Lammbock - Alles in Handarbeit

Deutschland, 90min
R:Christian Zübert
B:Christian Zübert
D:Moritz Bleibtreu,
Lukas Gregorowicz,
Elmar Wepper,
Antoine Monot Jr.,
Marie Zielcke
L:IMDb
„Was haben Sie da in ihrem Kofferraum? - Zwei Leichen und drei Kilo Gras.”
Inhalt
Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lukas Gregorowicz) sind zwei notorische Kiffer im tiefsten Bayern, die zum Brötchenerwerb eine kleine Lieferpizzeria namens Lammbock betreiben. Die ist allerdings nur Tarnung, denn in Wirklichkeit rauchen und verkaufen sie in großen Mengen Marihuana, was die Polizei nach einiger Zeit spitz kriegt. Neben ihren "beruflichen" Schwierigkeiten stolpern die beiden noch durch diverse Beziehungskisten, ohne so recht zu wissen, was sie wollen.
Kurzkommentar
Endlich mal wieder ein richtig guter deutscher Film im Stil von "Bang Boom Bang". Es mischen sich sogar ein paar romantische Szenen zwischen allerlei äußerst amüsante Dialogzeilen und bizarre Situationen. Moritz Bleibtreu und Kollegen bieten eine hervorragende Leistung, auch wenn das Drehbuch ein paar Schwächen hat.
Kritik
Es wird gerne und viel in der Presse berichtet über Moritz Bleibtreu. Mit seinem filmischen Schaffen der letzten 5 Jahre hat er sich in die Riege der beliebtesten deutschen Schauspieler vorgespielt, ohne sich gleich kommerziell zu prostituieren. Angefangen bei "Lola rennt" war er immer wieder ein Garant für kassenstarke Filme, die sich zumeist durch außerordentliche Güte auszeichneten, wie auch "Knocking on Heaven's Door", "Das Experiment" oder "Im Juli". Durch eine sehr vielfältige Rollenwahl konnte er sich als exzellenter Schauspieler beweisen, und "Lammbock" führt diese Linie nun fort.

Sicher, "Lammbock" ist alles andere als revolutionär, denn der Film ist quasi ein durchgängiges Deja-Vu Erlebnis. Die Story ist im Grunde auch nicht viel anders als in "Grasgeflüster", "Half-Baked" oder den alten Cheech & Chong Streifen: Zwei Typen verkaufen Gras, rauchen Gras und labern ne Menge Mist, irgendwann taucht die Polizei auf, und die Dealer haben ein Problem. Doch diese Filme nur auf ihr Handlungsgerüst zu reduzieren, wäre ein fataler Fehler. Es sind Komödien rund um eine Droge, die Menschen lustiges Zeug reden lässt und sie in abstruse Situationen bringt, und genau das hat jeder dieser Filme komödiantisch ausgereizt. Genau auf diesen Laberflashs baut "Lammbock" auf, und zwar richtig gut. Die teilweise fünf und mehr Minuten dauernden Dialoge (ungeschnitten!) zwischen Moritz Bleibtreu und Lukas Gregorowicz sind schlichtweg genial. Mal abgesehen von der superben schauspielerischen Umsetzung sprüht jeder dieser Dialoge nur so vor Witz und Charme.

Über den ganzen Film hat Drehbuchautor und Regisseur Christian Zübert Anspielungen auf andere Streifen verteilt. Gleich zweimal wird Tarantinos Schaffen erwähnt, essentieller für einen Tarantino-Verehrer frisch von der Filmschule ist es jedoch, mindestens einmal pro Film jemanden in den Kofferraum zu packen. Dementsprechend fahren Kai und Stefan auch gut die Hälfte des Films mit randvollem Kofferraum durch die Gegend. Vom Stil des Films her könnte man "Lammbock" am ehesten mit "Bang Boom Bang" vergleichen. Der Humor der beiden Filme ist sich sehr ähnlich, und auch was die Anzahl der Kiffszenen angeht, bilden sie wohl zwei Unikate im deutschen Kino bis dato. Nicht das Kiffen im jungen deutschen Kino eine Seltenheit wäre, aber eine derartige Zelebrierung wie hier ist schon ungewöhnlich.

Die romantischen Aspekte, die in erster Linie darin bestehen, dass Lukas und Stefan zumeist im Vollrausch zwischen verschiedenen Frauen schwanken, dienen, wenn man es genau nimmt, fast ausschließlich für "American Pie"-ähnliche Sexwitze, wobei aber selbst die noch halbwegs niveauvoll (gemessen an der Zielgruppe) und vor allem witzig sind. Einzig die zögerliche Liebesgeschichte zwischen Kai und Laura bietet etwas Substanz, was man sicher auch Marie Zielckes toller Leistung zuschreiben kann. Das Problem hierbei ist, dass der Film für die vielen Charaktere schlicht zu kurz ist. Da werden Handlungsstränge und Nebenfiguren einfach fallen gelassen, obwohl man gerne mehr von ihnen gesehen hätte, wie z.B. der kiffende Polizeiausbilder, oder die beiden durchgeknallten Freunde von Kai, Schöngeist und Dopex. Da wurde leider ein gutes Stück Potenzial verschenkt, aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung.

Von moralischer bzw. rechtlicher Seite lassen sich natürlich wieder die gleichen Bedenken anführen wie schon vor wenigen Wochen gegen Ted Demmes "Blow", nämlich dass die nahezu kritikfreie, vielmehr sogar verherrlichende Darstellung von Drogenkonsum und -verkauf im Kino nicht tragbar wäre. Jedem seine Meinung diesbezüglich, man sollte jedoch nicht vergessen, dass das hier kein Propagandafilm wie Zigarettenwerbung ist sondern ein Kleinod deutscher Filmkunst, das ohne aufwendige Special Effects, dafür mit ruhiger Kamera und gemächlichem Schnitt, die Tugenden der deutschen Filmjugend mit denen amerikanischer Kultregisseure vereint. Gerade auch durch die Authentizität der Konsumszenen kann man "Lammbock" als vorzügliches Abbild der Realität betrachten. Also nicht nur ein Film für Leute, die so breit ins Kino gehen, dass sie sich auf dem Weg zur Toilette verlaufen, sondern das deutsche Filmhighlight des Sommers, das man nicht verpassen sollte.

Legere Kifferkomödie mit tollen Darstellern


David Hiltscher