Alien vs. Predator

USA, 95min
R:Paul W.S. Anderson
B:Paul W.S. Anderson
D:Sanaa Lathan,
Raoul Bova,
Lance Henriksen,
Ewen Bremner,
Colin Salmon
L:IMDb
„Wir sind nur das Vieh”
Inhalt
Die Entdeckung einer altertümlichen, tief im Eis der Antarktis begrabenen Pyramide durch den milliardenschweren Industriellen Charles Bishop Weyland (Lance Henriksen) zieht ein Team von Wissenschaftlern und Abenteurern an den eisigen Südpol. Was die Forscher, angeführt von der unerschrockenen Alexa „Lex“ Woods (Sanaa Lathan) dort unten erleben, fasziniert sie zunächst, entwickelt sich jedoch bald zu einem grauenvollen Horrortrip: Sie geraten zwischen die mörderischen Fronten von Alien und Predator, die 700 Meter unter der eisigen Oberfläche einen Krieg führen.
Kurzkommentar
Als kompromissloses Testosteronkino klärt „Alien vs. Predator“ eine der sicher längst überfälligen Fragen der Filmgeschichte. Und Paul W.S. Anderson ist als Regisseur immer ein Gefahrenfaktor. Doch das stumpf-entspannte Showdownspektakel der beiden stylischen Kult-Monster erfüllt mit einigen Trashallüren und soliden Produktionswerten die niedrigsten Erwartungen.
Kritik
Im Grunde ist es wie in der Volksbelustigung „Dschungelcamp“: Das Prinzip, abgehalfterte, in die B- oder C-Liga der Prominenz degradierte „Stars“ der Voyeurismusquote wegen in einem Trashspektakel der Restverwertung und dann dem Vergessen zuzuführen. Die meist vor vielen Jahren irgendeinen Bekanntheitsgrad Genießenden müssen sich gegenseitig fies ausbooten; im „Dschungelcamp“ bisher noch psychisch; im Kino, wo es nicht mehr taufrische Slasher- und Monsterikonen der 80er sind, natürlich physisch. „Freddy vs. Jason“ und nun „endlich“ - nach angeblich jahrelangen Fansehnsüchten und nächtelangen Qualen über der Frage, welches Monster einfach der König im Ring ist - „Alien vs. Predator“. Mit der Ausschlachtung war die Computerspielindustrie mal wieder schneller, hier bewies sich der Showdown der beiden Kreaturen schon vor Jahren als erfolgreiches Spiel. Als Spiel. Das sagt Einiges über die Grenzen des Films und bringt uns zum Regisseur.

Hier schwebt ein eher berechenbar schlechter Paul W.S. Anderson wie das Damoklesschwert über der infantilen Fanphantasie. Auf das Konto seiner erst wenigen Filme gehen schon berüchtigte Gurken wie „Mortal Combat“ oder „Soldier“. Mit seinem letzten Film „Resident Evil“, seiner zweiten Videospielverfilmung, raffte er sich überraschend auf. Und es ist nun wohl nicht so, dass die Produzenten sich für Anderson entschieden, weil er nach dem Erfolg von „Resident Evil“ besonders befähigt schien, das Aufeinanderhetzen der intergalaktischen Viecher am besten zu inszenieren. Er lag irgendwie nahe. Ein Regisseur aus der ersten Riege hätte sich für das sekundäre Unternehmen sowieso nicht gefunden. Aber egal, denn bei „Alien vs. Predator“ ist der Regisseur am Ende zweitrangig und viel verkehrt konnte angesichts der zu erfüllenden Aufgabe auch nicht gehen: ein Fall für die Abteilung Spezialeffekte.

Wem es also schon immer – und das dürften nicht wenige sein – nach einem Alien im Thermovisier eines Predators gelüstete, wird tatsächlich weniger übel bedient als gedacht. Am fairsten ist es ohnehin, von diesem Recyclingstumpfsinn rein gar nichts zu erwarten – außer unfreiwilliger Komik, mit der am Ende nicht ungekonnt kokettiert wird. Und technisch-visuell ist aus „AvP“ ein weit soliderer Film geworden als erwartet. Das hat, wie angedeutet, mehr mit dem Budget als mit dem Vermögen des Regisseurs zu tun. Damit sich die 80er-Ikonen noch einmal in bester Verfassung zeigen konnten, machte 20th Century Fox runde 65 Millionen Dollar locker – für einen Film dieser Kategorie ist das ziemlich stattlich, auch im Vergleich zu „Resident Evil“, der sich noch mit gut der Hälfte zu begnügen hatte. Die größte Misere des Streifens ist natürlich jene Verlegenheit, dass es ganz ohne Plot nun auch nicht geht. Also musste der peinliche Einfall des Monsterduells irgendwie gerechtfertigt werden.

Das unternimmt der Regisseur mit der linken Hand als Drehbuchautor gleich mit, was den Inhalt selbstredend so haarsträubend wie nur irgend möglich macht und „AvP“ klar im Trashsegment positioniert. Schon ein Dilemma ist unausweichlich: Ohne menschliches, zwischen die Fronten der Superrassen geratenes Futter geht es nicht, weil es sonst selbst um die hohlsten Dialoge geschehen wäre. Sprechende Predatoren und Aliens wären auch für die härtesten Fans zu viel gewesen ("Ich bin ein Star, holt mich hier raus"). Also begibt sich eine Herde notdürftig eingeführter Wissenschaftler zu einer unter dem Eis der Antarktis liegenden Pyramide, nur, um zu spät zu realisieren, in den irdischen Jagd- und Spielplatz der intergalaktischen Jäger eingedrungen zu sein. Hier werden Aliens als Beutetier für gelangweilte Predatoren gezüchtet. Klasse, aber wer will hier schon die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Angesichts dieser Umstände wird fast schon wieder zu viel geredet – die menschlichen Protagonisten, einem allesamt sowieso herzlich egal, hätten dann auch früher abgemurkst werden können, um den Ring für die eigentliche Essenz frei zu geben.

Es dauert bis zum Schwergewichtskampf. Aber zugegeben, trotz zu hektischer Schnitte ist das erste Todesmatch von garstigem Vieh 1 und garstigem Vieh 2 sehr druckvoll, befriedigt die Erwartungen, ist handwerklich auf hohem Niveau und macht gar Appetit auf mehr. So geht es lärmend weiter. Besonders spannend ist das platte Sich-Behaken mit zunehmender Lauflänge dann allerdings nicht mehr, vielleicht hätte Anderson hier neben allen Horror-Klischees noch stärker auf Schockeffekte und subtile Spannung à la „Alien 1“ setzen sollen. Auch das monoton-düstere Setting ist alles andere als optimal. Das eigentlich Spaßige lässt aber bis zum überraschend mutigen, selbstironisch-trashigen Wendepunkt gegen Ende auf sich warten, wenn „AvP“ durch apartes Teamwork zum albernen Buddymovie mutiert. Kompliment dafür. Unter dem Strich wird sich angesichts der Verfilmung einer „coolen“ Videospielphantasie niemand beschweren dürfen. Natürlich ist "AvP" prinzipiell schlecht. Aber die Endlagerung hätte weit unseliger werden können. Und zufällig wird in diesen Film sowieso niemand geraten.

Passabel trashiges Monsterrecycling für die Videospielgeneration


Flemming Schock