Geschichte vom weinenden Kamel, Die
(Story of the weeping Camel, The)

Deutschland, 90min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Byambasuren Davaa, Luigi Falorni
B:Byambasuren Davaa, Luigi Falorni
D:Janchiv Ayurzana,
Chimed Ohin,
Amgaabazar Gonson,
Zeveljamz Nyam,
Ikhbayar Amgaabazar
L:IMDb
„Wir sollten bedenken, dass wir nicht die letzte Generation auf Erden sind”
Inhalt
Im weiten Süden der Mongolei, in der unwirklichen Landschaft der Wüste Gobi, kommt ein kleines, weißes Kamel zur Welt. Die Mutter, geschwächt und verstört von der schmerzhaften Geburt, verstößt ihr Junges. Ohne die nahrhafte Muttermilch scheint das Kalb, das sich seiner Mutter immer wieder verzweifelt nähert, dem Tod geweiht. In ihrer Not erinnern sich die Hirtennomaden an ein uraltes Ritual: Ein Musiker aus der fernen Stadt soll mit den magisch-himmlischen Klängen seiner Geige die Kamelmutter zum Weinen bringen und so ihr Herz erweichen.
Kurzkommentar
Als "Doku-Märchen" wird "Die Geschichte vom weinenden Kamel" verkauft und trotz der fragwürdigen Genre-Mischung trifft die Bezeichnung in etwa die Seele des Films. Die HFF-München Absolventen Byambasuren Davaa und Luigi Falorni besuchten über knapp drei Monate hinweg eine mongolische Farmer-Familie und porträtieren auf respektvolle wie verträumte Weise ein Leben jenseits moderner Hektik. Indem sie Alltag und Pädagogik der menschlichen Familie dem Dasein der Kamele gegenüberstellen gelingt ihn neben einem angenehm zurückhaltenden Porträt der örtlichen Lebensbedingungen auch ein intelligenter Kommentar zum Verhältnis Tier/Mensch. Dass sie dabei einer handelsüblichen, dramaturgischen Struktur folgen ist "trotz" Dokumentaransatz ein legitimes, filmisches Element und wenn das Kamel am Ende tatsächlich Tränen in den Augen hat, ist man doch fasziniert ob der Andersartigkeit und Märchenhaftigkeit dieser "anderen" Welt.
(Thomas Schlömer)