Zatôichi - Der blinde Samurai
(Zatôichi)

Japan, 116min
R:Takeshi Kitano
B:Kan Shimozawa,Takeshi Kitano
D:Takeshi Kitano,
Daigoro Tachibana,
Tadanobu Asano
L:IMDb
Inhalt
Japan im 19. Jahrhundert. Zatoichi (Beat Takeshi) ist ein blinder Wanderer, der sich seinen Lebensunterhalt mit Glücksspiel und Massagen verdient. Doch hinter der bescheidenen Fassade versteckt sich ein meisterhafter Schwertkämpfer, der blitzschnell und mit unfassbarer Präzision zuschlägt. Zatoichi läst sich in einem kleinen Bergdorf nieder, in dem die Ginzo-Gang mit unerbittlicher Härte regiert. Kompromisslos beseitigen die Ginzo-Männer jeden, der sich ihnen in den Weg stellt – und das effektiver und blutiger denn je, seitdem der arbeitslose Samurai Hattori (Tadanobu Asano) als Leibwächter angestellt wurde. In einer Spielhölle lernen Zatoichi und sein vertrauenswürdiger junger Freund Shinkichi zwei Geishas kennen. O-Kinu und O-Sei sind auf der Suche nach dem Mörder ihres Vaters, dessen Tod sie rächen wollen. Der einzige Anhaltspunkt, den die raffinierten und überraschenden
Geschwister haben, ist ein Name: Kuchinawa.
Kurzkommentar
»Zatoichi« ist mehr oder weniger die japanische Variante von »Kill Bill«. Doch wo Quentin Tarantino auf die ihm ganz eigene Art Parodie und Hommage zu einem stimmigen Film verbindet, ist »Zatoichi« keines von beiden. Dürftigste Handlung, unstimmige Szenerie und ein misslungenes Wechseln zwischen Genres machen Kitanos Samurai-Slapstick bestenfalls zur zweiten Wahl.
Kritik
Takeshi Kitano ist in Deutschland nur vergleichsweise wenigen Fans bekannt, obgleich er im japanischen Fernsehen – zwischenzeitlich als Moderator von sieben Fernsehschows gleichzeitig – lange Zeit omnipräsent war; in Deutschland kennt man den Namen zumindest von der japanischen Gameshow »Takeshi's Castle«, deren Erfinder Kitano ist.

Seine andere Seite zeigt sich in seinem filmischen Werk, durch das sich mehr oder weniger deutlich der rote Faden der Gewalt zieht. Blutig, brutal, gnadenlos, Yakuza-Stil eben, oder das was man sich darunter vorstellt. Mit »Zatoichi« greift Kitano nun auf eine bekannte japanische Serienfigur zurück: den blinden Masseur, der zugleich ein perfekter Samuraimeister und Rächer der ungerecht behandelten ist.

Was genau Kitanos Intention war, Zatoichi auf die große Leinwand zu bringen, erschließt sich indes nicht so ohne Weiteres. Den originalen Charakter der Serie achtet er jedenfalls nicht, sondern benutzt Zatoichi überwiegend zur Selbstinszenierung, was nicht wenige Fans verärgerte. Ähnlich wie Tarantino verbindet Kitano in seinem Film ernste, ja grausige emotionale Elemente mit Slapstick-Action. Unterstrichen wird dies noch von dem ganz ungenierten Einsatz von CGI-Blut – mit der Folge, dass bei allem Schwertkampf zwar nie Treffer, aber immer viel lila Blut zu sehen ist, unnatürlich gallertartig wabbelnd, als kämpften die Recken in der Schwerelosigkeit.

Auch nimmt Kitano seine Personen und ihre Geschichte weit weniger ernst, was dem Film deutlich schadet. Wo Tarantino kunstvoll eine windungsreiche Geschichte entfaltet, gestaltet sich die Motivation bei Kitano eher überschaubar: Auftritt Samurai: »Ich muss dich töten, der Ehre wegen!« - »Nein, bitte habe Gnade« - Kopf ab. Dieses zeiteffiziente Vorgehen gibt Kitano zwar die Gelegenheit, den Bodycount maßgeblich zu erhöhen, dass aber letztlich beliebig ist, wer wen tötet und warum, erhöht nicht unbedingt das Verständnis oder die Sympathien für eine der Figuren. Ebenso unausgegoren die formale Umsetzung: Neben dem mehr als albernen Gummiblut stören dilettantische Schnitte, wenig Rhythmus und eine mittelprächtige Fotografie die eigentlich detailliert und liebevoll ausgearbeiteten Kulissen und Settings.

Vielleicht hätte »Zatoichi« ohne »Kill Bill« besser funktioniert. Doch selbst wer kein Tarantino-Fan ist, muss zugeben, dass seine Version der Samurai-Hommage in allen Belangen besser ist und auf allen Ebenen besser funktioniert. Für Kitano-Fans und Samurai-Anwärter mag ein Kinobesuch gewinnbringend sein, alle anderen sind mit »Kill Bill« zweifelsohne besser bedient.

Unausgegorene Samurai-Hommage ohne Tarantino-Charme


Wolfgang Huang