Ocean's Twelve

USA, 120min
R:Steven Soderbergh
B:George Nolfi
D:George Clooney,
Brad Pitt,
Matt Damon,
Catherine Zeta-Jones,
Andy Garcia
L:IMDb
„Ich soll reden? Wörter und so? Was glaubst du, wofür man Blumen erfunden hat?”
Inhalt
Vor drei Jahren hat Danny Oceans (George Clooney) Team einen der waghalsigsten und lukrativsten Raubüberfälle aller Zeiten durchgeführt: Mit seiner rechten Hand Rusty Ryan (Brad Pitt), dem Nachwuchs-Taschendieb Linus Caldwell (Matt Damon), dem Sprengstoffexperten Basher Tarr (Don Cheadle), Safeknacker Frank Catton (Bernie Mac) und anderen räumte Danny den uneinnehmbaren Las-Vegas-Tresor des skrupellosen Unternehmers Terry Benedict (Andy Garcia) bis auf den letzten Cent aus. Oceans berüchtigte Crew teilte sich die 160 Millionen Dollar Beute und ließ Gras über die Sache wachsen - man lebt jetzt bürgerlich, fällt nicht auf und hält sich an die Gesetze… auch wenn das sehr schwerfällt, was besonders Dannys Frau Tess (Julia Roberts) großen Kummer bereitet. Als jemand die Regel Nummer eins missachtet und das Team an Benedict verpfeift, ist es mit der Ehrlichkeit endgültig vorbei. Denn Benedict will seine 160 Millionen zurück - mit Zinsen. Sonst wird er ungemütlich.
Kurzkommentar
Schon der Titel klingt weit weniger harmonisch als der des ersten Teils und dieses Attribut steht dann auch exemplarisch für den Film: erstaunlich inhomogen und müde gibt sich die Fortsetzung zum Caper-Remake "Ocean's Eleven", schleppt sich von Einbruch zu Einbruch und von Dekadenz zu Dekadenz, nur David Holmes' Musik kämpft verzweifelt gegen die drohende Ödnis. Zudem strahlt "Ocean's Twelve" die Arroganz einer Industrie aus, die glaubt, dass viele Stars automatisch gelungene Unterhaltung bedeuten.
Kritik
"Ocean's Twelve" hätte unterhaltsam werden können, denn das war zumindest der erste Teil. Schon die Exposition versprüht aber erstaunliche Müdigkeit: nicht enden will die Vorstellung der elf Charaktere, die den Vorgänger geprägt haben und dummerweise ist keine davon besonders memorabel, spannend oder auch originell. Und wenn, dann allenfalls noch die von Brad Pitt und George Clooney, was beim Sex-Appeal der beiden männlichen Zugpferde aber auch kein allzu großes Kunststück ist: allein Clooneys Charisma strahlt ja bereits die Süffisanz eines Cary Grant aus.

Innerhalb der ersten zehn Minuten wird vielmehr überdeutlich, dass die wenigsten der elf Charaktere jemals Profil besessen haben: die Malloy-Zwillinge, der "Schlangenmensch" Yen, Bernie Macs Frank Cotton oder auch Don Cheadles Basher Tarr, sie alle wirken hier wie übermäßiger Ballast, die einer legeren Unterhaltung eher im Wege stehen. Das hat dann wohl auch Drehbuchautor George Nolfi gemerkt als er sein ursprünglich für Actionregisseur John Woo ausgelegtes Skript an die zahlreichen "Ocean"-Charaktere anpassen musste, und sich prompt dafür entschied, Julia Roberts die ersten zwei Drittel des Films zuhause renovieren, Bernie Mac sogleich festnehmen und den Chinesen Yen in einer Sporttasche um die Welt reisen zu lassen. Selten hat ein Film anschaulicher zugegeben, mit der Vielzahl seiner Figuren heillos überfordert zu sein.

Damit aber nicht genug, denn die Elf sind ja jetzt Zwölf oder vielmehr 17, wenn man Vincent Cassel, Bruce Willis, Robbie Coltrane, Jeroen Krabbé und Albert Finney auch noch dazuzählt. Sie merken: Regisseur Soderbergh versucht mit Quantität von der Qualität abzulenken und das ziemlich unverblümt, wie eine verhöhnende Szene um den Hollywood-Star Julia Roberts deutlich macht; eine Szene, die eigentlich all das zusammenfasst, weshalb man dem Film ziemlich böse sein könnte. Sie ist so verlogen, so affig, dass sich eigentlich jeder Zuschauer veralbert vorkommen muss, weil Soderbergh ihm ins Gesicht spuckt und das auch noch als Unterhaltung verkauft. Andererseits: auch er bedient nur den tobenden Mob, der ja gerade wegen der zahlreichen Stars die Eintrittskarte gelöst hat.

Aber auch abseits solch moralisierender Anmerkungen kann "Ocean's Twelve" schwerlich empfohlen werden: zu konstruiert ist er, zu forciert, zu langweilig. Szenen mit Wortwitz wie das spöttelnde Gespräch zwischen Matsui, Rusty und Danny vor Grünschnabel Linus sind selten, der durchaus spannende Ansatz um die Konkurrenz durch den Meisterdieb Nachtfuchs wird zu schnell aufgegeben und am Ende möchte "Ocean's Twelve" dann glatt noch ans Herz gehen, wenn Isabel ihren langvermissten Vater trifft. Deren Charakter ist dann noch der ausgeprägteste und ernsthafteste des ganzen Films und Catherine Zeta-Jones die einzige, die dem Film etwas Profil gibt. Der Rest: reichlich uninspiriert.

Öde und lieblose Gaunerkomödie mit Star-Overkill


Thomas Schlömer