Geheime Fenster, Das
(Secret Window)

USA, 96min
R:David Koepp
B:Stephen King,David Koepp
D:Johnny Depp,
John Turturro,
Maria Bello,
Timothy Hutton
L:IMDb
„Das Einzige, das zählt, ist das Ende”
Inhalt
Mort Rainey (Johnny Depp) durchlebt gerade eine schwere Zeit. Nachdem er seine Frau Amy (Maria Bello) in flagranti mit einem anderen Mann erwischt hat, zieht er hinaus auf’s Land in sein einsames Haus am See und zieht sich vollständig in sich zurück. Eines Tages taucht dort vor seiner Tür ein mysteriöser Mann (John Turturro) auf, der sich als John Shooter vorstellt und Mort beschuldigt, eine seiner Geschichten gestohlen zu haben. Obwohl sich Mort sicher ist, dieses Missverständnis schnell aufklären zu können, indem er Shooter einfach die Originalversion seiner Geschichte zeigt, die bereits ein Jahr vor der von Shooter erschienen ist, scheint ihm genau das nicht zu gelingen: Denn der psychotische Fremde hat ihm ein Zeitlimit gesetzt und das Original ist nicht mehr auffindbar.
Kurzkommentar
Zwischen Drehbuchaufträgen für neue Blockbuster reicht es bei David Koepp auch für eigene Regiearbeiten. Nach „Echos“ verbreitet auch „Das geheime Fenster“ stilvoll-düstere Atmosphäre. Der Psychothriller um einen eifersüchtig-gebrochenen Autor bleibt allerdings allein handwerklich bemerkenswert, inhaltlich ist er zu behäbig und in der Schlusspointe banal. Koepp hätte womöglich mehr erreicht, wenn er sich nicht auf Stephen King, sondern auf die eigenen Scriptqualitäten verlassen hätte. Durch Johnny Depp ist „Das geheime Fenster“ allerdings entscheidend bereichert.
Kritik
Mittlerweile und gerade nach der Oscarnominierung für seinen Poppiraten in „Fluch der Karibik“ dürfte klar sein, dass ein Film mit Johnny Depp nicht wirklich schlecht werden kann. Aber gleich, ob Depp in Mainstream- oder kleineren Filmen mitwirkt – die Rollen müssen stets den typisch exzentrischen Zug haben. Regisseur David Koepp verlässt sich ganz auf die filmtragenden Qualitäten seines Darstellers und bleibt sonst in gewohnten Gefilden, denn auch „Echos“, sein voriger Film aus dem Jahr 1999, war ein subtil-hypnotisch gestrickter Horrorfilm, in dem Koepp als einer der momentan erfolgreichsten Drehbuchautoren Hollywoods („Jurassic Park“, „Panic Room“, „Spider-Man“) zeigte, dass er sein Handwerk nicht nur schreibend versteht.

Aber nicht nur durch die in „Echos“ vorgelegte Handschrift des Regisseurs musste klar sein, welche Art Ausblick „Das geheime Fenster“ bieten würde: das Drehbuch basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King, der hier nicht zum ersten Mal die Figur des fiktiven Schriftstellers und dessen Gedankenwelt zum Hauptmotiv einer Geschichte machte. Schon in „Misery“ war dies der Fall. Nach „Echo“ betraute Koepp mit der Kameraarbeit erneut Fred Murphy, dessen Aufnahmen zusammen mit den klugen Schnitten und der dezent, aber wirkungsvoll dosierten klanglichen Drohkulisse die handwerklich sehr stilsichere Qualität von auch Koepps viertem Streifen ausmachen. Ohne Johnny Depp allerdings wäre „Das geheime Fenster“ jeder Notiz entgangen, wenngleich eine herbe Enttäuschung, wie „Dreamcatcher“, die letzte Stephen King-Adaption, unter Koepps Regie andererseits nicht zu erwarten war.

Koepp konstruiert mit Kings Vorlage ein Ausgangsszenario, das zwar, wie bald klar wird, Platz für Überraschungen bietet, aber doch in Betracht der isolierten Örtlichkeit und der psychologischen Skizze des Hauptprotagonisten charakteristische Züge aufweist: die des durch einen einschneidenden Lebensmoment traumatisierten Literaten, der sich in der Konsequenz innerlich als auch räumlich abkapselt und sich im schier ausweglosen Kreislauf von Schreibblockaden, die doch als einziges Mittel der Selbsttherapie scheinen, gefangen wägt. Dass hier alsbald beste Chancen bestehen, in der Wahrnehmung des Romanciers Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen, ist von Beginn an offensichtlich. Doch beherrscht es Koepps „Das geheime Fenster“ halbwegs geschickt, diese Momente hinauszuzögern und das Geschehen spannend zu halten.

Dabei erweist sich Depp ganz als die gedachte Zugnummer und liefert als verlotterter Literat mit wild zerzausten Haaren und dickrandiger Brille die erwartet sehenswerte Darbietung – besonders, wie er seine im Grunde nur notdürftig mit Hintergrund versehene Figur leicht mokante Untertöne verleiht und mit dem exakt dosierten Quantum an Irrsinn zeichnet, ist bestechend. Jenseits des etwas kitschigen Autorenbademantels und des verlotterten Äußeren ist die Rolle kaum körperbetont, was nach Depps Hampelei in „Fluch der Karibik“ die souverän beherrschte Wandlungsfähigkeit des Schauspielers aufzeigt. Direkt mit Filmbeginn dringt der Katalysator der erst äußeren Handlung in Gestalt des unheimlichen John Shooter in das Leben des Autors. John Turturro ist mit der kleinen Rolle kaum gefordert, spielt sie aber mit der notwendig psychopathischen Verschwiegenheit.

Die Begegnungen der Beiden und das Problem des Diebstahls geistigen Eigentums wirken dennoch etwas gegenstandslos, aber das reicht Koepp, ein stimmungsvolles Bedrohungsszenario zu konstruieren. Die insularische Lage des Hauses wird dann für konventionelle Spannungsmomente weidlich ausgeschlachtet, wobei der Regisseur wiederum feinfühlig genug ist, auf billige Schockeffekte überwiegend zu verzichten und sich stattdessen mit zerbrochenen Glühbirnen und Weiterem zu beschränken. Vieles bleibt im Ungewissen, bis es zur mehr oder weniger überraschenden Radikalwendung kommt, die zum einen gegenüber der unheimlichen Gestalt des Shooter wie eine Deus Ex Machina wirkt, zum anderen „Das geheime Fenster“ mit einem äußerst banalen und fast phantasielosen Ende versieht – ganz anders, als Mort dieses selbst stilisiert. So ist Koepps neue Regie zwar nur ein solider Psychohorror mit Mystery-Anklängen, aber dank einer bestechenden Besetzung allemal einen Blick wert.

Gewöhnlicher Suspensethriller mit starkem Hauptdarsteller


Flemming Schock