Van Helsing

USA, 132min
R:Stephen Sommers
B:Stephen Sommers
D:Hugh Jackman,
Kate Beckinsale,
Richard Roxburgh,
David Wenham
L:IMDb
„Ich bin leer, und ich werde ewig leben”
Inhalt
In "Van Helsing" kehren Dracula (Richard Roxburgh), Frankensteins Monster (Shuler Hensley) und der Wolf Man (Will Kemp) aus der Dunkelheit zurück. Denn Dr. Abraham van Helsing (Hugh Jackman), der größte Vampirjäger aller Zeiten, hat ihnen den Kampf angesagt. Er bricht Ende des 19. Jahrhunderts zu einer düsteren Jagd nach Osteuropa auf. Tochter Anna (Kate Beckinsale) begleitet den unerschrockenen Wissenschaftler. Und sie müssen nicht lange warten, bis sich die unheilvollen Nachtgestalten zum atemberaubenden Duell stellen.
Kurzkommentar
Alle Klage hilft nichts. Wie kein zweiter kommt Stephen Sommers den Sehgewohnheiten der Videospielgeneration bei. In „Van Helsing“ bringt er sein typisches Krawallkino zur Implosion, weil der Hohlkörper unter der Dauerlast der Effekte zusammenbricht. Dank eines sympathietragenden, doch leider hohlen Helden und einiger bewusster Trashmomente ist „Van Helsing“ als bizarr übersättigter Potpourri aus Vampirpulp, nostalgischer Horrorpersiflage und Buddymovie gut zu gebrauchen. Wer nichts erwartet, wird nicht enttäuscht.
Kritik
Unschuldig kann ja keiner tun. Denn sagen, man hätte vom Regisseur der „Mumie“ etwas anderes als Hirntodkino in bester Verfassung erwartet, gilt nicht. Drei Jahre nach seinem lahmen Aufguss der „Mumie“ – der zweite Teil unterschied sich vom ersten im Grunde nur dadurch, dass er noch mehr Lärm machte und dabei die gelungene Ironie des Originals platt walzte – macht Stephen Sommers also ganz ohne Überraschung das, was er unbekümmert auch weiterhin tun wird: teuren, aber immerhin ehrlichen Trash, gehoben auf die nächste Stufe. Denn das ist die Schutzfunktion von Sommers Filmen, die jede Verurteilung schon vorab eigentlich ins Absurde führt: „Van Helsing“ nimmt sich, was durchaus erfrischend ist, nicht nur keinen Deut ernst, sondern mehr noch, er zieht mit der für Sommers typischen Ironie sich selbst und alle Figuren durch den Kakao der Effekte. Der Streifen heuchelt nichts, erst recht kein Niveau. Das ist in Zeiten, wo sich jeder Schmu oft theatralisch ernst nimmt, wenigstens anfänglich sympathisch.

Für Kulturpessimisten ist dieses Protz- und Prollkino natürlich der pure Schock, das Ende der Fahnenstange, die Entleerung aller Literatur in der digitalen Verwurstungsmaschinerie. Es lag nahe, dass man aus „Van Helsing“ insofern auch die traurige Signatur der Blockbuster der Saison und der Zeit an sich destillieren könnte: Geschichte formatiert, der Pixel dominiert; dass Computerspiel und Film mittels der Rechnerkapazitäten, die seit Sommers letztem Film noch einmal erheblich gestiegen sind, endgültig eins werden, war auch vorprogrammiert. Sommers flickt und synthetisiert sich stets selbst seine Drehbücher zusammen und bei „Van Helsing“ findet das Ende des Abendlandes im Namen der Massenkultur nun virtuell auf der Festplatte statt. Mit „postmoderner“ Schamlosigkeit bedient sich Sommers bei der „Cross-Over“-Idee der „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, lässt Franckenstein und Dracula im gleichen Film auftreten und den Vampirjäger Van Helsing, im Roman von Stoker nur eine Nebenfigur, beiläufig konstruiert zum Haupthelden werden.

So dreht Sommer alles gnadenlos durch die ideenarme wie bizarre Recyclingmangel und reduziert eigentlich angsteinflößende Fantasiegestalten zu lächerlichen Schießbudenfiguren seiner Geisterbahn. Van Helsing macht nach einer wirr-psychotischen Einleitungssequenz als Appetizer zu Beginn erst einmal kurzen Prozess mit der monströsen Figur des Mr. Hyde. Die Restverwertung zum Warmwerden. Wieso, egal. Alan Silvestris Score, der dem Stilclash gemäß wohl nach einer Art Gothicwestern klingen soll und im Hauptmotiv gelungen ist, treibt den sich als Horrorpersiflage ausnehmenden Schwachsinn temporeich an und die Computervirtuosen von Industrial Light an Magic pushen die Rechnerleistung direkt bis ans Limit. Dabei bleibt es, denn „Van Helsing“ ist noch mehr als befürchtet oder erwartet ein einziger, auf zwei Stunden gedehnter Computereffekt, der sich spektakulär selbst entleert. So könnte man trotz des Lärms einschlafen. Zu behaupten, die Geschichte würde dieses Rambazamba motivieren und nicht umgekehrt, wäre zuviel des Wohlwollens.

Dass „Van Helsings“ alberner Notdurftplot sich auf unterstem Comicniveau einpendelt, war also zu erwarten und ist gleichzeitig doch der Stolperstein des Effektbombardements. Die „Dialogszenen“ schwanken unsicher zwischen hochgradiger Peinlichkeit und genresatirischer Selbstironie, gleiches gilt für die Charaktere. Stellt man die „Schändung“ der Figurentradition des Grafen Dracula, der hier zur traurigen Tunte mit Schöpfungspsychose pervertiert, in Rechnung, ist eigentlich alles zu spät. Einige ungläubige Lacher hat Trashlieferant Sommers damit dennoch auf seiner Seite. Van Helsing selbst ist nun mit Hugh Jackman hervorragend besetzt, Kate Bekinsale liefert das Seitendekors und David Wenham als Mönch den Buddy-Part. Dass die Figur Van Helsings unter Gedächtnisverlust leidet und nicht weiß, wieso zum Teufel im Namen Roms das Böse der Welt zu jagen ist, bringt es auf dann auch auf den Punkt: Es juckt auch gar nicht. Statt Figuren behilft sich „Van Helsing“ mit Puppen, die dem Dauerfeuer der Effekte in keiner Sekunde Leben einflößen.

Aber die Hoffnung auf einen neuen „Indiana Jones“ wäre auch vermessen gewesen. So dröhnt sich „Van Helsing“ gedankenleer und mit Slapstick von einem „Level“ zum nächsten. Und solange der Monsterfuhrpark noch nicht erschöpft ist, mag das auch teils großer Popcornspaß sein. Die fliegenden Gammelbräute Draculas aber z.B. nerven bald nur noch. Wer dachte, die zurückgekehrte „Mumie“ sei laut gewesen, wird hier erst recht taub und nicht erst gegen Ende dürfte sich der befürchtete Überdruss einstellen: Ein Staunen entlocken die perfekten und damit nur noch standardmäßigen Effekte kaum noch. Wer nach ihrem „sinnvollen Einsatz“ fragt, kommt nicht zum Nachdenken, weil die nächste, sich selbst genügende Pixelwelle schon wieder den Blick betäubt. „Van Helsing“ ist gleichzeitig übervoll und leer, degeneriert und durch markig-dumme Sprüche hier und dort spaßig. Um die enormen Produktionskosten einzubringen, dürfte das reichen, nicht aber, um die Figur Van Helsing als Helden einer Fortsetzungsreihe zu etablieren. Denn klar ist nun auch, wieso Stephen Sommers nur im Dreijahresturnus einen Film ausstößt: Länger als die 132 Minuten ist der Hohlpuppenzauber kaum zu ertragen.

Ehrliches Hirntodkino mit Effektkollaps


Flemming Schock