Und dann kam Polly
(Along came Polly)

USA, 90min
R:John Hamburg
B:John Hamburg
D:Ben Stiller,
Jennifer Aniston,
Philip Seymour Hoffman,
Alec Baldwin
L:IMDb
„Möchtest du mit rauf kommen und Sex haben?”
Inhalt
Der als äußerst vorsichtig geltende Risikoanalytiker Ruben verlässt seine Frau, die ihn in der Hochzeitsnacht mit ihrem Tauchlehrer betrogen hatte. Was da noch hilft? Nur ein Leben ohne Verantwortung, jede Menge Extremsport - und scharfes Essen. Fehlt da nicht noch etwas? Als ihm das personifizierte Chaos mit Namen Polly (Jennifer Aniston) ins Haus weht, macht das sein Leben auch nicht gerade unkomplizierter.
Kurzkommentar
Jetzt macht es der Drehbuchautor John Hamburg mit Ben Stiller als Standardbesetzung einmal selbst und führt Regie. „Und dann kam Polly“ funktioniert dann als Standardware unter der berüchtigten „romantische Komödie“-Etikette erträglich amüsant und macht nach Schema F vor allem eines klar: Darmblähung muss Liebe sein. Und dann waren die neunzig Minuten auch um.
Kritik
Und dann kam die nächste romantische Komödie. Mit der Etikette ist meist alles klar und auch hier läuft alles in erprobt einfallslosen Bahnen, aber auch verstärkt durch den Magen. Dass „Und dann kam Polly“ in den USA ein enorm erfolgreiches erstes Einspielwochende hinlegte, lag an dem alteingespielten und bekannten Team. Zwar führt John Hamburg hier erst in seinem zweiten Film Regie, mit Ben Stiller arbeitet er aber schon das dritte Mal zusammen. So schrieb er die Drehbücher zu dessen vorigen Erfolgen „Zoolander“ und „Meine Braut, ihr Vater und ich“. Das wird der Verleih vor dem Start in den Trailern nicht unerwähnt gelassen haben und so wurde auch „Und dann kam Polly“ zum relativen Erfolg. Andere Gründe wirkten noch konstruierter, denn der leidlich unterhaltsame Streifen ist eine völlig akzentlose Großstadtkomödie samt ordinärer Gags.

Gut, im Grunde schlägt sich Stiller anstandslos, während ihm eine weitgehend blasse Jennifer Aniston an die Seite dekoriert wird. Stiller hat aber er hat nicht das Potential, das genügen würde, ein unorginelles Drehbuch einfach an die Wand zu spielen. Anders schon der großartige Philip Seymour Hoffman („Magnolia“, „Almost Famous“), der aus jeder Kleinigkeit eine große Szene macht, hier den exzentrisch gescheiterten Schauspieler mimt und mit viel Verve und mutig hässlicher Stretchinghose zum eigentlichen Höhepunkt der Klamotte wird. Hoffman hat ein weites komödiantisches Talent und beherrscht vom derben Slapstick bis zum subtilem Humor die gesamte Bandbreite. Mit ihm in der Hauptrolle wäre „Und dann kam Polly“ zur Höchstform aufgelaufen. Mit Stiller und Aniston versinkt der restlos berechenbare, routinierte Quatsch aber im Mittelmaß.

Hamburg macht sich gar nicht die Mühe, den Figuren irgendwie sichtbares Profil zu verleihen. Sie bleiben reine Stereotype, funktional allein für den nächsten platten Einfall von Situationskomik. Stiller mimt den spießigen Stadtneurotiker, Aniston der bekannten Konstellation zufolge notwendigerweise das Pendant, die unangepasste alternative Streunerin. Was die beiden Charaktere dann aneinander finden, wird dennoch nicht so richtig klar, die Theorie mit den Gegensätzen wirkt nicht plausibel. In jedem Fall mag Polly scheinbar all das, was Reuben nicht mag, des Buhlens wegen aber herunterwürgt, weil Liebe ja doch das Körperliche fordert. Im Konflikt der Geschmäcker hätten sich ja viele komische Szenen ergeben können, Hamburg beschränkt sich weitgehend auf marrokanische Schärfe mit der folgenden fäkalhumorigen Verlängerung. Das kennt man, aber immerhin ist die Toilettenszene Stillers halbwegs amüsant.

Mit Einfällen dieser Art arbeitet „Und dann kam Polly“ weitgehend pointenlos seine gerade noch kurzweiligen neunzig Minuten ab, hier und dort von Hoffman und Alec Baldwin in einer schön ekligen Nebenrolle bereichert. Und dann ging Polly wieder und die x-te romantische Komödie wird vergessen sein. Hamburg, der hier Regie führt und auch das Drehbuch schrieb, wird wohl für die fest eingeplante Fortsetzung zu „Meine Braut, ihr Vater und ich“ die Gags schreiben. Er sollte entweder das tun oder nur Regie führen, aber nicht unbedingt noch einmal beides zusammen.

Natürlich unoriginelle Romanze mit vulgären Späßchen


Flemming Schock