Ladies Man
(Ladies Man, The)

USA, 84min
R:Reginald Hudlin
B:Tim Meadows, Dennis McNicholas
D:Tim Meadows,
Karyn Parsons,
Billy Dee Williams,
John Witherspoon
L:IMDb
„Ich bin wie Mutter Theresa - eben nur im Bumsen”
Inhalt
Leon (Tim Meadows) arbeitet als Radiomoderator in Chicago und hält sich für einen absolut unwiderstehlichen Herzensbrecher, einen "Ladies Man". Als er wieder einmal seine große Klappe live on air ein bisschen zu weit aufreißt, setzt ihn seine Producerin (Karyn Parson) kurzerhand vor die Tür. Während er sich nun auf die Suche nach einem neuen Job macht, erreicht ihn ein mysteriöser Brief, der mit "Sweet Thing" unterzeichnet ist. Darin bittet ihn eine "wahre Liebe", doch zu ihr -und zu ihrem Geld- zurückzukehren. Leon ist begeistert, denn das würde all seine Probleme auf einen Schlag aus der Welt schaffen.
Kurzkommentar
Wer tatsächlich über lispelnde Weiberhelden im Afro-Look lachen kann, wird hier bedient. Allerdings sind die meisten Gags und sexual- und fäkalhumorigen Peinlichkeiten so ausgelutscht, daß man sich selbst als Angehöriger dieser Gruppe kräftig langweilen dürfte.
Kritik
Die Frage, die sich bei Filmen dieser Art immer wieder aufdrängt: wie zum Teufel schaffen es die Verantwortlichen, Geld für die Produktion eines solchen Streifens locker zu machen? Da gibt es hunderte von talentierten, jungen Drehbuchautoren mit unverbrauchten Ideen und der nötigen Frische. Und Geld bekommt anschließend der altbackene Saturday-Night-Live Charakter. "Da kann man ja auf ein sicheres Publikum setzen", "da ist das Risiko ja geringer".

So oder so ähnlich wird es wohl Tim Meadows ergangen sein, der seit 1992 zum Stamm der "SNL"-Besetzung gehört und Ende 1997 zum ersten Mal als "Ladies Man" dort aufgetreten ist. Als dann Monica Lewinsky und ihre angebliche Affäre mit Ex-Präsident Bill Clinton in die Schlagzeilen geriet, konnte die Show mit einem Auftritt Lewinsky's beim Ladies Man gute Erfolge verzeichnen. Aber das ist mittlerweile drei Jahre her und die US-Show hat seit den gelungenen Verfilmungen von "Blues Brothers" und "Wayne's World" auch nichts mehr hergegeben. Aber gut: wer nicht hören will, muß fühlen. "Ladies Man" ist, einfach gesagt, Müll. Den schwarzen Frauenaufreißer mit Afro-Look findet heute wohl kaum noch jemand unterhaltsam, schon gar nicht, wenn er dauernd lispelt. Daß "Ladies Man" von der Story her außerdem nur ein aufgeblasener Sketch von 84min Länge ist, verwundert wohl auch niemanden. Schlimmer ist allerdings, daß Tim Meadows nicht einfach nur dumme Witze am laufenden Band produziert, sondern auch noch einen Schuß Romantik reinbringen möchte. Und das auf einfallsloseste Weise.

Immerhin, mag man sagen, sind die üblichen, sexuellen Witzeleien und Anspielungen hier nicht ganz so derbe wie in der "jungen" Komödienkonkurrenz à la "American Pie". Dafür sind sie aber auch umso flacher und unnötiger. Was für ein Armutszeugnis "Ladies Man" ist, kann man schön an den ersten zehn Minuten sehen. Hier versucht uns Lando Calrissian, Verzeihung, Billy Dee Williams den Hintergrund, die Kindheit, von Leon Phelps näher zu bringen. Die Inszenierung ist dabei aber derart ungeschickt, daß keinerlei Freude aufkommt. Dabei sind gerade solche Rückblenden normalerweise recht kurzweilig anzuschauen. Den Höhepunkt der Unlustigkeit findet "Ladies Man" dann in einer Wir-beweisen-unsere-Männlichkeit-indem-wir-jedes-noch-so-eklige-Zeug-essen Szene, die im Runterwürgen von waschechter, menschlicher Scheisse kulminiert. Wohl bekomm's.

Etwas Licht ins Dunkel bringt, wie ich finde, nur die Truppe von Ehemännern, die sich an Phelps rächen wollen. Die stolpern zwar auch unlustig durch die Gegend, bekommen dafür aber eine nette Musical-Sequenz spendiert. Selbstverständlich passt die hier so gut rein wie der Afro-Look in die heutige Zeit, aber die paar Minuten waren wenigstens nicht so ausgelutscht wie der Rest des Films. Empfehlen kann man "Ladies Man" letztendlich niemandem. Wer sich freiwillig für diesen Film entscheidet, ist ganz einfach selber Schuld.

Total überflüssige Verfilmung eines Saturday-Night-Live Charakters


Thomas Schlömer