Final Call
(Cellular)

USA, 94min
R:David R. Ellis
B:Chris Morgan
D:Kim Basinger,
Chris Evans,
Jason Statham,
William H. Macy
L:IMDb
„Please, don´t call me again.”
Inhalt
Eine unbekannte Frau ruft Sie an und bittet Sie verzweifelt, ihr Leben zu retten – was tun Sie? Sofort auflegen, weil das nur ein dummer Scherz sein kann? Und wenn auch nur eine geringe Chance besteht, dass die Anruferin es ernst meint und Sie ihre letzte Hoffnung sind? Was würden Sie tun? Ein Anruf unter falscher Nummer auf seinem Handy ist für einen jungen Mann der Startschuss zu einem lebensgefährlichen Wettlauf gegen die Zeit, um das Leben einer Frau zu retten.
Kurzkommentar
Anders als „Nicht auflegen“ macht „Cellular“ nicht das Maximale aus der sehr minimalen Idee. Der bald ordinäre Entführungsthriller mit einer schwachen Kim Basinger in der Hauptrolle kann an keiner Stelle begeistern, hält aber über seine kurze Lauflänge mit einem Mix aus passabler Rasanz und Durchhängern einigermaßen bei der Stange.
Kritik
Der „Second Unit Director“ verrichtet Handlangerdienste, er schießt „nur“ die unwichtigen Szenen eines Films, so z.B. die Aufnahmen von Örtlichkeiten. In diesem Job ist der 52-jährige Kalifornier David R. Ellis alteingesessen, blickt auf eine lange Filmographie zurück; so unter anderem für Harrison Fords „Die Stunde der Patrioten“ oder zuletzt noch „Matrix: Reloaded“. Stunt-Spezialist ist Ellis darüber hinaus auch, auf dem Regiestuhl aber noch ziemlich unbeschrieben. Im letzten Jahr durfte er die Fortsetzung zur Horrorüberraschung „Final Destination“ drehen, sein kommender Streifen thematisiert einen Haufen tödlicher Schlangen an Bord eines Flugzeuges. Soviel zum Anspruch. Den verfolgt nun auch „Cellular“, eine Mischung aus „Phone Booth“ und eingefahrenem Entführungsthriller, nicht gerade.

Er ist nur mit dem Quantum an Plot versehen, das nötig ist, um die Handlung voranzubringen. Gesprochen und erklärt wird kaum, stattdessen gejagt, geflucht und vor Funklöchern geflüchtet. Dennoch erreicht „Cellular“ sein Klassenziel, trotz oder wegen Kim Basinger in der Hauptrolle, insofern hier überhaupt von Rollen gesprochen werden kann. Die Mimin feierte seinerzeit mit „L.A. Confidential“ ein beeindruckendes Comeback, in Ellis´ Telefoniethriller wird ihr nicht mehr als Wimmern und hysterisches Kreischen abverlangt. Aber selbst hier erzeugt Basinger keinen dramatischen Kitzel. Bald wirkt ihre Figur nur noch nervtötend. Die anderen Rollen sind ähnlich bodenlos, Jason Statham z.B. als Kopf der Kidnapperbande muss sich darstellerisch noch weit weniger bemühen als in „Der Transporter“. Was schon einiges heißt.

„Cellular“ ist fast unverschämt schlicht. Er versucht, aus einer einzigen Idee als Handlungskatalysator so viel Spannung wie nur möglich zu schlagen. Aber Ellis ist kein Joel Schumacher, obwohl er sich auf dreiste Weise bei dessen halbgenialer „Phone Booth“-Idee bedient – mit dem Unterschied, dass Schumacher mit der räumlichen Begrenzung auf eine örtlich fixierte Festnetztelefonzelle ein höchst intensives Kammerspiel entwarf und Ellis nun sozusagen die räumlich entgrenzte Handy-Variante bringt. Die schlägt sich trotz etlicher logischer Peinlichkeiten – so ist es z.B. beeindruckend, wie gut mit einem zerstörten Telefon noch durch ein wenig Arbeit an den Drähten ein Wählen möglich ist – einigermaßen passabel. Chris Evans ist als zufälliger Gesprächsempfänger und folgender Held des Alltags keine Fehlbesetzung.

Bald wird das einigermaßen originelle Moment – stirbt das Gespräch, dann auch die Entführte - des sonst ganz und gar einfallslosen Entführungsthrillers fallen gelassen. Bis dahin wird durch rasante Szenen die entsprechende Erfahrung des Regisseurs aufgezeigt: Evans legt als Ryan auf der verzweifelten Suche nach einem Ladegerät und durch Autoverfolgungsjagden im Namen der Zivilcourage die halbe Stadt in Schutt und Asche legt. Das ist durch Slapstickeinlagen einigermaßen kurzweilig, kann aber bald nicht mehr kaschieren, dass dem Streifen Ideen und Luft ausgehen. Denn sobald das Telefonmoment als Spannungskonzentrat im letzten Drittel des Streifens schon lange aufgegeben wurde, packt Ellis nur noch alle Klischees des Entführungs- und Korruptionsthrillers aus. Mittendrin darf noch William in hoffnungsloser Unterforderung den aufrichtigen Cop geben.

„Cellular“ verliert mit zunehmender Lauflänge deutlich an Drive. Negativ wiegt zudem, dass das Ende des Hetzens und Verzweifelns nur unschwer zu prognostizieren ist. Ellis’ kann in seiner dritten Regiearbeit auf keine starken Hauptrollen bauen. Am Ende ist hier alles sehr stetig blass, der Abtritt des Antagonisten schwach. Wer sich aber angesichts der äußerst rudimentären Storyline des Films schon auf eine Kinokarte einlässt, dürfte ausreichend bedient werden.

Insgesamt müder Entführungsthriller mit netter Grundidee


Flemming Schock