King Arthur

USA, 130min
R:Antoine Fuqua
B:David Franzoni
D:Clive Owen,
Keira Knightley,
Stellan Skarsgård,
Til Schweiger
L:IMDb
„A round table? What sort of evil is this?”
Inhalt
Nach dem Zerfall des römischen Reiches herrscht in England Anarchie. Seit Jahren befinden sich die Ritter des Landes im Kampf um Territorien. Nur der mächte Herrführer Artus (Clive Owen) scheint fähig, alle widerstrebenden Interessen in einem starken Königreich zu vereinen. Bevor er jedoch dazu kommt, muss er dem Eid, den er dem römischen Imperium schwor, mit seinen Rittern der Tafelrunde ein letztes Mal nachkommen. Die Aufgabe führt in den Konflikt mit den in England einfallenden Sachsen.
Kurzkommentar
Um im Fahrwasser seines Überraschungshits „Fluch der Karibik“ mit einem weiteren pseudohistorischen Stoff mächtig abzuräumen, schlachtet Jerry Bruckheimer mit der Artus-Legende den vielleicht größten abendländischen Mythos aus. Das geht, weil Antoine Fuqua („Training Day“) kein schlechter Regisseur ist, nicht vollends schief. Aber die vorgeblich „realistische“ Deutung der Sagengestalt ist nur Aufhänger für müdes Heldenkino mit gängigem Pathos und Hang zum Lächerlichen. Beim sakralen Ernst der Vorlage mag gewollter Humor unmöglich sein, Spannung fehlt über weite Strecken jedoch auch.
Kritik
Artus als Name und Symbol läuft sicher synonym zur Vorstellung des Mythos schlechthin, einer tradierten Erzählung also, die sich aus dem Dunst einer nebeligen Vorgeschichte speist und, da sie meist erst spät schriftlich fixiert wurde, durch Generationen mündlicher Überlieferung munter frisiert und umgedeutet wurde. Sicher historisch ist hier letztlich gar nichts, nur der Umstand der Bedeutung des Erzählten, des Schicksals der wahren Helden für die weithin gemeinsame „Erinnerung“, die einmal nationale Identität begründen wird. Artus und seine Tafelrunde, das ist nicht nur der Inbegriff des märchenhaften Rittertums schlechthin, sondern auch ein gewaltiger kulturhistorischer Klotz. Der sagenhafte König genießt in Großbritannien seit dem frühen Mittelalter den Status eines Nationalheiligtums. In Kontinentaleuropa ist er seit französischer und mittelhochdeutscher Epik nicht weniger Artus-Superstar, mitsamt seinen aufrechten Recken das Ideal galanten Ritterethos´.

Zahllose Traditions- und Motivstränge bündelt der ausgedehnte Sagenkreis, in dem Träumer, die Dichtung unbelehrbar mit Wahrheit verwechseln, sicher auf ewig weiter nach dem Gral suchen werden. Als Gralshüter der Wahrheit spielt sich nun ein Stück weit auch ausgerechnet Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer mit Regisseur Antoine Fuqua auf. Ironisch ist das schon deswegen, weil Krawallmacher Bruckheimer im letzten Sommer mit „Fluch der Karibik“ das Piratenmotiv sehr entspannt dorthin zurückverwies, wo es herstammt: in die Romantik, in eine schwärmerische Kleine-Jungen-Idealisierung der Freibeuterwirklichkeit, die es „so“ nie gab. Dass „King Arthur“ nun allen romantisch-mystischen Schwulst abstreifen, es akkurater als alle Weichzeichnerschinken vor ihm machen und den „historischen Kern“ der Sage herausschälen will, kann angesichts der anvisierten Zielgruppe nicht wirklich ernst gemeint sein. Bruckheimer kann letztlich nicht anders, als selbst die sakralste Vorlage auf schematisches Kirmeskino zurechtzustutzen.

Aufregen sollte man sich darüber aber nicht, denn Bruckheimer tut intentional im Wesentlichen nichts anderes als die mittelalterlichen Artusepen auch: Er entspricht der Rezeptionserwartung des Publikums. Etwas polemisch könnte man sagen, die Dichter servierten in flexiblem Vortrag das, wonach das sensationsgeile Zuhörerschaft verlangte, die schablonenartig wiederholte Aventüre nämlich, stereotype ritterliche Bewährungsproben gegen hyperbolisch beschriebene Feinde und Drachen. Vor dem Hintergrund von eingeprobtem Rollenverhalten und Tugendkatalogen, Ehre und Mut ging es um primär um den Effekt, der narrativ gar nicht mal kompliziert sein musste. So auch bei Bruckheimer, wobei zum einen das Heldentum des modernen Epos´ zunehmend nur noch aus dem dröhnenden Klangteppich der Hans Zimmer-Schule zu bestehen scheint. Zum anderen ist die vermeintlich „historische“ Lesart des Artus- Stoffes durch Regisseur Fuqua und Drehbuchautor David Franzoni („Gladiator“) die dümmste nicht, auch wenn sie platt endet.

Für das mittelalterliche Auditorium hätte ein zwischen den Fronten stehender Held womöglich an Überforderung gegrenzt. Fuqua nutzt die Konfliktzonen seines Fastfood-Artus´, halb Römer und halb Brite, allerdings nicht aus und opfert sie billigen Mustern. Clive Owen ist als müder Artus in leicht opportunistischer Manier seinem Schwur Rom gegenüber solange vasallenartig ergeben, bis er – oh Überraschung – feststellen muss, dass das Rom, das er zu verteidigen wägt, nicht existiert und die römische Kirche schon im sechsten Jahrhundert im foltertechnischen Missionarswillen halt ein wenig zu beherzt zulangt. Spaßig frech ist die Neudeutung des Ursprungs der sagenhaften Tafelrunde. Sie ist rund, ganz ordinär der Esstisch von richtigen Frontschweinen. Statt glacébehandschuhten Kitschrittern mit Wertneurose eignet sich Fuqua einen angeblich gesicherten Quellenbestand an: Das exotische Krieger- und Nomadenvolk der Sarmaten (heutige Ukraine) kämpfte gegen Rom, bis unter Kaiser Marc Aurel ein sarmatisches Kontingent Rom in Britannien zu verteidigen hatte.

Und selbst Lancelot stammt hier aus sarmatischen Reihen. So mag es für Artuspuritaner halbwegs häretisch sein, die stilisierte Tafelrunde als sympathisch heidnische Rabaukentruppe zu erleben, die sich natürlich auf Loyalität, Ehre und Freundschaft stützt, ansonsten aber den barbarischen Buschsachsen, gegen die es zu Felde geht, merkwürdig ähnlich scheint. Hier hat Fuqua eine bunt-lebendige Truppe meist unbekannter Gesichter zusammengebracht, die einen weit besseren Film verdient hätte. Vor dem Hintergrund der zwanghaft motivierten Konfrontation mit den wilden Invasoren verliert das Drehbuch dann deutlich an Halt, kippt am Ende ins unfreiwillig Lächerliche. Wohl geht es um Freiheit, auch gibt es reichlich abgegriffene Dialoge über Sinn und Zweck der ganzen Kriegsveranstaltung und das, woran der große Heerführer den glauben mag. Aber die innere Zerrissenheit Artus bleibt an der Oberfläche, mehr als hölzerne Sprüche gibt es nicht. Nicht besser ergeht es weiteren Motiven der literarischen Überlieferung.

Von ihr recycelt „King Arthur“ punktuell, wo es in den Fantasyzirkus passt. Die junge Keira Knightley aus „Fluch der Karibik“ ist alles andere als die keusche und passive Guinevere der Epen. Alles andere als die Mutation zur Kampfamazone mit Kriegsbemalung hätte im Bruckheimer-Universum wohl auch verwundert. Mit ihr kommt Zauberer Merlin aus dem Gestrüpp und schon ist Recke Artur bereit, mit schöner Schützenhilfe das Wesentliche anzupacken. Die wilden Sachsen sind also da und müssen weg. Für England. Albern unterhaltend ist das Bild der Sachsen als brandschatzende Primatentruppe. Til Schweiger als zopfbärtiger Barbar gibt die unweigerliche Schauspiellücke und den Höhepunkt der Karikatur, und auch Stellan Skarsgard („Brennt alles nieder“) als Obersachse döst eher als er spielt. Sehr gelungen sind nach müden Fluchtszenen wenigstens einige Actionmomente, so vor allem das Einbrechen der Verfolger auf dem Eis. Schade nur, dass der einzig wirkliche Pluspunkt die „naturalistisch“ dreckige, sehr sorgfältige Ausstattung bleibt.

Einen Anflug von „Epik“ im entferntesten Sinn hat „King Arthur“ als gesichtsloses, düsteres Actionkino in keinem Moment. Drehbuchautor David Franzoni liefert stellenweise unfreiwillig komische, weil billig theatralische Momente, während Regisseur Antoine Fuqua seine Hauptdarsteller nicht mit genügend Belang in Szene setzt. Spannung gibt es kaum, Witz sowieso nicht, allzu viel bleibt bloßes Raster, allzu häufig dröhnt konservengleiches Helden-Tamtam aus den Lautsprechern. Das gipfelt in einem schmerzhaften Kitschfinale. Weitergehendes Interesse an der Literatur und Kultur rund um Artus und Co. wird der Streifen nicht wecken, will er auch nicht. Aber auch hierzulande dürfte „King Arthur“ die von Bruckheimer gesetzte Mission, im Fahrwasser von „Fluch der Karibik“ mächtig Kasse zu machen, verfehlen.

Beliebiges Heldengedröhne aus der Bruckheimer-Retorte


Flemming Schock