Lake Placid

USA, 82min
R:Steve Miner
B:David Kelly
D:Bill Pullmann,
Bridget Fonda,
Brendan Gleeson,
Oliver Platt
„Stop throwing heads at me!”
Inhalt
In den idyllischen Wäldern von Maine sucht ein überdimensioniertes Krokodil seine Opfer. Hektisch sucht eine bunt zusammengewürfelte Truppe nach einer Möglichkeit, diese gewaltige Fressmaschine unschädlich zu machen. Aber zunächst scheinen die neurotische New Yorker Paläontologin Kelly Scott (Bridget Fonda), der Wildhüter Jack Wells (Bill Pullman), der exzentrische Mythologie-Professor Hector Cyr (Oliver Platt) und Sheriff Hank Keough (Brendan Gleeson) sich mehr um ihre eigenen kleinen Scharmützel zu kümmern als um das Monstrum, das immer wieder blitzschnell aus dem ruhigen See emporschießt.
Kurzkommentar
"Lake Placid" vereint augenzwinkernden Krokodilhorror mit sarkastischem Sitcom-Charakter. Natürlich ist diese entspannte Groteske ohne Niveau, der Schrecken voraussagbar und der platte Wortwitz kein intellektueller Diskurs. Solange dem trashigen, selbstironischen Grauensparodie jedoch nicht mit fehlplatzierten Ansprüchen begegnet wird, hält sich die schnellverdauliche Fütterung durch seine Schauspieler über Wasser.
Kritik
Hai und Krokodil - zwei gewaltige Raubtiere, in direkter Entwicklungslinie mit der Urzeit stehend, regen Phantasie und Ängste der Menschen gleichermaßen an. In beiden Fällen reicht eine "natürliche" Dimensionierung nicht aus, wird die projezierte Angst durch Monsterhai und genetisch manipulierten Riesenalligator konzentriert. Dem Horrorschund war oft Kritik an naturwissenschaftlicher Hybris des Menschen dadurch implizit, dass die Tiere erst durch unethische Experimente zur Monstrenmutation wurden, die sich gegen ihren Schöpfer wandten. Im Film schürte gerade Spielbergs epochemachender "Weißer Hai" Urängste und fatale Massenhysterien, gefolgt von unzähligen Billigplagiaten des Schockers.

Dem ebenso zum kaltblütigen Monster verzerrten Krokodil blieb da nur der verpöhnte Status des Trashhorrors aus der Videothek. Eigentlich verwunderlich, erlaubt doch die amphibische Natur des Krokodils dem Filmemacher, seine blutigen Reptilattacken auf festes Territorium auszudehnen. Eine Erklärung ist die, dass der Großteil des "Angriff der Monsterkrokodile"-Schunds aus den späten achtziger Jahren, also aus Zeiten vor dem Siegeszug der Computeranimation stammt und mittels trüben Wassers die unrealistische Modellanimatorik kaschiert werden musste. Das ist heute kein Thema mehr und "Lake Placid" gönnt sich neben einem soliden Computerkrokodil keinen geringeren als Stan Winston ("Jurassic Park", "Terminator 2") als Effektsdesigner.

Die ökonomischen Berechenbarkeiten des Horrorgenres betrachtet war es auch höchste Zeit, mal wieder irgendein fresssüchtiges Scheusal auf die Menschheit loszulassen. Und da schon "Deep Blue Sea" genetisch getunte Intelligenzhaie auf den Menschen als anmaßenden "Deus Creator" ansetzte, blieb nur die andere Bestie. Drehbuchautor David E. Kelly war wohl bewusst, dass in Zeiten der tonangebenden Horrorkomödie mit sprichwörtlich verbissenem Grauen kein Blumentopf zu gewinnen sein würde.

Der stattdessen gewählte Mittelweg ist nun wenigstens so klug, immerwährenden Schund nicht seriös, sondern selbstironisch verkaufen zu wollen. So kombiniert "Lake Placid" auf eigenwillige Manier äußerst konventionellen Horror mit dem Gag-Prinzip amerikanischer Sitcoms. Das wenigstens nicht regressive Ergebnis fährt also in Form des großen Fressens auf dem Wasser und der fröhlichen Verbalduelle an Land zweischienig. Und sicher, dieser Film ist völlig niveaulos und er weiß es. Dass er sich nicht ernst nimmt und Horrorklischees genüsslich-sarkastisch parodiert, wird spätestens in der Szene deutlich, in der ein wurmzernagter Zeh gefunden und dem konsternierten Sheriff als letztes Überbleibsel seines verspeisten Freundes übergeben wird.

Da gibt es nun zwei Möglichkeiten, mit der miesen, magenstrapazierenden Witzkategorie dieses Streifens umzugehen: entweder man fasst sich an den Kopf oder lehnt sich zurück und hat achtzig Minuten dumme Kurzweil. Letzteres funktioniert deswegen gut, weil "Lake Placid" seinen vermotteten Videotheksvorläufern eines voraus hat: Schauspieler. Natürlich velangt das platte Drehbuch keine Darstellerkunst und sieht nur typisierende Rollen vor, doch die sind treffend besetzt. Bridget Fonda mimt die städtische Paläontologin überzeugend, doch die eigentliche Bühne gebührt Brendan Gleeson als Sheriff (glänzend schon in "Der General") und Oliver Platt als mythologisierender Reptilsforscher. Ihre Schlagabtäusche füllen die Lücken bis zum nächsten Happen des Krokodils, wobei natürlich völlig absehbar ist, in welcher Reihenfolge mehr oder weniger wichtige Protagonisten verspeist werden. Es ist jedoch zu bemerken, dass dies nur selten grundlegend anders war, denn "Lake Placid" kopiert wie die meisten anderen nur das bewährte Schockprinzip des "Weißen Hais": Das Publikum weiß, welche Personen dramaturgisch verzichtbar sind und weiß auch, wann eben diese zum Futter bestimmt sind - berechenbar aber funktional.

So werden Schockmomente stereotyp konstruiert: Schummrige Musik, Unterwasserperspektive und der entscheidende Augenblick des Zupackens. Gütigerweise hält sich der Splatterfaktor in tolerablen Grenzen, nur schade, dass der sehenswerten Computeranimation des Krokodils an Land entschieden zu wenig Szenen eingeräumt werden. Vielmehr liegt die Betonung eindeutig bei dem zugegebenermaßen billigen, Schoten aus der Konserve präsentierenden Sarkasmus. Dennoch scheint Steve Miners "Lake Placid" ein mokanter Kommentar auf klischeehaften Horrormüll, mit dessen Elementen er vernüglich kokettiert.

Beißender Horrormüll mit kurzweiligen Wortgefechten


Flemming Schock
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Jedes geschriebene Wort ist verschwendete Zeit: Der Film ist dämlich, unapetittlich, so gut wie nie witzig und (natürlich) eine dramaturgische Nullnummer....