13. Krieger, Der
(13th Warrior, The)

USA, 102min
R:John McTiernan
D:Antonio Banderas,
Omar Sharif,
Vladimir Kulich,
Dennis Storhøi
L:IMDb
„Nur ein Arab reitet einen Hund.”
Inhalt
Der edle Ibn Fadlan wird aus seinem Heimatland im Orient als Botschafter zu den Barbaren geschickt. Durch Zufall wird er zum 13. Krieger einer Gruppe von Nordmännern gewählt, die zurück in ihre Heimat ziehen, um ein Dorf vor den bösen Wendols und dem Glühwurmdrachen zu beschützen. Und so verbringt Ibn Fadlan die nächsten Wochen in der rauhen Gesellschaft der Wikinger und im Kampf gegen die Dead-Eaters.
Kritik
Seit mit 'Jurassic Park' 1993 ein Genthriller Michael Crichtons mit phänomenalem Welterfolg von Steven Spielberg in einen Film übetragen wurde, sah Hollywood in der Verfilmung der Bücher des Oxford-Absolventen eine potentiell gigantische Geldquelle. Crichton haderte auch nicht lange, machte viel Geld durch den Verkauf der Verfilmungsrechte einiger seiner Bestseller und schrieb sogar auf Drängen Steven Spielbergs eine schwache Fortsetzung des originellen 'Jurassic Parks', ein als Roman getarntes Drehbuch und Legitimation für das Sequel 'Verlorene Welt'. Doch wurde über die Spielberg-Saurier hinaus nicht viel aus dem erwarteten Geldsegen, denn andere Adaptionen, wie z.B. 'Die Wiege der Sonne' und erst im letzten Jahr 'Sphere', waren vorwiegend qualitativ schlecht und kommerzielle Nieten.

Doch noch immer zehrt man vom publikumsträchtigen 'Jurassic Park'-Ruhm und der Werbephrase 'Vom Autor von 'Jurassic Park'...' und griff ganz tief in die Werkskiste Michael Crichtons. Heraus zog Buena Vista (Disney) ein Frühwerk aus dem Jahre 1976: das Buch 'Eaters of the Dead' ist ein halbfiktionaler Reisebericht des historischen Ibn Fadlan, der ungefähr im Jahre 923 auf einer Diplomatenreise durch Zufall mit den skandinavischen Wikingern zusammentrifft und die erste schriftliche Niederlegung ihrer Kultur lieferte. Das vollständige Original des Manuskriptes existiert über tausend Jahre später nicht mehr, nur noch Fragmente und Abschriften in etlichen Sprachen. Erst 1950 machte sich ein Literaturwissenschaftler daran, die verschiedenen Sekundärquellen zu übersetzen und wieder zu einem Gesamtwerk zu verweben.

Crichtons Leistung bestand darin, an die Erzählung des arabischen Diplomaten anzuknüpfen und durch Verwendung der personalen Perspektive und Fussnoten die Grenze zwischen Historizität und Fiktion geschickt aufzulösen. Der Stoff galt lange Zeit wohl deswegen als unverfilmbar, weil es erstens zwei narrative Grundelemente gibt, die entscheidend für den Ansatz der Verfilmung sein würden: Crichtons Buch verquickt eine präzise ethnologisch-kulturelle Studie mit blutigem Schlachtenbericht. Nach dem inszenatorischem Erfolg der 'Braveheart'-Schlachten war es naheliegend, ein 'Actionepos' zu intendieren. Zwar ist das Leitmotiv des Buches eindeutig der unheimliche Kampf gegen die Nebelwesen, doch ist es gleichzeitig eine sträfliche Reduktion, im Film allein diesen Aspekt widerzuspiegeln. Zweitens findet Ibn Fadlan in der Literaturvorlage im lateinsprechenden Wikinger Herger einen ständigen Übersetzer des Skandinavischen - für eine Filmumsetzung ist die Kommunikation über eine dritte Person dramaturgisch denkbar ungünstig.

Mag sein, dass die Frage nach der Machart (wie Action mit einer Kulturbeobachtung zu vereinbaren ist) zu Streitereien zwischen Regisseur John McTiernan ('Stirb langsam') und Autor Crichton geführt hat, der ständig am Set zugegen war, 'autoritär' in Tiernans Arbeit eingriff und schließlich gegen Ende selbst (!) die Regie übernahm, nachdem Tiernan wütend das Handtuch geschmissen hatte. Der katastrophale Entstehungshintergrund wird auch dadurch deutlich, dass 'Der 13.Krieger' ursprünglich bereits im Juli 1998 in den USA starten sollte, jedoch einfach nicht beendet wurde. Ursprünglich war ein Budget von 60 Mio. $ vorgesehen, das schnell gesprengt wurde und sich letztendlich bei über dem Doppelten einpendelte. Die Testvorführungen waren ein mittelprächtiges Desaster, das dem Endprodukt anzusehen ist. Unweigerlich beschleicht einen von Beginn die Ahnung, dass der lieblos zusammengeschusterte Film nur noch ins Kino geworfen wurde, um wenigstens ein Paar der verfeuerten Dollar wieder hereinzubringen.

Die 'Filmhandlung' macht ohne das Buch gelesen zu haben deutlich, dass bei der drehbuchgerechten Modifikation geschlampt und die Literaturvorlage quasivergewaltigt wurde: So hat man den Aspekt der Ethnostudie peinlicherweise einfach gestrichen und zeichnet das Bild der Nordmänner - wenn überhaupt - in dämlichen Allgemeinplätzen. Denn eigentlich ist der 'Identitätsklau' schon derart radikal, dass ausser einem 'Ich bin der zivilisierte Wüstensohn, das sind die barbarischen Wikinger' nichts bleibt. Schrecklich undifferenziert und beleidigend schematisch. Erschwerend kommt hinzu, dass dem Drehbuchschreiber glaubhafte Charakterausformung und vor allem kohärenter Handlungsverlauf fremd zu sein scheint. Da wird nicht groß beobachtet, dramaturgisiert oder über das Geschehen sinniert. Nein, Antonio Banderas in der Rolle des eigentlich genau beobachtenden Arabers wird zum zum überforderten Waffenbruder erkoren und auf gehts gen Norden zum hirnverbrannten Metzeln. Verleiht Crichton im Buch dem Nebel eine kunstvoll grauenhafte Sphäre, subtilen Horror provozierend, befindet sich das Spannungsniveau des Filmes konsequent in Minusbereichen.

Dies ist in erster Linie das Ergebnis des katastrophalen Schnitts, der Momente, in denen Charaktere hätten ausgebaut werden können, durch gedankenloses Aneinanderschneiden zunichte und die Konstruktion eines Spannungsbogens unmöglich macht. Die kurze Erzählung, die man Ibn Fadlan zu Beginn des Filmes aus dem 'Off' (Gedankenreferierung) geben läßt, wirkt lieblos heruntergeschludert und stürzt den Zuschauer unvermittelt ins Geschehen. Identifikationsfiguren gibt es keine, nur Pappfiguren. Die schnellen Abfolge der Ereignisse verfolgt der Zuschauer skeptisch in der Erwartung, dass doch noch so etwas wie 'Storysubstanz' auftauchen möge. Aber nein, der dilettantische Erzählminimalismus der Eröffnungssequenz wird konsequent durchgehalten und verhindert jegliches Niveau. Hinzu kommen logische Brüche, wie z.B. der perfide Sohn des Königs Rothgar, der erst als potentiell zu tötender Bösewicht eingeschätzt wird, doch dann nie wieder auftaucht. Leidensschaffender Höhepunkt ist jedoch ohne Frage die Lösung der Sprachbarriere, die uneleganter und lächerlicher hätte nicht sein können.

Eigentlich hätte man diesen unmotivierten Streifen sofort am Ort des Schlachtgeschehens beginnen lassen können, wird doch der rudimentäre Storygrundriss vom Kampf gegen identitätslose Prügelmasse der 'Nebelwesen' alsbald überflüssig. Da wird im Kollektiv Draufgehauen - wieso ist irgendwie egal, hauptsache Köpfe fliegen und das Metzeln ist irgendwie legitimiert. Doch selbst hier strauchelt Actionspezialist Tiernan, denn das Prügeln ist Welten von der brachialen Gewaltästhetik eines 'Braveheart' entfernt, eher unspektakulär, adrenalinspiegelsenkend und einförmig. So ist die Gesamterscheinung des '13.Kriegers' gleichsam paradigmatisch dafür, wie ein Actionfilm NICHT funktioniert: strafreduzierte Erzähltechnik, lahme Action, plärrende 08/15 Pseudoepos-Klanguntermalung von Jerry Goldsmith und eine Schnittechnik, die lieber die gesamte Filmrolle hätte dahinraffen sollen. Das Einzige, was am Flickenteppich des '13.Kriegers' sehenswert ist, sind die Darsteller der Wikinger. Ihr Anführer Bulywif wird von Vladimir Kulich hühnenhaft, schweigsam und souverän verkörpert, während allein der raue, sympathische Herger (Dennis Storhoi) so etwas wie Charaktertiefe entfaltet und den desorientierten Antonio Banderas locker an die Wand spielt. Der zweite, jedoch nichtsrettende Pluspunkt sind die düsteren Landschaftsaufnahmen.

Bodenlose Literaturverfilmung und bloßstellende Selbstdemontage in schaler Action


Flemming Schock
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"Der 13. Krieger" hätte ein guter Film werden können. Ist er aber nicht. Und das liegt an drei Dingen: Zum ersten daran, dass der Film den Vergleich mit "Braveheart" verliert, zum zweiten daran, dass viele Elemente des Films entweder nicht glaubwürdig sind oder nicht gut ausgeführt werden, und zum dritten an Antonio Banderas. Während des ersten ...