Schule

Deutschland, 98min
R:Marco Petry
B:Marco Petry, Stefan Wood
D:Daniel Brühl,
Jasmin Schwiers,
Nils-Bruno Schmidt,
Melanie
L:IMDb
„Schau's Dir an ... das hier ist unsere kleine Welt.”
Inhalt
Noch einmal so richtig auf den Putz hauen, noch einmal so richtig Spaß haben - mit allen Freunden, mit allen Mädchen: 24 Stunden aus dem Leben einer Gruppe von Schülern einer deutschen Kleinstadt, kurz vor dem Abitur - die letzten Tage, bevor das "richtige" Leben beginnt, denn nach der Schule, da wird nichts mehr so sein, wie es früher einmal war.
Kurzkommentar
Zunächst äußerst platt und schmerzhaft stereotypisch gelingt Debütregisseur Marco Petry letztendlich ein feinfühliges Porträt einer ganz normalen Schulclique, die kurz vor dem Abitur erst realisiert, was sie in dieser Zeit doch für einen mordsmäßigen Spaß hatte. Jedes Storydetail bleibt zwar aufs Einfachste durchschaubar, im Endeffekt legt Petry jedoch das Augenmerk geschickt auf den Erfahrungswert einer solchen Zeit und rettet den Film davor, lediglich ein dämlicher Abklatsch diverser High-School Klamotten zu sein.
Kritik
Als Marco Petry 1995 seinen Zivildienst leistete, kam ihm die Idee zu seinem ersten großen Kinofilm "Schule". Er selber hatte sein Abitur seit einem Jahr und wartete auf sein Studium an der Filmhochschule in München. Grund für diese Thematik war ganz einfach, daß er die eigene Schulzeit schmerzlich vermisste und dieses Gefühl unbedingt festhalten wollte.

Und so wurde aus "Schule" ein gekonntes Porträt der vermeintlich schönsten Zeit des Lebens, was man angesichts der ersten halben Stunde gar nicht vermuten sollte. Charaktere und Dialoge sind zunächst nämlich derart plump und einfallslos inszeniert, daß man schon befürchtet, das Niveau von "Harte Jungs" und "Crazy" würde locker unterboten. Allein schon der rebellische und im filmischen Sinne fast Bösewicht zu nennende Stone (welch einfallsreicher Name) ist an eindimensionaler und durchschaubarer Charakterisierung kaum zu unterbieten. Auch beinahe jeder andere Schüler läßt sich problemlos den High-School Standardkategorien zuordnen. Stone ist der unbeliebte Macker, Markus der ach-so süße Freund, Sandra die träumerisch-naive Freundin, Melanie die letztendlich einsichtige Zicke, André der Dauerfremdgeher, Teresa die weibliche Seelsorge, Steven der notorische Kiffer, Karbrüggen der Oberstreber und Dirk (Axel Stein, viel cooler in "Harte Jungs") der publikumswirksame Sprückeklopfer, der nix in Mathe rafft. Da hatte selbst Pepe Nietnagel seinerzeit mehr zu bieten.

Aber gut: viel Spielraum läßt eine möglichst realitätsnahe Abiturstufe sicherlich nicht zu, weshalb sich dieser Kritikpunkt noch verschmerzen läßt. Außerdem gelingt es Petry nach dem holprigen Beginn, seinen Charakteren eben etwas mehr Tiefe zu geben, als man es vom amerikanischen Allerwelts- Collegegewürge gewohnt ist. Denn neben den üblichen Mißverständnissen, dem dauernden Gekiffe- und Gesaufe, den obligatorischen Sex-Witzchen und einigen Problemen mit der Polizei, zeichnet Petry zum Ende hin immer besser das Bild eines auseinanderklaffenden Freundeskreis. An das Kumpelgefühl eines "Absolute Giganten" reichen Petrys Ausführungen bei weitem nicht heran, aber wenn Cliquenfeind Stone zum Schluß auf dem Schuldach steht und überzeugend rüberbringt, was für ein erbärmliches Leben er doch führt, daß er immer noch in diesem Kaff festhängt und längst nicht so glücklich ist, wie es scheint, merkt man doch, daß es Petry um mehr ging, als bloße Komödienunterhaltung.

In Kombination mit den durchaus fähigen (am besten: Jasmin Schmiers), wenn auch nicht übertalentierten Darstellern wird man bei "Schule" also durchaus hier und da mal zum Nachdenken angeregt - gerade dann, wenn man seine eigene Schulzeit schon hinter sich hat.

Letztendlich treffende Ehrerbietung an die schönste Zeit des Lebens


Thomas Schlömer