I, Robot - Fehler im System
(I, Robot)

USA, 122min
R:Alex Proyas
B:Jeff Vintar, Isaac Asimov, Akiva Goldsman
D:Will Smith,
Bridget Moynahan,
Alan Tudyk,
James Cromwell,
Bruce Greenwood
L:IMDb
„I miss the good ol' days. When people were killed by other people.”
Inhalt
2035. Hochintelligente Robots gehören zu der Standardausstattung eines jeden Haushalts. Durch drei Gesetze gesichert, ist ein harmonisches und friedliches Zusammenleben mit den Menschen garantiert. Doch dann passiert ein Mord - ausgerechnet in den Labors der Robot-Entwicklung. Und der Hauptverdächtige ist augenscheinlich ein Roboter. Polizist Del Spooner (Will Smith) ermittelt.
Kurzkommentar
Wieder versucht sich ein Regisseur am nahezu unmöglichen Unterfangen, erzählerische Ambition und Hollywood-Schemata zu vereinen und abermals scheitert es. Will Smith passt einfach nicht zum klassischen Noir-Helden Del Spooner und die Zugeständnisse, die aufgrund seiner Beteiligung am Drehbuch gemacht werden müssen, wirken sich deutlich auf Tiefgang und Glaubwürdigkeit der Geschichte aus. Letztendlich ist aus „I, Robot“ solide und kurzweilige Unterhaltung geworden, aber das Potenzial der zugrundeliegenden Ideen wird nur sehr bedingt ausgeschöpft.
Kritik
In „I, Robot“ manifestiert sich mal wieder der alte Kinokampf „Kunst gegen Kommerz“, „Inspiration gegen Automation“, „Anspruch gegen einfache Unterhaltung“. Protagonisten sind diesmal der gebürtige Ägypter Alex Proyas, Regisseur von gefeierten Science-Fiction Stoffen wie „Dark City“ und „The Crow“, sowie Publikumsliebling Will Smith, bislang hauptsächlich in Erscheinung getreten als Zeitgenosse mit besonders lockerem Mundwerk: „Independence Day“, „Men in Black“ und natürlich die beiden „Bad Boys“-Teile. Die Gefahr, dass sich die Isaac Asimov-Adaption „I, Robot“ letztlich zwischen diesen beiden Polen zerreißen wird, bestand also seit längerem. Genaugenommen ab dem Zeitpunkt, an dem Smith zum Projekt hinzugestossen ist und eigens für die Integration seiner Person ein weiterer Drehbuchautor angeheuert wurde: Akiva Goldsman, zwar Oscar-prämiert für „A Beautiful Mind“, im Science-Fiction Bereich aber doch eher vorbelastet dank seiner Mitarbeit an fragwürdigem wie „Batman & Robin“ sowie „Lost in Space“.

Was zu befürchten war, ist dann nun auch eingetreten: der Film ist ein handelsüblicher Blockbuster geworden, noch glatter als Spielbergs „Minority Report“ und keineswegs so visionär oder subversiv wie die Vorlage Asimovs hat hoffen lassen. Diese spielte wohl vor allem mit dem Gedanken, wie eine Koexistenz von Menschen und menschenähnlichen Robotern einmal aussehen könnte und welche moralischen oder ethischen Implikationen damit zusammenhängen: natürlich muss es deutliche Grundregeln wie die drei Robotergesetze geben und natürlich müssen die Roboter darauf programmiert sein, diesen unter allen Umständen folge zu leisten. Wie aber soll die künstliche Intelligenz reagieren, wenn sie in einer brenzligen Situation ein Menschenleben nur retten kann, indem sie ein anderes zerstört? Und – mittlerweile ist die Frage Klischee – was passiert, wenn künstliche Intelligenz irgendwann ein Bewusstsempfinden entwickelt? Diesen und vergleichbaren Fragen ist Asimov damals nachgegangen, aber in „I, Robot“ bleibt fast nur noch die Oberfläche eines Kriminalplots zurück: wer hat den Professor ermordet und wieso musste er sterben?

Natürlich ist der Plot letztlich etwas komplexer als die bloße Beantwortung dieser Frage und die Tatsache, dass Proyas auf dem Regiestuhl sitzt, merkt man immer dann, wenn die Situation etwas surrealer, die Wende etwas absurder und die Bedrohung etwas existenzieller wird. Die Zeichnung der zerstörten Hängebrücke und dem unidentifizierbaren Heilsbringer hat eine apokalyptische Schönheit wie sie wohl nur auf Proyas zurückgehen kann und auch der kitschig-epische Schluss erinnert an „Dark City“. Aber wo ein Studio 100 Mio.$ locker macht, um einen pompösen Zukunftsfilm zu inszenieren, da muss man sich natürlich arrangieren und nicht zuletzt so dürfte zu erklären sein, dass Will Smith mit an Bord gekommen ist. Dass dieser nicht von Anfang an Teil der Idee war, merkt man hingegen deutlich: sein Charakter und er selbst sind deutlich zu locker für diese Art von Science-Fiction, seine „afro-american coolness“ passt nicht zum vereinsamten, gebrochenen Cop mit dunkler Vergangenheit und hinterlassener Ehefrau. Die ersten Szenen des Films sind dafür symptomatisch: Smith möchte mit verschlafenen Bewegungen und gebückter Haltung Niedergeschlagenheit und Trübsinn vermitteln, stattdessen spielen sich dank Hochglanzfotographie und Montage sein athletischer Körper und sein nackter Hintern in den Vordergrund. Trifft er dann am Ort des Verbrechens ein, vermitteln uns die Dialoge, dass er und der Ermordete gute Freunde gewesen sind, aber von ein paar knackigen One-Linern über seinen verstorbenen Kollegen scheint ihn das nicht abzuhalten. Die mussten wohl zwingend rein, um seinem „Men in Black“-Status gerecht zu werden.

Dabei hat sein Charakter vor dem Hintergrund der interessanten Basisidee durchaus Potenzial: sein Verhältnis zu den Robotern ist – gerade im Hinblick auf sein eigenes Dasein – keineswegs so klar wie es zunächst den Anschein erweckt und auch die Beziehung zu Susan Calvin birgt thematischen Reiz: wissenschaftliche Kühle gegen aufbrausendes Temperament, High-Tech-Glaube gegen Old School-Gehabe in Converse-Schuhen. Dass „I, Robot“ dabei überraschenderweise auf eine Liebesgeschichte zwischen Spooner und Calvin verzichtet, sogar klischeehafte Charakterentwicklungen wie die der emotionslosen Wissenschaftlerin, die so langsam auftaut und des rücksichtslosen Cops, der so langsam zärtlich wird, außen vorlässt, könnte man im ersten Moment als fortschrittlich deuten. Problematisch wird es dann allerdings, wenn Roboter Sonny (von Alan Tudyk übrigens ähnlich „performed“ wie seinerzeit Gollum von Andy Serkis) mehr Wärme zugestanden wird als Spooner und Calvon zusammen und damit dann doch wieder nur ein Klischee aufgreift.

Dennoch muss man relativieren: „I, Robot“ ist kurzweilige Unterhaltung geworden und es ist selbstredend unfair, dem Geldgeber 20th Century Fox vorzuwerfen, man habe wieder mal allzu genau darauf geachtet hat, dass der Film seine Kosten wieder einspielt. Der Drehbuchstoff bot aber sehr viel mehr als nur die Realisierung eines soliden Unterhaltungsfilms und wenn man am Ende Isaac Asimov für die Vorlage Tribut zollt, geschieht das mittels eines leicht verschämten „suggested by“. Dass Asimov vor seinem Tode noch selbst ein Drehbuch für eine Verfilmung abgesegnet hatte (das sogar als Buch erschienen ist), erfährt der Zuschauer natürlich nicht und vielleicht wäre Proyas mit diesem besser beraten gewesen als sich mit 20th Century Fox auf die Zusammenlegegung mehrerer Short Stories Asimovs zu einigen. Er hätte dann immerhin auch auf einen kostspieligen Star wie Smith verzichten können.

Solider Science-Fiction Thriller ohne eigenes Profil


Thomas Schlömer