Riddick - Chroniken eines Kriegers
(Chronicles of Riddick, The)

USA, 115min
R:David Twohy
B:David Twohy
D:Vin Diesel,
Colm Feore,
Thandie Newton,
Judi Dench,
Karl Urban
L:IMDb
„Convert or fall forever!”
Inhalt
Jahre nach seinem Absturz mit dem Gefangenentransporter ist Riddick (Vin Diesel) als Gesetzloser im Universum damit beschäftigt, sich unliebsame Kopfgeldjäger vom Hals zu halten. Derweil versucht ein gewisser Lord Marshal (Colm Feore) das gesamte Universum zu unterjochen. Natürlich hat er die Rechnung ohne den Mann mit der Brille gemacht.
Kurzkommentar
Was lange währt, wird endlich gut, das gilt sicher nicht für die verbockte Fortsetzung zum Überraschungshit „Pitch Black“. Regisseur Twohy geht nicht auf Nummer sicher. Er hätte die Qualitäten des ersten Teils, der vor allem von der stimmungsdichten Einheit der Kulisse und einem markigen Diesel zerrte, effektiv neu bemühen können. Stattdessen verliert sich die Fortsetzung gleich im gesamten Universum und einem zusammenhangslos dilettierenden Plotbrei. Die „Chroniken eines Kriegers“ ist überwiegend sinn- und spannungsfrei, lebt allein von einigen Reminiszenzen und prahlerischer Ausstattung.
Kritik
Es war und ist ja schon verdächtig. Das Fortsetzungskino des letzten und des jetzigen Jahres ist zum Teil erschreckend in Form, hat also ein Stück weit damit überrascht, dass Streifen wie „Terminator 3“, die „Herr der Ringe“-Fortsetzungen oder jetzt auch „Shrek 2“ und „Spider-Man 2“ ein ungeschriebenes Kinostatut unterliefen, weil sie mit den jeweiligen Originalen zumindest konkurrieren konnten oder gar besser waren. Die wirre Ausschlachtung der „Matrix“ entsprach dagegen einstweilen der gewohnten Sequelerfahrung: Produzenten und Regisseure pumpen mindestens das Doppelte des Originalbudgets in die Fortsetzung in der Hoffnung, auch gleich doppelt abkassieren zu dürfen. Ideen und narrative Experimente bleiben auf der Strecke, der gewohntheitsgeleitete Zuschauer kriegt alten Wein in neuen Schläuchen vorgeworfen. Das alte Spiel.

Wenn nur wenigstens das bei den „Chroniken eines Kriegers“ der Fall wäre. Aber das Kinojahr wird, das gleich vorweg, wohl kaum mehr einen sinnloseren und inkohärenteren Streifen erleben als diesen. Das ist besonders ärgerlich, denn satte vier Jahre musste man auf eine durchaus gerechtfertigte Fortsetzung von David Twohys Überraschungserfolg „Pitch Black“ warten. Gut, originell war schon das Original nicht. Aber „Pitch Black“ machte aus minimalem Budget ein maximales Ergebnis, indem er sich unbekümmert aus dem Ideenhaushalt des Genres bediente – vor allem bei „Alien“ und „Predator“ -, Hochspannung aus einem Guss in ästhetisch erfrischend-düsterer Optik bot und locker mit Trashtendenzen kokettierte. In erster Linie markierte „Pitch Black“ aber den Aufstieg Vin Diesels zum Actionhelden – zu dem der neuen Generation, wie es damals prophetisch hieß.

Diesel war wie gemacht für die Rolle des überbetont-coolen Neandertalers. Begleitet von sonoren Einzeilern und der exakt richtigen Dosierung an Selbstironie macht er den charismatisch-spaßigen Mittelpunkt. Was Riddick neben Diesels atavistischem Spiel aber vor allem interessant für mehr machte, war seine Rätselhaftigkeit, das Unbekannte über sein Woher und sein Ziel. Daran hätte die Fortsetzung nun verdichtend anknüpfen können, aber die beiden Teile hängen so gut wie gar nicht zusammen. Das macht die „Chroniken eines Kriegers“ zur Chronik über die vielleicht entscheidende Wende für Regisseur und auch Hauptdarsteller: Twohy nimmt die Stärken von „Pitch Black“ nicht wieder auf und hat, viel schlimmer, im Grunde nichts, was die Bezeichnung Drehbuch verdient. Und für Diesel dürfte nach dem nicht nur schauspielerisch fragwürdigen „Extreme Rage“ hier der vorläufige Tiefpunkt erreicht sein.

Das liegt zwar einerseits an Twohy – immerhin auch der Drehbuchautor von „Auf der Flucht“ -, der weder ein Konzept für einen großen Spannungsbogen noch für die Charakterentwicklung hat. Diesel macht den harten Outlaw, der vorwiegend damit beschäftigt ist, mit nicht gerade geistvoll aussehenden Kontaktlinsen bedrohliche Blicke zurück über die linke Schulter zu werfen, also nichts anderes als im Original. Aber seine Präsenz ist in der Fortsetzung eben logischerweise enorm erhöht und da reicht es eben nicht mehr, sein Charisma aus einem mimischen Spiel zu ziehen versuchen, das exakt nur einen Gesichtsausdruck variiert. Und irgendwann wird das Ausdruckslose nervig, ist der Coolness-Faktor erschöpft, weil rein gar nicht klar wird, was den Markigen mit der Taucherbrille eigentlich genau in den Kampf gegen eine faschistische Superrasse führt und was den ganzen Unfug motiviert. Abgesehen vom Schicksal natürlich.

Es ist die Unbedingtheit eines fledderhaften Drehbuchs, das zusammen mit den unmotivierten Hau-Drauf-Actionszenen zwar jede Menge Charaktere aufgreift, sie aber nicht ausbuchstabiert. Das beste Beispiel, gleichzeitig auch für die merkwürdige Verirrung einer seriösen Schauspielerin wie Judi Dench: Sie wabert als Vertreterin der irgendwie nicht materiellen Rasse der Elements durch die Galaxis. Wer sie ist, was und wohin sie will, ganz menschliche Fragen ans Drehbuch also – keine Ahnung. Ähnlich Plump und unerklärt ist auch der Rest samt öder Staatsstreichphantasien und anachronistischem Obermotzes in lustiger Armani-Ritterrüstung. Mit der ist einzige Qualität des Streifens auch angesprochen: Weil Twohy für die „Chroniken eines Kriegers“ natürlich das zigfache des Originalbudgets verfeuern durfte, ist die Ausstattung hier und dort, blechern und düster, ganz sehenswert. Der CGI-Firlefanz, schal und überbunt zugleich, kann hingegen nicht überzeugen, wirkt gegen die Konkurrenz eher billig.

Das wäre ja alles hinzunehmen, hätte der Plot zwei rettende Werte notdürftig bemäntelt: gelungene Action und nicht schwer zu konstruierende Spannung. Twohys Film hetzt zwar von einer explosiven Szene zur nächsten, das ist aber gleichzeitig das Problem: Sämtliches Explodieren und Neutralisieren ist nicht durch einen inneren Spannungsbogen begründet und auch noch mies geschnitten. Diesel verdrischt als Riddick zwar Haufenweise Gegner, die nicht mehr sind als grau-grunzende Blecheimer. Aber das eigentlich Spektakuläre an diesem Film ist die sich breitmachende kolossale Langeweile. Die „Chroniken eines Kriegers“ quillt über vor Action und Trostlosigkeit. Der Stimmungsvergleich mit dem Vorgänger fällt rundherum desolat für diese in den Sand gesetzte Fortsetzung aus. Wo „Pitch Black“ stimmungsdichten, ästhetisch sicheren Weltraumhorror bot, reiht der Nachfolger dramaturgische Fragmente mit möglichst viel Effektlärm aneinander und wirkt einfach nicht aus einem Guss. Allein die Schlusszene hat einen guten Einfall und damit steht so viel mit schwachem Trost fest: „Pitch Black 3“ kann nur noch besser werden.

Charmelos lärmendes Fortsetzungsstückwerk


Flemming Schock