Walking Tall - Auf eigene Faust
(Walking Tall)

USA, 87min
R:Kevin Bray
B:Mort Briskin, David Klass
D:Dwayne Johnson (The Rock),
Johnny Knoxville,
Neal McDonough,
Kristen Wilson
L:IMDb
„Hier gibts nur falsche Titten und echte Arschlöcher!”
Inhalt
Chris Vaughn (The Rock), ehemaliger Elitesoldat, kehrt zurück in sein beschauliche Heimatstadt, um von nun an ein ruhiges Leben zu führen. Doch mit der Beschaulichkeit ist es vorbei: Sex und Korruption beherrschen die Stadt, und auch auf den Sheriff ist kein Verlass mehr. Also nimmt Chris die Dinge selbst in die Hand und räumt unter den zwielichtigen Gestalten auf.
Kurzkommentar
Starker Anfang, aber vermasseltes Ende. Hätten Regisseur und Drehbuchautor sich ein wenig mehr um die politischen Implikationen gekümmert, statt das Finale für eine Ballerorgie herzugeben, wäre der Film richtig gut geworden. Positive Überraschung: Die Schauspielkünste von Dwayne Johnson.
Kritik
Nicht weniger als drei Vorgänger hat "Walking Tall", dazu ist das Motiv bereits in einer Fernsehserie mehr als ausgiebig bearbeitet worden. Ein gewissermaßen fünftes Remake muss für seine Existenzberechtigung dann auch ein bisschen mehr tun, als nur Altbekanntes wieder aufzuwärmen. Und das bedeutet im Zusammenhang mit dem Thema Selbstjustiz notwendigerweise eine wenigstens ansatzweise kritische Beurteilung.

Kevin Brays Filmographie gibt das jedoch bedauerlicherweise nicht her, und so ist der sozialkritische Ansatz, der in der ersten Hälfte des Films durchaus beeindruckend zum Vorschein kommt, vollkommen vergebene Liebesmüh, denn das Ende säuft ab im leicht antiquierten Western-Klischee. Das bedeutet: Es gewinnt entweder der mit der größeren Knarre, oder der moralische überlegene Underdog. Dass die Filmfigur Chris Vaughn am Ende zu den selben Mitteln greift wie seine Widersacher und sich ihnen damit gefährlich annähert, wird zu keinem Zeitpunkt problematisiert. Störend ist dabei weniger das Fehlen dieser Analyseebene, sondern vielmehr der seltsame Kontrast der beiden Filmhälften, von denen die erste einen genau darauf einstimmt, während die zweite nicht einmal eine Andeutung dazu verliert.

Das ist umso bedauerlicher, als "The Rock" eine im Rahmen der Rolle durchaus respektable Darstellerleistung abliefert: Als wortkarger Ledernacken, der lieber die Fäuste sprechen lässt, kommen ihm sicher nicht die feinen Zwischentöne zu, dennoch spielt er die Rolle unerwartet variantenreich und beispielsweise deutlich besser als Vin Diesel in dem ähnlichen Streifen "Extreme Rage". Als Kämpfer für Recht und Ordnung, der nach der Heimkehr in die vormalige Idylle erkennt, dass das, was er zu verteidigen suchte, längst zerstört ist, hat er besonders zu Beginn einige starke Szenen, doch am Schluß verliert sich dieser positive Ansatz leider im üblichen "Wir müssen raus hier!", "Wenn ich dir ein Zeichen gebe, schießt du!" und "Aaaaaarghhh!".

Dabei wäre eine ausgereifte Diskussion der Selbstjustiz-Thematik gerade in der momentanen politischen Zeitenlage durchaus angemessen. So manche Filme haben sich des Komplexes angenommen, in seiner Funktion als Spiegel der Gesellschaft und ihrer Wertvorstellungen wäre eine "Aktualisierung" also durchaus passend. Denn dass Regisseur Bray dieses etwas verquere Flickwerk als ernsthaften Beitrag zu dieser Diskussionen sieht, wollen wir nicht hoffen - trotz des Titels, der dies ja teilweise impliziert.

Trotz vielversprechender Ansätze scheitert "Walking Tall" letztlich daran, dass er sich nicht recht entscheiden kann, ob er nun ein geradliniger Action-Western sein will, oder eine politische Botschaft gesellschaftlicher Relevanz vermitteln möchte. Schade, denn bei beiden Varianten wäre ein besserer Film herausgekommen.

Unentschlossene Mischung aus Western und Sozialkritik


Wolfgang Huang