Ladykillers
(Ladykillers, The)

USA, 104min
R:Joel Coen, Ethan Coen
B:Joel Coen, Ethan Coen
D:Tom Hanks,
Irma P. Hall,
Marlon Wayans,
J.K. Simmons,
Ryan Hurst
L:IMDb
„Wir sind wie ein Blatt auf dem Strom des Lebens; und werden die Alte töten”
Inhalt
Der schrullige Professor Goldthwait Higginson Dorr hat ein ehrgeiziges Ziel: Er will ein Kasino bis auf den letzten Heller ausrauben und hat zu diesem Zweck eine Truppe von Experten um sich versammelt. Als Untermieter bezieht er inkognito ein Zimmer im Haus einer alten Dame, um angeblich mit seinen Freunden Kirchenmusik zu üben. In Wirklichkeit plant er seinen Coup. Doch die Profis unterschätzen die Lady – als sie auf die Pläne der Bande aufmerksam wird, fasst Dorr den Plan, sie aus dem Weg zu räumen. Alsbald stellt sich heraus, dass sich die Durchführung als deutlich schwieriger erweist, als angenommen.
Kurzkommentar
Eine Allianz von Hollywood-Schemata und Autorenkino bringt wohl das Opfer des Letzteren. Die Coen-Brüder inszenieren mit der Krimikomödie „Ladykillers“ ihr erstes Remake, das die merkwürdige Trivialisierung seit dem „Unmöglichen Härtefall“ fortsetzt. Zwar lebt „Ladykillers“ von der gewohnt stilistischen Dichte der Regiebrüder und unterhält im Grunde gebügelt-elegant bis zum Schluss. Aber das Erinnerungswerte im Seichten fehlt – und für einen „Coen“ ist das bedenklich.
Kritik
Wenn sich zwei Vorzeigegestalten des Autorenkinos an einem Remake versuchen, könnte das direkt als filmische Bankrotterklärung gedeutet werden. Was immer auch das brüderliche Regiegespann der Coens zu einer Neuauflage des englischen Krimikomödienklassikers „The Ladykillers“ aus dem Jahre 1955 bewogen haben mag – das ernsthafte Interesse an einer „zeitgemäßen“ Interpretation des schwarzhumorigen Kammerstücks (obwohl jeder neue Coen-Film schon durch eine alle Epochen wild durcheinander würfelnde Requisite bewusst anachronistischen und überzeitlichen Stils ist) oder gar die Hoffnung auf großen Erfolg bei minimalem Drehbuchaufwand. Wie auch immer, beim nächsten Film der Beiden, der Liebeserklärung „Paris, je t´aime“, dürfte vielleicht alles wieder beim schrägen Alten sein.

Auffällig ist im Hinblick auf die jüngsten Tendenzen im filmischen Schaffen der Coens aber immerhin einiges: Da wäre erstens die Häufigkeit neuer Filme. Vor Jahren, bis zu „O Brother, Where Art Thou?“ oder auch „The Man Who wasn´t There“, war jeder neue „Coen“ eigentlich immer ein Festivalereignis. Natürlich weniger für die Oscars, für die waren die nuancenreich-bizarren Stoffe der Zwei einfach nicht breitenkompatibel genug. Dann folgte jedoch erstaunlicherweise im letzten Jahr mit dem „Unmöglichen Härtefall“ der Handschlag mit Hollywood. Die Screwball-Klamotte konnte sich auf George Clooney stützen, war en gros sicher immer noch besser als die ärmliche Genrekonkurrenz. Aber der „Unmögliche Härtefall“ war sonst glattgebügelt, hinterließ keine Spuren. Hatten sich die Coens aus Gründen der Anbiederung beim breiteren Publikum ein Stück weit selbst aufgegeben? Und nun bereits der nächste Film. Recht wenig Notiz hat er in den USA denn auch bekommen. Trotz oder wegen dem omnipräsenten Tom Hanks in der Hauptrolle?

So viel ist klar: Hanks ist mittlerweile auf die Darstellung der ganzen Welt abonniert, direkt nach den „Ladykillers“ wird er durch Spielbergs „Terminal“ schlurfen. Und wer im Bündnis der Coens großen Hollywood-Produzenten Verrat an ihrer alten Art Kino zu machen sieht, wird sich auch mit „Ladykillers“ bestätigt sehen. Originell im Coenschen Sinne ist hier wirklich nichts, nicht einmal das formale Setting. Es ist zwar ein anderes als im Original, das in London spielte, lebt aber einmal mehr vom weich gezeichneten Bildstereotyp eines zeitlosen amerikanischen Südens, das die Coens so lieben. Hier zitieren sie sich also selbst, aber noch immer ist das rhythmisch – die wie immer exzellente Musik leistet ihren Beitrag erneut – und sehr elegant, eine ziemliche Beschaulichkeit also. Bei dieser schicken Beiläufigkeit bleibt es aber leider überwiegend. Natürlich bleibt das zweite Coen-typische Element mit den notwendig schrulligen Charakteren nicht aus.

So amüsiert gerade J.K. Simmons („Spider-Man 2“) als Möchtegernsprengmeister mit akuter Darmkatarrh, Marlon Wayans (Was steht an, Nigga) als Gangster-Parodie und Tzi Mai als „General“ samt gemeißelter Miene, ganzen zwei Sätzen und dem gewissen Zigarettentrick. In der schrillen Figurenrevue, die „Ladykillers“ hier bietet, bleibt eigentlicher Witz aber ungenutzt. Statt pointierter Dialoge gibt es nur überkandideltes Dauergefasel von Tom Hanks und Figuren, die am Ende nur bedingt komisch sind, weil sie eben mit aller Macht komisch sein wollen. So sind alle Charaktere zu überzeichnet, zu überdreht und bemüht. Das gilt leider für die tadellos spielende Irma P. Hall als puritanische Seele vom Land, die das intellektuelle Geschwätz des Professors mit bibelfester Entschlossenheit immer wieder auflaufen lässt. Aber gerade Tom Hanks als Hollywoods fast größte Prominenz macht wieder einmal Schwierigkeiten.

Einerseits ist seine Darstellung des dauerquatschend-schmierigen Altphilologen der sichere Mittelpunkt des Films. Seine Verwandlungskünste sind bemerkenswert, und müssen es wegen der Masse der von ihm gedrehten Filme auch sein. Doch andererseits wirkt Hanks als Professor Dorr eher anverwandelt als wirklich verwandelt: Das Doppelbödige der Figur zwischen krimineller Energie und humanistischer Selbstverliebtheit kommt kaum zum Tragen und die karikierende Überdehnung nervt in ihrer Eindimensionalität bei zunehmender Lauflänge sogar. Wirkliche Lacher, ob platter oder subtiler Art, gibt es selten, auch Spannung ist nicht vorhanden, obwohl es sich immerhin um einen „Heist“-Streifen handelt. „Ladykillers“ plätschert mit den bewährten Coen-Qualitäten – schräge Vögel im schrägen Setting – gepflegt und nett vor sich hin, bis gegen Ende mit dem formschönen Sterben eine längst überfällige, aber auch zu gradlinige Komponente des schwarzen Humors integriert wird.

Stilvoll glatter Coen-Spaß mit Hang zur Beiläufigkeit


Flemming Schock