Waterboy

USA, 90min
R:Frank Coraci
B:Tim Herlihy, Adam Sandler
D:Adam Sandler,
Kathy Bates,
Fairuza Balk,
Henry Winkler
L:IMDb
„Ma-ma-Mama sagt...”
Inhalt
Amerika, irgendwo in einem Südstaatenkaff. Der geistig minderbemittelte und artikulationsgehemmte Bobby Boucher (Adam Sandler) lebt zusammen mit seiner autoritären Mutter (Kathy Bates) in einer isolierten Sumpfgegend, der uneingeschränkte mütterliche Herrschafts- und Wirkungsbereich. Bobby bekommt seit früher Kinheit von der Mutter immer wieder eingetrichtert, daß sein Vater sich zum 'Friedenskorps' meldete und in der Sahara an Dehydrierung, an Wasserentzug starb. So formte sich in Bobby eine manische Faszination für das feuchte Element aus, die zum Inhalt seines 'Berufs' wurde, der für ihn gleichzeitig der einzige Kontakt zur 'Außenwelt' ist: mit Leidenschaft ist er 'Wasserjunge' einer Footballmannschaft, ist also für die Wasserversorgung der Spieler während der Spiele verantwortlich. Diese und auch das allgemeine soziale Umfeld haben für Bobbys eingeschränkten Intellekt jedoch nur sarkastischen Spott übrig und stellen ihn, wo immer möglich, als Idioten bloß, bis er vom widerwärtigen Coach Beaulieu (Jerry Reed) seiner langjährigen Mannschaft gefeuert wird. Auch diese Demütigung nimmt er ohne Gegenwehr auf sich, findet nur Trost bei seiner Football-hassenden Mutter. Doch der Groll staut sich.

Bald gerät er an das desaströs erfolglose Team der 'Mud Dogs', in deren Reihen sein Auftreten ebenso auf sofortige Demütigungen stößt, die Bobby nun jedoch explodieren lassen: sein Hass konzentriert sich und in unbändiger Wut rennt er mit der Kraft eines Hammerschlages gegen einen Spieler. Sofort verpflichtet der euphorisierte Coach Klein (Henry Winkler) Bobby, der den Gegenspieler immer als Projektionsfläche für seine Wut zu visualisieren hat, zum Spieler. Er führt das Team zu sensationellen Erfolgen und avanciert hinter dem Rücken seiner despotischen Mutter zur Footballikone und entdeckt die Liebe zu Vicki Vallencourt (Fairuza Balk). Die Mutter, die alles, was sich nicht in ihr Erziehungsideal fügt, als teuflisch verwünscht, hat nicht nur mit den Emanzipationsbestrebungen des Sohnes, sondern auch mit ihrem Gewissen zu kämpfen: Um Bobby nicht zu verlieren, mußte sie schwerwiegend lügen.
Kritik
Läßt man die Betrachtung im Negativen beginnen, drängt sich zu allererst der Vergleich mit 'Forrest Gump' auf, die offensichtliche Inspiration für die Figur des sympathisch dumm-sensibelen Bobby Boucher. Regisseur Frank Coraci variiert das Märchen von übermenschlicher Kondition, vom Laufen um des Laufens Willen, zum übermenschlich kräftigen Football-Rammbock, der zwar noch versteht, daß er Football zu lieben beginnt, nicht aber, daß in Alle nur wegen seiner physischen Explosivität lieben. Von Beginn an wirkt der sozialkritische Unterton nervtötend und kläglich ausgenudelt: der geschundene Wasserjunge, des Verbalen nicht fähig und den intellektuellen Entwicklungsstand eines Sechsjährigen besitzend, wird als 'Behinderter' nicht nur aus dem Gesellschaftskollektiv ausgegrenzt, sondern unablässig sadistisch traktiert und verhöhnt - sträflich überholt und durch urtypisch klischeehafte Verhaltensmechanismen schrecklich borniert. Richtet man den Focus vom Zentrum Adam Sadler auf seine Einbettung in die Verarbeitung des klamottenartigen Stoffes, so ist der zutage tretende Humorlevel nicht minder niveaulos als die storytechnische Grundlage.

Sicher, wirklich intelligente Heiterkeit und annähernd subtile Dramaturgie ließ die beschränkte Basis nicht zu, aber das realisierte Scherzformat ist jener 'Qualität', die man in den 80ern zurückgelassen glaubte: Einerseits wird der Behinderte in seiner Unverfälschtheit und Unschuld zum Symbol- und Sympathieträger, andererseits ist gerade das sarkastische Amüsement auf Kosten der behinderten Minorität ein Grundprinzip der stammtischgerechten Inszenierung. Sobald der unbeholfene, idealistisch dem Mutterdespotismus ergebene 'Wasserjunge' sein Mitteilungsbedürfnis in Worte formen möchte und am Verhaspeln scheitert, hat das Publikum zu la-ch-l-l-l-achen. Damit das Stottern nicht der einzig derbe Lachmuskelprovokator bleibt, fügt sich das verstandesstrafende Übrige nahtlos ein.

Daß die Darstellerriege alles andere als nicht schablonenhaft auftreten soll, ist noch zu verkraften, nicht aber, daß sich der 'Witz' des Streifens bei näherer Betrachtung auf eine fast nur 'physische' Natur reduziert: grunddämliche Blicke, gräßlich infantiler Gagfaktor durch kauderwelsch-artikulierenden Farmer und - als tragende 'Kalauersäule' - Adam Sandler in Footballuniform als gegnervernichtendes, quieckendes Wildschwein mit brachialem Dampfwalzfaktor - eben körperbetonter Dumpfbackenhumor der untersten Kategorie, der zum ungläubigen Kopfschütteln, aber auch streckenweise zum gehaltlosen Lachen einlädt, womit wir gleichsam die eventuell positiven Punkte der Klamotte umreißen.

Wer also mit derben 'Gassenhauercharakter' und annäherndem Trashhumor sympathisiert, wird ausreichend bedient. Dialogischer Witz ist in weiter Ferne und die schauspielerischen Darbietungen eigentlich nicht erwähneswert. Trotzdem Adam Sandler nichts anderes zu tun hat, als chronisch nervtötend zu stottern, unverständlich dämliche Grimassen zu ziehen, Gegner und Niveau in den Boden zu rammen und abscheuliche Anzüge zu tragen, bleibt seine Gesamtdarstellung noch irgendwo mitleiderregend-niedlich, hat also den 'Forrest Gump-Faktor'. Jedoch wäre das Gesamtergebnis ohne die brillierende Kathy Bates als gigantischer 'Mutterurtypus' sofort sang- und klanglos abgesoffen. Es ist schlichtweg eine Wonne und Augenweide, ihrem monströsen Agieren und herrischem Wirbeln zu folgen. Schrille Klamotten und kleiderschrankhaftes, gewaltbereites Auftreten machen sie köstlich stereotyp und zum eigentlichen Antreiber des sonstigen hirnlosen Quatsches, der natürlich in erwartet schäbiger Eintracht sein Finis findet.

Bodenlos idiotische Footballklamotte, mitunter niveaulos kurzweilig


Flemming Schock