Fall Mona, Der
(Drowning Mona)

USA 2000, 95min
R:Nick Gomez
B:Peter Steinfeld
D:Danny DeVito,
Bette Midler,
Neve Campbell,
Jamie Lee Curtis
„Ich bin ein misshandelter Ehemann”
Inhalt
1984 führte der jugoslawische Autohersteller YUGO einen Marktforschungstest in einer verschlafenen Kleinstadt namens Verplanck durch und verkaufte seine launenhaften Blechkutschen zu Schleuderpreisen. Die Bewohner Verplancks haben, neben dem Besitz eines mehr oder minder klapprigen Yugos, vor allem eines gemeinsam: Alle hassen Mona Dearly (Bette Midler) und keiner vergießt eine Träne, als sie mit ihrem Yugo in den Hudson segelt und ertrinkt. Wäre da nicht Polizeichef Wyatt Rash (Danny DeVito) – keinen würde die Aufklärung dieses mysteriösen Unfalls auch nur im Geringsten interessieren. Bei seinen Ermittlungen stößt Rash auf eine verwirrende Anzahl an möglichen Verdächtigen und deckt dabei mehr dunkle Geheimnisse auf als ihm lieb ist.
Kurzkommentar
Im "bewussten Trashgenre" würde "Der Fall Mona" wegen der liebenswürdigen Ansammlung kaputter wie schrulliger Typen ein Platz im vorderen Feld sicher haben, er pendelt sich aber trotz punktuell sehr guter Komik insgesamt nur im schnell vergessenen Mittelfeld ein. Bekannte Darsteller glänzen in plakativen, aber bizarren Rollen, derweil das Drehbuch ideenlos versumpft.
Kritik
Als filmisches Thema ist der "amerikanische Traum", karikiert in konstruierten Spießbürgerparadiesen, in letzter Zeit genauso abgenudelt wie vor Zeiten das leere Schlagwort selbst. Im beliebtesten, weil szenisch gut überblickbaren Motiv der US-Kleinkaffs geben sich schrille Vögel und solche Typen die Klinken in die Hand, die man sonst nur in Anstalten vermutet hätte. Das ist den Regisseuren, auch Größen wie Robert Altman ("Cookie´s Fortune"), als Fundus natürlich willkommen, entweder, um leicht ironisierend, aber hommageartig ein gewisses Lebensgefühl abzubilden oder, um ein surreales Kabinett der Soziopathen ("American Beauty") zynisch oder kunstgemäß zu feiern.

"Der Fall Mona", das Debüt des erfolgreichen TV-Regisseurs Nick Gomez, gehört nun eindeutig zur zweiten Kategorie, angereichtert mit groteskem Eindruck kollektiver Störung und gepflegtem 80er-White-Trash. Doch neben Nylonjacken, gewagten Haarverbrechen und einer dubiosen Automarke soll es auch noch Handlung geben. Der Ansatz, mit völlig überzeichneten Gestalten und einer Bette Midler als monströse Ehetyrannin einen so gar nicht "klassischen" Krimi zu schaffen, macht hellhörig. Wenn sich dann sogar noch Danny DeVito als Produzent und Darsteller sowie weitere große Namen wie Jamie Lee Curtis, Neve Campbell oder William Fitchner gewinnen lassen, steigt die Spannung. Leider aber nicht im Film. Zwar scheint sich Regisseur Gomez mit seiner Fernsehserie "Die Sopranos" als Kandidat für Größeres empfohlen zu haben, aber dem "Fall Mona" mangelt es doch eindeutig am Konzept. Vielleicht ist die Schuld auch eher Drehbuchautor Peter Steinfeld zuzuschieben, der sich beim Schreiben zwischen schwarzer Trashkomödie, skurriler Soziostudie und Krimi verlor. Nach dem Muster des Letzteren beginnt die pointen- und zielschwache Handlung mit der sagenhaft schrulligen Bette Midler, die als Mona ihr forciertes Ableben hinlegt. Damit wäre sie in den Credits kaum eine Erwähnung wert, aber es folgen ja die aufbauenden Rückblenden mittels der Erinnerungen.

Trotzdem, auch wenn Bette Midler sich wirklich monströs plagenhaft und witzig gebärden darf, mehr als Abziehbildcharakter wird ihr nicht zugebilligt. Danny DeVito macht als zwergenhaft insistierende Polizist auch Einiges her, darf aber nicht fortschreitend ermitteln, sondern dem Zuschauer gegenüber nur vermittelnde Funktion im Areal der Irren einnehmen. Spannung, die Grundlage auch eines schwarzhumorigen Krimis, entsteht nie, weil sich eine Beweiskette gegen nur einen Verdächtigen nicht verdichten kann. Doch die stagnierende Handlung ist eh nur Folie für echt unikate Persönlichkeiten. Und das ist trotz aller Durchschnittlichkeit das Gewinnende: um ein Nichts an Handlung drappieren sich ebenso leere Theaterfiguren, die für etliche Lacher gut sind.

"Der Fall Mona" hätte wohl einen Hit hergegeben, wäre alles ein wenig konturierter ausgefallen, aber schon so reicht es, Jamie Lee Curtis als verruchte Barschlampe, William Fichtner als unterbelichteten Ehegatten und einen fratzenhaften Beerdigungsunternehmer, der im Nebenzimmer Aktfotos schießt, genießen zu dürfen. So setzt sich die Reihe fort und jeder ist noch immer mehr Freak als der vorige, während die permanente Trimmung auf billiges 80er-Outfit für angehme Geschmackstorturen sorgt. Letztlich versumpft "Der Fall Mona" mit seiner rammschigen Staffage zwar achselzuckend planlos, ist als schnell konsumierte, bizarre Typenshow aber tauglich.

Handlungsschwacher Vorstadttrash mit charmant schrillem Typeninventar


Flemming Schock