Kalender Girls
(Calendar Girls)

England, 108min
Filmspiegel-Auszeichnung
R:Nigel Cole
B:Tim Firth, Juliette Towhidi
D:Helen Mirren,
Julie Walters,
John Alderton,
Philip Glenister
L:IMDb
Inhalt
Ältere Damen, die Marmelade einkochen, sind nichts Besonderes. Frauen, die sich nackt für einen Kalender
ablichten lassen ebenso wenig. Aber gestandene Frauen, die sich beim Marmelade einkochen nackt für einen Kalender ablichten lassen, und das alles für einen guten Zweck - das ist etwas Besonderes! Chris (Helen Mirren) und Annie (Julie Walters) sind, obwohl völlig unterschiedlichen Charakters, seit Jahren beste Freundinnen. Das beschauliche Leben der beiden Damen in Knapely, einer kleinen Stadt in Yorkshire, wird erschüttert, als Annies Ehemann plötzlich an Leukämie erkrankt und stirbt. Als Chris, ein aktives Mitglied des lokalen Frauen-Vereins, die Idee hat, den alljährlichen Kalender des lokalen Women’s Institue zu produzieren, um damit Geld für das örtliche Krankenhaus zu sammeln, dass sich rührend um Annies Mann gekümmert hat, bringt dieser Kalender der etwas anderen Art nicht nur die kleine Stadt in Aufruhr. Denn bald verbreiten sich die Schlagzeilen rasend und soweit, dass selbst Hollywood auf die Kalender Girls aufmerksam wird. Inmitten der großen Aufregung und der unglaublichen Publicity, die Chris’ Initiative hervorruft, wird die Freundschaft der beiden Frauen auf eine harte Probe gestellt.
Kurzkommentar
»Kalender Girls« folgt einer erfolgreichen Serie britischer Komödien im Stil von »Lang Lebe Ned Devine« oder »Ganz oder gar nicht« - und ist mindestens ebenso erfrischend komisch. Glücklicherweise fehlen auch hier nicht die Bezüge zum realen Leben, die dem Film trotz häufiger Überzeichnung eine warmherzige, charmante Aussage mit auf den Weg geben.
Kritik
Gleich vorweg: Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so herzlich gelacht habe im Kino. Das Klischee vom britischen Humor bestätigt sich aufs Treffendste, »Kalender Girls« ist an trockenem, pointierten Humor nicht zu überbieten. Getragen wird dieser hauptsächlich von seinen beiden Hauptdarstellerinnen, Chris (Helen Mirren) und Annie (Julie Walters),die das exzellente Cast (in dem Freunde des britischen Kinos einige Bekannte entdecken werden) anführen. Denn ohne Zweifel gehört auch für professionelle Schauspieler noch so Einiges dazu, sich freizügig durch den Set zu bewegen. Die Darstellerinnen meistern dies jedoch mit Bravour, stets heiter, stets charmant.

Letztlich hebt »Kalender Girls« jedoch weder sein erotischer Gehalt noch seine wunderbare Darstellerriege heraus. Vielmehr besitzt der Film etwas, was heute nur noch selten der Fall ist: Warmherzigkeit. Man könnte auch, sich in die Gefilde des tiefen Klischees wagend, sagen: Der Film hat Herz. Derlei Aussagen sind gemeinhin in einer Filmkritik verpönt, da sie weder sonderlich analytisch, noch von hohem essayistischen Wert sind, doch wollte man »Kalender Girls« mit nur einem Wort beschreiben, »warmherzig« wäre meine Antwort. Anders gesagt: Das gesamte Kinopublikum verließ äußerst beschwingt den Saal, angeregt und erheitert.

Die Geschichte ist dabei vergleichsweise überschaubar, und über weite Strecken absehbar. Zahlreiche kleine Wendungen und stets gut gesetzte Pointen sorgen jedoch dafür, dass kein Langeweile aufkommt. Der Substanz des Filmes tut es jedenfalls ausgesprochen gut, dass nach dem vermeintlichen Höhepunkt, dem Druck des namensgebenden Kalenders, der Film noch lange nicht zu Ende ist. Man mag kritisch einwerfen, dass die geschilderten Probleme ein wenig zu oberflächlich beleuchtet und behandelt werden, doch für eine tieferreichende Analyse ist der Film dann eben doch zu sehr Komödie und zu wenig Familiendrama. Dass dieser Bezug zur realen Welt mit ihren Problemen, Hindernissen und Ärgernissen dennoch rahmengebend ist, gerade das macht den Film so charmant: Man ist versucht, sich die Damen aus Knapley zum Vorbild zu nehmen und selbst sein Leben fröhlicher und mutiger in Angriff zu nehmen.

Wunderbare charmante Komödie im britischen Stil


Wolfgang Huang