Osama

Afghanistan / Japan / Irland, 82min
R:Siddiq Barmak
B:Siddiq Barmak
D:Marina Golbahari,
Arif Herati,
Zubaida Sahar
L:IMDb
„Ich lebe jetzt schon sehr lange auf dieser Welt und zwischen Männern und Frauen ist mir noch nie ein Unterschied aufgefallen”
Inhalt
Nach der Machtübernahme durch die Taliban stehen in Afghanistan tausende Witwen und alleinstehende Frauen vor einem unüberwindlichen Problem: Wie sollen sie ihren Lebensunterhalt verdienen, wenn sie nur in Begleitung männlicher Verwandter das Haus verlassen dürfen? Eine Mutter beschließt, ihre 12-jährige Tochter als Sohn zu verkleiden, damit sie sie zu ihrer Arbeit begleitet. Als die Mutter ihre Arbeit verliert, muss das Mädchen die Familie ernähren. Als „Junge“ fängt sie an für einen Milchmann zu arbeiten, der mit dem im Krieg gefallenen Vater der Familie befreundet war. Durch die Verkleidung ist das Mädchen gezwungen, an den religiösen Riten der Männer teilzunehmen und die Koranschule zu besuchen. Doch die männlichen Verhaltensweisen sind ihr fremd. Und die Furcht vor der Enttarnung wächst mit jedem Tag.
Kurzkommentar
Der afghanische Regisseur Siddiq Barmak kehrt nach sieben Jahren im pakistanischen Exil in sein Heimatland zurück und dreht nach Mohsen Makhmalbafs berührender Bestandsaufnahme „Reise nach Kandahar“ einen weiteren Film über das Leben in einem der konfliktträchtigsten Gebiete dieser Erde. Indem er eine konventionelle Plotidee (Mädchen verkleidet sich als Junge) in einen um Dokumentar-Realismus bemühten Kontext einbettet, gelingt ihm eine kluge Balance zwischen handelsüblicher Filmdramaturgie und nahe gehender Authentizität. Dass er dabei nicht der Versuchung widerstehen kann, auch auf so manches provokative Element zurückzugreifen (Musste der Name ausgerechnet Osama sein?), verzeiht man ihm gerne angesichts der ein oder anderen sehr gelungenen Bildlichkeit (ein Baum, der für kurze Zeit die (geistige) Flucht vor der Gefangenschaft erlaubt; ein Kinderspiel, dass sich als letzte Hoffnung offenbart). Trotz der die Atmosphäre des Films stark beeinträchtigenden, deutschen Synchronisation entwickelt sich „Osama“ zu einem sehenswerten Plädoyer gegen Unterdrückung und den Rassismus der Geschlechter.
(Thomas Schlömer)