Zuckersüße Tod, Der
(Jawbreaker)

USA, 87min
R:Darren Stein
B:Darren Stein
D:Rose McGowan,
Rebecca Gayheart,
Julie Benz,
Judy Greer
L:IMDb
„Wenn ich davon einen Pickel bekomme, ist was los!”
Inhalt
Vier egozentrische Schönheiten bilden die unangefochtene, frauliche Leit- Clique an der Reagan High-School. Als der Geburtstag von einer der vier ansteht, entführen sie die drei Übrigen, um ihr eine makabre Geburtstagsüberraschung zu bereiten. Ein Scherz mit unbeabsichtigt tödlichen Folgen: die Geknebelte erstickt im Kofferraum des Wagens an einem 'Jawbreaker', einem übergroßen Bonbon, das ihr, um Schreie zu unterbinden, in den Mund geschoben wurde. Die gerissene Courtney (Rose McGowan), selbsternannte Führerin der Girl-Gang, findet sich zynisch schnell mit der Katastrophe ab und beginnt zu delegieren. Die Tote wird zurück nach Hause gebracht, wo alles so hergerichtet wird, daß es nach einer Vergewaltigung aussehen soll. Bei ihrer Vertuschungsaktion werden sie jedoch von Fern (Judy Greer), einer scheuen Außenseiterin überrascht. Sie wird von Courtney um den Preis des Schweigens zur 'Nachfolgerin' der versehntlich ermordeten Liz produziert. Während das häßliche Entlein Fern durch Wunderstyling zur atemberaubenden Diva mutiert, wird die verängstigte und Skrupel zeigende Julie (Rebecca Gayheart) ausgestoßen. Courtney erniedrigt und warnt sie, die Wahrheit preiszugeben.
Kritik
Der erst 26jährige Regisseur Darren Stein verfaßte auch das Drehbuch und greift dabei tief in die Klischeekiste der High-Schoolklamotten. Stereotypische Elemente werden nicht in Frage gestellt, sondern genüßlich überzeichnet. Stein tut dies mit zwinkerndem Auge und macht deutlich, dass es ihm nicht um quasirealistische Abbildung von Sozialstruktur und Schulhierarchie, sondern um eine schwarzhumorige Farce über schablonenhafte Teenagerstreifen geht. Daß dies nicht immer zum gewünschten Ergebnis führt, liegt daran, daß 'der zuckersüße Tod' irgendwo zwischen konsequent sarkastischer Parodie und unfreiwillig witzlosem Reproduzieren hängen bleibt. Bemerkenswert ist, wie sich die inhaltlichen Zielsetzungen der traditionellen Teenagerfilmen in den letzten Jahren verschoben hat. Zuerst waren es die Lehrer, die hassenswerten Unmenschen, die die arglose Schülerschaft terrorisierten und diese zum Kampfkollektiv zusammenschweissten. Als diese Konstellation ausgereizt war, mußten die Schüler übereinander herfallen. Soziale Eliten, Randgruppen, gepeinigte Außenseiter und Unterprivilegierte fochten von nun an um schulische Existenzberechtigung und Hierarchiegefüge - die tägliche Rebellion, erst gerade in 'Eine wie Keine' in uninspirierter Aschenbrödelmanier durchexerziert. So festigte sich der Gemeinplatz, dass reiche amerikanische Schüler geistig arm und finanziell Arme reich an Geist und moralisch gut sein müssen. Vorherrschendes Bild ist und bleibt das der neureichen Schickeria, in der die Form alles bestimmt. Die Gänge der Schule werden zum exponierenden Laufsteg der künstlichen Supervamps, für die die Lehranstalt nur noch zum respekterfüllten Bewunderer der eigenen Schönheit dient.

Nun ist die Absicht, von den Dämlichkeiten der Klamotte oder dem Sozialdrama Abstand zu nehmen, löblich und wirkt gerade in den Anfangsminuten erfrischend frech und unverbraucht. Als die drei Freundinnen im Kofferraum unvermutet ein totes Geburtstagskind vorfinden, nimmt der schwarze Filmscherz einen spitzfindig vielversprechenden Anfang. Der fatale Faux Pas erzeugt beim Zuschauer sarkastischen Genuß und spannende Erwartung, welcher Vertuschungsmethoden man sich bedienen möge. Das Vergnügen setzt richtig ein, als Rose McGowan in der Figur der biestigen Courtney den urtrockenen Zyniker angesichts des Todes einer guten Freundin hervorkehrt. Während Blondie Marcie (Julie Benz) und Julie noch verständlicherweise schockiert sind, trennt sich Roses menschenverachtendes Agieren von jeglichem Realismus und unterstreicht die Tendenz zur rabenschwarzen Komödie.

Daß für dieses Unterfangen genug schauspielerische Substanz vorhanden ist, beweist nicht nur Rose McGowan ('Scream'), die einen amoralischen, skrupellosen Habitus und boshafte Intelligenz aufs Höchste unterhaltsam zur Schau stellt. Selbst die kleine Nebenrolle der den Todesfall untersuchenden Kommissarin ist mit der ehrwürdigen Pam Grier ('Jakie Brown') durchdacht und gänzend besetzt. Mitunter sind die Dialoge für einen High-School-Streifen ungewöhnlich geschliffen, von feinem Spott und Sarkasmus durchzogen. Kränkelt es also nicht an schauspielerischer Qualität, so enttäuscht das fortschreitende Geschehen streckenweise durch Phrasenhaftigkeit. Es reicht nicht, dass der schwarzhumorige Biss nicht aufrechterhalten wird, vielmehr gerät die Inszenierung wieder zurück in die bodenlos langweilige Nähe eines sozialen Klassendramas nach konventionellem Strikmuster. Wo Regisseur Stein eigentlich durchweg parodieren wollte, verfällt das gut gemeinte zurück in den Einheitsbrei der ausgeleiherten Schulmärchen, wenn das von allen gehasste Entlein soziale Integration nur durch den styletechnischen Radikalwandel erfährt. Nur verwunderlich, dass sich am Ende niemand wirklich verändert. Enervierend wirft sich noch eine Frage auf: wieso, um Himmels Willen, muß ausnahmslos JEDER Teenestreifen mit dem sträflich obligatorischen Abschlußball enden, der erzählstrukturell grundsätzlich identisch verwertet wird? - Einfach zu absehbar.

Zuweilen teuflische High-School-Farce mit Durchhängern


Flemming Schock