Eine wie keine
(She's All That)

USA, 95min
R:Robert Iscove
D:Freddie Prince Jr.,
Rachael Leigh Cook
„Marxs Klassenkampf beginnt auf dem Schulhof ”
Inhalt
Er ist schön, charmant, hat gute Noten und ist Star des schulischen Fußballclubs - Zach Siler (Freddie Prince Jr.) besitzt also uneingeschränkt alle Atribute, die ihn an seiner High-School im feudalen Los Angeles zum Frauenschwarm Nr.1 machen. Wenn er die ihn anhimmelnden Frauen nur eines Blickes würdigt, sind sie dem Ohnmachtsanfall nahe. Schon ist es zur Institution geworden, ihn bei den alljährlichen Beliebtheitswahlen, grundsätzlich als "Schulkönig" siegen zu lassen. Seine Erwählte ist Taylor Vaughan (Jodi Lyn O'Keefe), eine arrogant versnobte Barbiepuppe, Mitglied der "High-Society" und Handybesitzerin. Sie läßt Schönling Zach jedoch unvorbereitet im Regen stehen, als sie sich für eine Beziehung mit dem selbstverliebten, stinkreichen Idealmacho Brock Hudson (Brock Hudson) entscheidet. Gegenüber seinen Freunden fühlt er sich nach dieser Schlappe in die Pflicht gesetzt, seinen Ruf als Herzensbrecher zu rehabilitieren. Folglich läßt er sich auf ein Wettangebot seines Freundes Dean (Paul Walker) ein, wonach er es in sechs Wochen zu schaffen hat, ein beliebiges Mädchen, das Dean willkürlich auswählt, neben sich zur "Schulkönigin" wählen zu lassen. Denn Zach ist überzeugt, daß jedes auch noch so unansehnliches Mädchen neben ihm in Glanz erstrahlen wird. Das Los trifft ausgerechnet die durch ihre künstlerischen und vor allem malerischen Ambitionen isolierte, aus sozial niedrigen Verhältnissen stammende Laney Boggs (Rachael Leigh Cook). Auf Zach wartet also die harte, moralisch fragwürdige Aufgabe, Laney von der Vorbildsaußenseiterin in nur sechs Wochen zum beliebtestes Mädchen der Schule zu modellieren.
Kritik
Der Lehrkörper als Haßobjekt der Schüler wurde lange genug in endlosen Filmen und Serien strapaziert, so daß sich das Drehbuch glöblicherweise gänzlich über dieses klischeeüberfrachtete Grundmotiv ausschweigt. Daran wird deutlich, daß der Teenager-Film thematischen Veränderungen unterworfen ist, die versuchen, den immer mehr durch soziale Differenz der Schüler diktierten Schulalltag abzubilden. Es wird quasireflektierend aufgezeigt, daß die dekadente Konsumgesellschaft Integrationsfähigkeit und gesellschaftliche Identität allein durch die drei Grundattribute Geld, äußere Schönheit und Sex definiert. Die Konsequenz ist eine von den "Reichen und Schönen" dominierte hierarchische Schulstruktur mit sozialdarwinistischer Färbung - das ist das einzig spezifisch neue an "Eine wie Keine" und gleichsam die Ankündigung einer regelrechten Flut an Teenager-High-School Filmen für dieses Jahr. Der diesen Streifen mit auf den Weg gegebene moralische Impetus ist die Einforderung einer befreienden "Revolution von unten" gegen den oberflächlichen Wertekodex einer nur noch auf Konsum fixierten Jugend, in der Andersdenkende diffamiert und ausgegrenzt werden. Mag dieser Reflex löblich und es weiterhin gut sein, daß die Lehrer nicht mehr als kinderfressende Monstren verunglimpft werden, so unoriginell ist es, sich für Haßtiraden nun den bonzig dämlichen Mitschüler als Zielobjekt herauszusuchen. Von Beginn an beschleicht den Zuschauer der starke Eindruck, versehentlich beim Zappen vor der Glotze eine postpubertäre Schulklamotte mit haarsträubend abgedroschenen Handlungszutaten eingeschaltet zu haben.

So recht glauben will man es dann nicht, daß "Eine wie Keine" keine billige Auskopplung einer Doppelfolge von "Beverly Hills 21 Jump Street ∓mp;Co" ist. Jedes Handlungselement nimmt gerade das Ende, das man erwartet - man kennt die Konzeption. Da kann auch das Potential von Hauptdarstellerin Racheal Leigh Cook nicht aus der Klischeekonzentration hinaus, wenn sie als Vorbildsintellektuelle die obligatorische Hornbrille trägt und den anderen sonderlich apart ist. Nur selten nicht müde Dialoge werden im Generationenkonflikt zwischen Zach und seinem Vater auf die Spitze getrieben. Richtig gruselig unkomisch wird es bei den Auftritten des egozentrischen Barbiepüppchens Taylor, die von Jodi Lyn O'Keefe ungekonnt affektiert gespielt und in ihrer Überflüssigkeit nur noch vom defintiv üblen Brock Hudson in der Rolle des widerwärtigen Frauenhelds getoppt wird. Natürlich vergißt der herzensgute Zach, daß Laney ursprünglich lediglich der Gegenstand einer potenzbedingten Männerwette war und verliebt sich in sie. Klar ist auch, daß die revoltierende Minorität letztendlich eine Umordnung der Verhältnisse herbeiführt. Erschreckend harmonisierend ist dann noch das grauenhaft utopische Ende. Bis zu diesem Punkt sah man keine richtige Komödie, kein entschlossenes Sozialdrama und keine Romantik - nur hirnmaternd nichtige 95 Minuten RTL.


Triviale und wenig kurzweilige Jugendrebellion


Flemming Schock