15 Minuten Ruhm
(15 Minutes)

USA, 121min
R:John Herzfeld
B:John Herzfeld
D:Robert De Niro,
Edward Burns,
Kelsey Grammer,
Avery Brooks,
Melina Kanakaredes
L:IMDb
„Viel Blut verkauft sich gut.”
Inhalt
Ein gefundenes Fressen für die sensationssüchtige New Yorker Presse: Um berühmt zu werden dokumentieren zwei Killer ihre bestialischen Morde auf Video und verkaufen Tapes an die Medien. Detective Eddie Flemming (Robert De Niro) und sein Partner Jody Warsaw (Edward Burns, "Saving Private Ryan") nehmen die Verfolgung auf.
Kurzkommentar
Man könnte fast meinen, DeNiro sei in argen Geldnöten, wenn er sich schon für solchen (bereits aus dem Drehbuch leicht erkennbaren) Mist hergibt. "15 Minuten Ruhm" hat weder Hand, noch Fuss, noch sonst irgendwas Positives. Und die Zeiten als ein DeNiro einen Film retten konnte, scheinen auch vorbei.
Kritik
"15 Minuten Ruhm" scheitert an dem völlig unausgegorenen Drehbuch. Wie Thomas bereits erwähnt: Das Thema ist zwar nicht neu, aber ergiebig, und mit DeNiro hatte man einen renommierten Darsteller an Bord, der einiges zu dem Film hätte beitragen können. Anscheinend verließ aber auch DeNiro schnell das Interesse, sein lustloses Spiel würde das jedenfalls erklären. Herzfeld hätte besser daran getan, sich auf ein Metier, Medienkritik oder Krimi, zu konzentrieren. Seine Form der Verquickung geht nämlich völlig daneben, nicht zuletzt auch wegen den völlig unangemessenen humorvollen Einsprengseln.

Dass sich mit inszenierter Gewalt in Amerika Geld machen lässt, man zeitweilig zum (wenn auch gehassten) Medienstar werden kann, das ist spätestens seit Oliver Stone nichts Neues. Überhaupt scheint sich Herzfeld allzu plagiatorisch bei der "2-brutale-Killer-bekommen-Medienaufmerksamkeit"-Geschichte zu bedienen. Damit das dann nicht zu sehr auffällt, mutieren die Killer zu Tschechen bzw. Russen, die voller Staunen in das Wunderland USA gelangen (was für eine Vorstellung hat der Regisseur eigentlich von Tschechien?), der Medienpart wird durch den filmsüchtigen Oleg gleich noch gedoppelt (wodurch er aber mitnichten doppelt so gut wird), und zwei ermittelnde Detectives (dazu sinnigerweise einer von der Brandbekämpfung) sollen die Qualität wohl auch irgendwie mehren. Das geht natürlich alles nach hinten los, denn das Klischee von den kriminellen Brutalos aus dem Ostblock ist derart schmerzhaft hirnverbrannt, dass man mit Herzfeld nurmehr Mitleid haben kann, die Geschichte um den regiewütigen Oleg ist eine einzige Peinlichkeit, und das Zusammenspiel zwischen dem lustlosen DeNiro und dem etwas faden Edward Burns funktioniert zu keiner Zeit, weil sowohl die Charaktere als auch deren Zusammentreffen völlig beliebig sind. Und für den Namen des Detectives, Jordy Warsaw, der wohl irgendwie an Gorby und Warschau erinnern soll, sollte man Herzfeld für immer verbieten, je wieder ein Drehbuch zu schreiben.

Aber, das ist ja die These des Films, Gewalt ist gut verkäuflich ("Viel Blut verkauft sich gut."), und deshalb macht Herzfeld davon auch ausführlich Gebrauch. Die zur Schau gestellten, sich in keinster Weise sinnvoll sich aus der Handlung ergebenden Gewaltverbrechen sind einfach nur dümmlich und primitiv - und damit führt sich "15 Minuten Ruhm" selbst ad absurdum. Apropos 15 Minuten - was genau der Titel mit dem Film zu tun haben soll, wusste Herzfeld wohl auch nicht. Der angedeutete Bezug auf die Interviews der Detectives ist so hanebüchen und unüberlegt wie der ganze restliche Film auch - anscheinend wollte sich Herzfeld da mit reichlich fremden Federn schmücken (denen von Stone, DeNiro, Warhol), aber nicht mal Klauen kann er gut. Der Film ist somit nichts anderes als 2 Stunden verschwendete Zeit. Wer DeNiro in einer wirklich intelligenten Mediensatire sehen will, der hält sich besser an "Wag the Dog".

Langweilige Pseudo-Medienkritik, die sich selbst ad absurdum führt


Wolfgang Huang
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Von einer intelligenten Mediensatire ist "15 Minutes" meilenweit entfernt, was auch nicht so schlimm wäre, wenn Regisseur John Herzfeld ("2 Tage in L.A.") nicht zu sehr auf diesen Anspruch pochen würde. Betrachtet man den Streifen hingegen lediglich als soliden Thriller mit zwei nicht wirklich harmonischen, aber doch passenden Darstellern, so kann ...