Schlaflos in New York
(The Out of Towners)

USA, 90min
R:Sam Weisman
B:Neil Simon, Marc Lawrence
D:Steve Martin,
Goldie Hawn,
John Cleese
L:IMDb
„Wie Sie wissen, masturbiere ich 17-mal am Tag.”
Inhalt
Die Leidenschaft der Beziehung von Henry (Steve Martin) und Nancy Clark (Goldie Hawn), nahe Ohio auf dem Land lebend, scheint in der Midlife-Krise verlorengegangen zu sein. Henry ist ein gewissenhaft arbeitender, dessen Leben sich nur noch um Zahlen und Bücher zu drehen scheint. Nancy hingegen ist als Romantikerin eher dazu bereit, alles dafür zu tun, um wieder ein wenig Feuer in die Ehe zurückzubringen. Als Henry zu einem wichtigen Job-Interview nach New York reist, haben die Clarks zwei Ziele: Henrys Erfolg muss lanciert werden, und eheliche Leidenschaft soll nach Möglichkeit wieder entfacht werden. Was als überschaubare Geschäftsreise beginnt, wandelt sich schnell in eine unendliche Reihe von Missgeschicken, die den Großstadtaufenthalt zum Abenteuer und gleichzeitig zum Wiederentfacher der Liebe machen.
Kurzkommentar
'Schlaflos in New York' ist ein belangloser Neuaufguss einer 1970 mäßig erfolgreichen Komödie. Der Leitgedanke, ein von den Wechseljahren geplagtes Provinzpaar in aberwitzigen Chaossituationen im Großstadtjungle ihre Liebe neu zu entdecken, bietet viel Substanz für Situationsslapstick, doch das billige Drehbuch unterbindet Originalität und zeigt vornehmlich Abgedroschenes. Ist zudem die Minimalrolle von John Cleese einfach nur blamabel, bleiben dem brauchbaren Zusammenspiel von Steve Martin und Goldie Hawn trotzdem einige vortreffliche Augenblicke.
Kritik
Das Motiv ist trotz seines offensichtlich alten und abgegriffenen Charakters immer wieder reizvoll: Man nehme ein Paar provinzielle Seelen, dessen Gemüter bisher nur die Ruhe dörflicher Sphäre kannten, und konfrontiere sie schockartig mit dem überwältigenden, hektischen Kosmos der Großstadt. Das filmkompatible Ergebnis ist ein gewaltiges Spektrum an emotionaler Resonanz, vielleicht tragisch, vielleicht wie in diesem Fall eine Odyssee, die die Protagonisten von einer absurden Alltagskatastrophe in die nächste stößt. Geschürt wird dabei die Klischeevorstellung, dass engstirnige Landeier beim Orientierungsversuch in Metropolen nur Chaos hervorrufen.

Überzeugte aber schon das Original der Odyssee aus dem Jahre 1970 nicht sonderlich, so scheint es fast ein ungeschriebenes Gesetz, dass Remakes schlechter werden müssen als die Urversionen. Eine Neuauflage wäre eigentlich nur durch eine originelle Interpretation des Originals gerechtfertigt, aber wenn allein ökonomische Erwägungen leitend sind, wird´s wie in der 99er Version von 'Schlaflos in New York' mitunter richtig billig.

Dabei wäre bei mehr Engagemant die erfolgsversprechende Methode aufgegangen, denn mit Steve Martin und Goldie Hawn stand praktisch DAS Komiker-Traumpaar zur Verfügung. Aber anstatt die 'Von-Wechseljahren-und- Ehekrise-gemarterte-Provinzeier-irren-durch-Großstadtjungle'-Idee auszuschöpfen, verflacht das Drehbuch nach einem akzeptablen Beginn immer mehr. Affektierter Witz und dämliche Klimpermusik, die das flaue Geschehen wohl irgendwie auf Trab bringen soll, verpassen dem Ganzen mehr Klamotten- als Komödienmerkmale. Schon Goldie Hawns Gestik wirkt schrecklich geheuchelt und passt zu den billig konstruierten Slapstickmomenten in der Großstadt, die dem Zuschauer nur selten ein müdes Lächeln entlocken können.

Es mangelt an Tempo und spontanem Witz, weil das stumpfe Drehbuch viel Amüsement in pathetischen Wortgefechten, von denen man nicht weiss, ob sie nun quasidramatisch oder ironisch sind, erstickt. Das leidlich abgegriffene Motiv der Midlife-Crisis wird von Regisseur Sam Weisman wohl phasenweise zu ernst genommen. Es gelingt ihm nicht, Ironie und Witz konsequent aufrechtzuerhalten, denn wenn gestritten und gestikuliert wird, schwingt stets auch platte Melodramatik mit, die das Geschehen mitunter recht zäh macht.

Auch tragisch, dass hier einiges an Schauspielpotential verschenkt wurde, denn nur selten kann ein Regisseur auf gleich drei Komikeraltgesteine zurückgreifen. Zwar sind Steve Martin und Goldie Hawn weit davon entfernt, aus den Vollen zu schöpfen, mit stimmiger 'Chemie' spielen sie aber dennoch. Großartig sind einige Szenen, in denen z.B. das gefrustete Ehepaar gegenüber stoischen Großstädtern sich in einem Wutanfall Luft verschafft, in eine psychologische Selbsthilfegruppe hineinplatzt oder von einem Straßenräuber übertölpelt wird, der sich als Andrew Lloyd Webber ausgiebt.

Ansonsten ist ihr Katastrophenstolpern zu schematisch und aufgesetzt gestrickt, um wirklich bei Laune halten zu können. Und geradezu peinlich ist die Rolle des tuntenhaften Hoteliers von Ex-Monty Pyton John Cleese (Schattes des Ruhms vergangener Tage), der sein Talent noch nicht einmal andeuten darf - lächerlich und eine Verschwendung. Die diskutierten Eheprobleme wirken zwar halbwegs authentisch, nerven in ihrer Penetranz aber schon. Und so animiert die Odyssee der Wechseljahre eher zum enttäuschten Schlummern, was dem Titel dieses nutzlosen Remakes einen ungewollt ironischen Beigeschmack gibt.

Unterforderte Komiker in ausgeleierter Großstadtodyssee


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Steve Martin hat in 'Schlaflos in New York' vom Drehbuch her kaum Möglichkeiten, seiner Rolle Witz und Charme zu verleihen. Die Charaktere sind platt und eindimensional, die Handlung langweilig und die humoristischen Einlagen abgedroschen. Für eine romantische Komödie gibt es hier eindeutig zu wenig Romantisches und Komisches....