Terminal
(Terminal, The)

USA, 129min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Steven Spielberg
B:Jeff Nathanson, Sacha Gervasi, Andrew Niccol
D:Tom Hanks,
Catherine Zeta-Jones,
Stanley Tucci,
Chi McBride,
Diego Luna
L:IMDb
„Eigentlich wohnt man schon fast auf dem Flughafen, oder?”
Inhalt
Als der Ost-Europäer Victor Navorski (Tom Hanks) in die USA einreisen will, erwartet ihn am New Yorker Kennedy Airport eine böse Überraschung: In seiner Heimat ist inzwischen ein Krieg ausgebrochen. Sein Pass und alle Papiere sind ungültig und ihm wird die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert! So sitzt Victor am New Yorker Terminal fest und muss sich gedulden, bis der Krieg in seinem Land vorüber ist. Tage ... Wochen ... Monate vergehen und in diesem „Mikrokosmos-Terminal“ freundet sich Victor nicht nur mit dem Flughafenpersonal an. Er verliebt sich auch in die hinreißende Flugbegleiterin Amelia (Catherine Zeta-Jones).
Kurzkommentar
Man könnte Steven Spielbergs "Terminal" verpasste Gelegenheiten sowie Belang- und Profillosigkeit vorwerfen, aber wie schon "Catch me if you can" ist der Film von einer Leichtigkeit und Eleganz, der man sich nur schwer entziehen kann. Dank einiger, munterer Einfälle und teils brillantem Gag-Timing ist "Terminal" auf jeden Fall schwer unterhaltsam, auch wenn man Hanks die Rolle des fiktiven Osteuropäers natürlich kaum abnimmt.
Kritik
Es ist schon erstaunlich, mit welchem Arbeitseifer Steven Spielberg in letzter Zeit zur Sache geht. Vergingen seit "Der Soldat James Ryan" immerhin noch drei Jahre bevor mit "A.I." ein weiteres, sehr ambitioniertes Projekt in den Kinos anlief, ist dieser im Paket mit "Minority Report", "Catch me if you can" und "Terminal" gleich seine vierte Arbeit in drei Jahren. Und darunter sind immerhin zwei aufwändige Science-Fiction Streifen mit umfangreicher Präproduktionsphase. Nicht wenige fürchten da, dass mit der Quantität die Qualität schwindet, auch wenn die Besorgnis nicht wirklich berechtigt sein kann: "Minority Report" und "Catch me if you can" waren keineswegs signifikant besser oder schlechter als frühere Spielberg-Arbeiten, maximal weniger charismatisch.

Wenn die Frequenz, mit der Spielberg einen Film nach dem anderen produziert, eines beweist, dann wohl seine ungemeine Professionalität: er arbeitet seit Jahren mit dem selben Cutter (Michael Kahn), dem selben Director of Photography (Janusz Kaminski) und dem selben Komponisten (John Williams), zuletzt gar mit dem selben Drehbuchautor (Jeff Nathanson) und dem selben Produktionsdesigner (Alex McDowell). Professionalität ist denn auch das erste, das einem beim Betrachten von "Terminal" in den Sinn kommt, so präzise lenkt Spielberg abermals seine Geschichte, seine Figuren, seine Mise-en-Scène. Wie ein kleiner Schuljunge, der sich einen Tag lang auf einem Flughafen austoben und alles mögliche ausprobieren darf, hüpft der Film energetisch hin und her, lässt den Zuschauer ständig Neues entdecken, hält ihn jederzeit bei Laune. Anteil daran hat nicht zuletzt Allzweckwaffe Tom Hanks, dem der vertrottelte Navorski sicher besser steht als ein zerrissener Bösewicht wie Mike Sullivan aus "Road to Perdition" und dem ein komödiantisches Talent kaum abgesprochen werden kann. Dennoch wirkt sein leicht chaplin'esker Gang und der osteuropäische Fantasieakzent - zumindest in der synchronisierten Fassung - kaum glaubwürdig. Nicht, weil er sie schlecht spielt, sondern viel mehr, weil Hanks bereits zu häufig in ähnlichen Rollen zu sehen war ("Big", "Forrest Gump").

Die große Könnerschaft Spielbergs zeigt sich hingegen wieder in den ersten Minuten, als er Navorski gerade erst eingeführt hat, es ihm aber unmittelbar gelingt, eine emotionale Verbindung zu ihm aufzubauen: in einer hervorragenden Montage hetzt Navorski von einem Fernseher zum nächsten, weil die Nachrichten gerade über den Putsch in seinem Land berichten und er langsam realisiert, dass er soeben seine Heimat verloren hat. Brillant - und vielleicht die lustigste Szene, die es in diesem Jahr im Kino zu sehen gab - auch die Sequenz, in der Navorski für Amelia ein Dinner inszeniert und Navorskis Freunde alles daran setzen, den Abend perfekt zu gestalten. Hier vereint sich die Liebenswürdigkeit Chaplins mit dem Timing Rowan Atkinsons und Spielberg weiß sie meisterhaft zu kontrollieren - bis ihm die Szene aus den Fingern gleitet und Amelia in ernste Selbstzweifel verfällt. Dennoch eine Szene von spielerischer Eleganz, ähnlich überzeugend der Süffisanz von "Catch me if you can".

"Terminal" hat noch weitere kleine und liebenswürdige Einfälle und man möchte dem Großoptimisten Spielberg deswegen gerne all die verpassten Chancen verzeihen, die so ein Stoff über sein komödiantisches Potenzial hinaus gehabt hätte: die Geschichte hätte als melancholisches Drama ebenso funktionieren können wie als knallharte Gesellschaftsstudie, hätte vor allem auch immense, politische Tragweite entwickeln können: über das neue Homeland Security Office, über Fremdenfeindlichkeit, über Paranoia. Zu Beginn präsentiert Spielberg sein Klein-Amerika gar als ziemlich unfreundlichen Ort, als einen Ort voller totalmobilisierter Egoisten, die Navorski noch nicht mal mit seiner Telefonkarte helfen. Aber auch die Anleihen ans absurde Theater, an Kafka und den Teufelskreis der Bürokratie werden nur kurz gestreift und dann gleich wieder fallen gelassen, weil Spielberg mehr an Frank Capra ("Ist das Leben nicht schön?") interessiert ist als an Mike Leigh ("Secrets & Lies").

Dennoch hat "Terminal" auch seine melancholischen Momente, solche, in denen Spielbergs omnipräsente Themen Einsamkeit und Orientierungslosigkeit fokussiert werden. Nicht umsonst ist - angesichts des Tempos des Films wunderbar ironisch - das Warten der zentrale Gegenstand des Films und es wäre noch treffender gewesen, hätte Spielberg die Credits eingeleitet als Navorski sich auf das letzte, verbliebene Autogramm des Jazz-Musikers geduldet. Diese Gelegenheit aber verschenkt er, weil ihn seine alte Sentimentalität einholt, immer noch der größte, aber vielleicht einzige Kritikpunkt an den unverblümten Kinomärchen Steven Spielbergs.

Süßliches, doch sehr unterhaltsames Kinomärchen von hoher Professionalität


Thomas Schlömer