Im Feuer
(Ladder 49)

USA, 115min
R:Jay Russell
B:Lewis Colick
D:John Travolta,
Joaquin Phoenix,
Morris Chestnut,
Jay Hernandez
L:IMDb
„Find a lot of fire, find god”
Inhalt
Jack Morrison (Joaquin Phoenix) ist ein frischgebackener "Firefighter" auf der Feuerwache von Baltimore. Zu seinem Mentor und Chef, Jack Kennedy (John Travolta) entsteht alsbald eine enge Freundschaft, so auch trotz Differenzen zu seinen Kollegen. Jack heiratet und gründet eine Familie, wird aber bald mit dem schlimmsten Feuer seiner Karriere konfrontiert.
Kurzkommentar
Helden, Helden und nochmals Helden. Das sind die Kumpel der “Einheit 49”. Die Botschaft ist ermüdend alt. Darüber wird der Film fast vergessen. Höchste Feuerwehr ist es für das spektakulär einfallslose Drehbuch mit politisch und gesellschaftlich konservativem Unterton. Jay Russells behäbig reaktionärer Streifen wäre gern ein Actiondrama. Aber weder das Feuerwerk noch die schematischen Figuren in einem zentral leeren Film heben “Einheit 49” auf eine interessante Stufe.
Kritik
Die Streifen, in denen alles in Flammen aufgeht, aber die Helden immer den kühlen Kopf behalten, sind wertkonservativer Grund. Sie ändern sich kaum und haben dramaturgisch eh nur sehr beschränkte Variationsmöglichkeiten, weil doch immer nur das Feuer der Knaller ist. Männer gegen die Flammen, Frauen am Herd. Das ändert sich auch mit “Einheit 49” nicht, vielleicht nicht ohne politischen Hintergedanken. Denn das stringend hölzerne Strickmuster von Jay Russells Film dürfte – ein wenig überspitzt gedacht – ganz in die politische Agenda Bush passen. In Amerika bilden die Männer, die durchs Feuer gehen, gerade in der post-11. September-Paranoia nicht mehr bloß eine Wehr. Als Firefighter sind sie erst recht nach dem großen Opfergang am Ground Zero die erklärten Volkshelden der Heimatfront und Teil der Rundumoffensive gegen den internationalen Terrorismus. Die Memorial-Maschine der Nation war denn auch mal wieder irgendetwas in Filmform schuldig. Schließlich geht es um Emotion, nicht um Intellekt. Damit ist das amerikanische Startdatum runde drei Jahre “danach” wohl kein Zufall.

Regisseur Jay Russell (“Mein Hund Skip”) entspricht mit seinem Actiondrama restlos jedem Genreklischee, so dass bei “Einheit 49” vielleicht nur zu Beginn ein kleiner Funke überspringt. Mut und Ehre, Testosteron und Adrenalin, Pflicht und Opfer, Kumpeltum und duldsame Herdfrauen, die das Berufsrisiko ihre Männer, jener Helden der Grillparty von nebenan, letztlich als höheres Opfer (an der Nation) zu verstehen lernen. Das Bild des grenzenlos humanitären Familienvaters und Feuerbekämpfers, auf seine Weise selbstlos eher um die öffentliche Sicherheit der Nation als um seine Kinder bemüht, ist ebenso grenzenlos abgedroschen, exakt in der gleichen groben Weise schon zahllose Male in vergleichbaren Heldenepen verkauft. Dass das Bild auch unkritisch ist, versteht sich dabei von selbst – und mit einigem Grund, denn immerhin haben die Cowboys hier nur Wasserpistolen. Aber die Idealisierung und Idolisierung haben jenseits aller moralischen Bedenken ein Problem, wenn sie emotional und filmökonomisch unspannend sind, schon deswegen, weil bloß ausgelatschte Dramaturgiemuster runtergeleiert werden. “Einheit 49” versucht dem inhaltlichen Dilemma von Feuerwehrthrillern – man(n) will es brennen sehen, schnellstmöglich – durch einen bekannten narrativen Kniff zu begegnen: Umkehrung der Chronologie.

Der große pyrotechnische Schnickschnack wird also gleich in der Eröffnung abgebrannt. Irgendeine mächtig unwichtig aussehende Industrieruine steht in Flammen – Action, Rauch, Hubschrauber. Das macht auch wenigstens was her. So soll die Geduld des Publikums nicht mit banalen Zwischenmenschlichkeiten und dem Profilieren von vielleicht bald eh verbrannten Konservenheroen malträtiert werden. Denkt man. Denn dass der Streifen mit dem Superfeuer als Showdown und kurz vor dem Ende beginnt, erzeugt eher die gegenteilige als die beabsichtigte Wirkung. Als nämlich klar wird, dass das Leben der Protagonisten durch Rückblenden an die heiße Eingangszene angehängt wird, um die Laufzeit irgendwie voll zu kriegen, ist die Luft schon gehörig raus. Zum einen, weil damit nahe liegt, dass der Höhepunkt der Feuerbrunst – noch immer die Hauptattraktion für Jungenkino dieser Art – bereits Geschichte ist, und zum anderen, weil “Einheit 49” einfach furchtbar einfallslos und reaktionär ist. Sobald auf der Wache einmal nicht die Einsatzglocke dröhnt, verbreitenden szenische Lückenfüller zuweilen peinliche Leere und seifenoperartige Konfliktmomente. Da nützt auch ein Joaquin Phoenix oder John Travolta wenig, auch wenn “Einheit 49” ohne diese beiden Zugpferde kaum produziert worden wäre.

Jay Russells Versuch, dem Streifen einen menschlichen Kern zu geben, mag, wohlwollend beurteilt, gerade noch gelingen. Aber neben der Heldeninstallation samt unerklärter Werte und Motive steckt unter den Helmen wenig. Joaquin Phoenix steht unentwegt müde dreinguckend im Zentrum des Streifens, sein Charakter hat aber auch überhaupt gar nichts, was ihn interessant machen würde. Zudem gibt ein gelangweilter John Travolta den Boss der Wache, mehr nicht. Und damit hat der Film ein Problem, nämlich nicht nur fehlende Tiefe, sondern auch ein Mangel an Szenen, die den grauen Alltag in Baltimore für das Kino irgendwie interessant machen würden. Echte Helden baggern im Supermarkt, man heiratet; was folgt, sind Neugeburten mit Kneipenbesuchen im Wechsel, fast romantisches Kameradschaftsgetue, notwendige Flammenopfer und beiläufiger wie obligater Beziehungsstress aufgrund des Konfliktes von Familiensegen und Heldentum. Aber irgendwo in der Arbeiterklasse liegt das Martyrium. Das ist alles so abgedroschen wie langweilig. “Einheit 49” wirkt zerfranst, ohne Spannungsbogen, undramatisch. Die nie mitreißenden Actionszenen reihen sich sang- und klanglos ein und das Ende serviert noch fettestes Heldenpathos und patriotisches Requiem. Alles andere hätte wohl auch überfordert.

Geistloses Denkmal für die Helden von nebenan


Flemming Schock