird bis zu maßloser Zuspitzung abgefeiert, unterstützt vom vulgärsten Soundtrack der letzten Jahre („America/Fuck, yeah!“); nicht anders die Dialoge, gut möglich, dass hier für die deutsche Version zensierend Hand angelegt wird. Die Spitze der Groteske ist die erste Marionettensexszene der Filmgeschichte.

Für den Showdown in Kim Jong Ils Palast werden dann noch militant-liberale Hollywood-Namen bzw. –Marionetten in bester „Kill Bill“-Manier zerlegt, also gerade jene, mit denen sich die Stimmungsmache gegen Bush in der Traumfabrik verbindet: mit Sean Penn z.B. Gnadenlose Anarchie also auch hier. Etliche fiese Detaileinfälle punkten, so das Schicksal von Hans Blix oder gänzlich unmoralische Musicaleinlagen. Im Ganzen ist Parkers und Stones „Team America“ die erwartungsgemäße Brachialkomik, auf Anstößigkeit setzend und durch Narrenfreiheit vielleicht der spaßigste Film des Jahres. Bleibt zu hoffen, dass der Witz der englischen Stimmen in die deutsche Version gerettet wird. Beim nächsten Chaosprojekt wäre weniger Bodenlosigkeit und zumindest versuchtes Niveau in der Satire jedoch ziemlich angebracht.

Bitterböse Politik- und Weltbildkarikatur als derber Puppenwahnsinn


Flemming Schock