Was das Herz begehrt
(Something's gotta give)

USA, 128min
R:Nancy Meyers
B:Nancy Meyers
D:Jack Nicholson,
Diane Keaton,
Frances McDormand,
Keanu Reeves,
Amanda Peet
L:IMDb
„Dein Herzinfarkt ist das beste, was mir je passiert ist”
Inhalt
Harry Sanborn (Nicholson) ist der ewige Junggeselle, der grundsätzlich nur mit Frauen unter 30 ausgeht. Mit seiner neuesten Flamme Marin (Peet) will er ein romantisches Wochenende im Strandhaus ihrer Mutter auf Long Island verbringen – doch plötzliche Schmerzen in der Brust torpedieren Harrys Plan. Marins Mutter Erica Barry (Keaton), eine erfolgreiche, geschiedene Theaterautorin, ist alles andere als begeistert, als sie Harry gesund pflegen soll. Aber als die beiden allein sind, staunt Harry nicht schlecht: Erstmals fühlt er sich zu einer Frau hingezogen, die altersmäßig zu ihm passt. Und obwohl Erica Harry zunächst vehement abgelehnt hat, entdeckt auch sie die Liebe neu. Das Techtelmechtel der beiden bleibt allerdings nicht ungestört, denn auch Harrys charmanter, jugendlicher Arzt Julian Mercer (Reeves) macht Erica den Hof. Als Harry wieder auf den Beinen ist, kehrt er nach Hause und zu seinem alten Leben zurück. Doch seine Liebe zu Erica hat ihn nachhaltig verändert – diesmal muss er wirklich über seinen Schatten springen, um sie endgültig für sich zu gewinnen.
Kurzkommentar
In die klassisch-oberflächliche, romantische Komödie Hollywoods Tiefgang legen zu wollen, das ist schon häufig schief gegangen und auch Nancy Meyers („Was Frauen wollen“) kann ihr feudal anmutendes Schauspieler-Ensemble in der zweiten Filmhäfte nicht davor bewahren. Trotz einer sehenswerten, ersten Stunde und dem charismatischen Gespann Keaton/Nicholson kann „Was das Herz begehrt“ deswegen nur als durchschnittliche Romanze gelten.
Kritik
Wenn sich Realität und Fiktion vermischen, kann das ebenso schwächenden wie stärkenden Einfluss auf die Kraft einer filmischen Arbeit haben. So hat etwa der tschechische Darsteller Vlastimil Brodský in seiner letzten Komödie „Frühling im Herbst“ einen kauzigen Greis gemimt, dem letzten Endes ein glücklicher Lebensabend zu Teil wird. Kurz nach Uraufführung des Films verstarb der berühmte Schauspieler dann 82-jährig in seinem Wochenendhaus. Er begang Selbstmord. In solchen Fällen wird die Tragik eines Schauspielers deutlich, der nach außen hin alles mögliche glaubhaft vorgeben kann, innerlich aber womöglich weit vom Glück entfernt ist.

Die Koexistenz von Realität und Fiktion kann aber auch positiven Charakter haben, so nun im Falle Jack Nicholsons in „Was das Herz begehrt“. Nicholson, dem ohnehin nachgesagt wirkt, in seinen besten Rollen spiele er eh nur sich selbst, gibt hier den großen Womanizer und das soll sich (der Klatschpresse nach zu urteilen) erstaunlich gut mit der Realität decken. „Keine Frau über 30“ soll hier wohl das Lebensmotto sowohl von Harry Sanborn als auch von Nicholson selbst sein. Vielleicht liegt es also auch hier an der Nähe zur Wirklichkeit, dass Nicholson so unverschämt gut als Harry Sanborn rüberkommt und das, obwohl ihn sein diabolisches Grinsen nun ganz und gar nicht für eine romantische Komödie in aseptischer Hollywood-Manier empfiehlt. Aber Nicholson, und das ist ihm durchaus anzurechnen, hatte noch nie ein Problem mit seinem Image, was dazu geführt hat, dass seine Selbstironie in Hollywood-Kreisen als nahezu legendär gilt.

Diese Qualität kommt seiner Präsenz in „Was das Herz begehrt“ jedenfalls zu Gute, denn neben der skandalträchtigen Entblößung seines Allerwertesten lässt Nicholson auch diverse Viagra- und Herzinfarkt-Scherze über sich ergehen. Eigentlich ein Grund zur Klage, präsentiert sich Nancy Meyers dritte Regiearbeit nach der Kästner-Verfilmung „Ein Zwilling kommt selten allein“ und „Was Frauen wollen“ auf diese Weise doch auch nur als „American Pie“ für Senioren. Man amüsiert sich aber dennoch köstlich und das liegt wohl primär ein Nicholsons Charisma, welches sich sogar als erstaunlich kompatibel zur immer noch (oder gerade erst) unverschämt erotischen Diane Keaton herausstellt. Wie sich die zu Recht für den Oscar nominierte Keaton hier dem „großen Jack“ entgegenstellt und ihm – auch dank der anfänglich hervorragenden Dialoge – Paroli bietet, ist wirklich sehenswert, zumal es Regisseurin Meyers erstaunlich gut gelingt, die Ablehnung beider Charaktere zum großen Begehren umschlagen zu lassen. Und das in knapp 60 Minuten.

Hier hätte dann aber schon Schluss sein sollen, denn was in der zweiten Hälfte folgt ist nicht nur gähnend undramatisch, sondern auch völlig unmotiviert. Nimmt man Nicholson die Probleme, seine chauvinistische Grundhaltung abzulegen, durchaus ab, bleibt im Falle Keatons und auch im Falle Keanu Reeves' eher schleierhaft, warum man sich füreinander interessiert bzw. dem Gegner letzten Endes kampflos das Feld überlässt. Bis zur unsäglichen Schlusseinstellung (in Zeitlupenaufnahme wird die neugeborene Enkelin munter durch die nun glückliche Familie gereicht – das alles natürlich in einem piekfeinen Restaurant) schleppt sich der Film also nochmal eine gute Stunde von missglücktem Happy-End zu missglücktem Happy-End, nur damit Nancy Meyers auch die Parallelen zur klassischen Dreiakt-Struktur des gleichzeitig entstehenden Theaterstücks ziehen kann. Dass unvermeidbare Ende unglaubwürdig hinauszuzögern, den Fehler begang Meyers bereits in ihrem letzten Film „Was Frauen wollen“ – und führt schließlich nur dazu, dass man enttäuscht den Kinosaal verlässt.

Nach verheißungsvollem Beginn im Schnitt nur durchschnittliche Komödie mit großartigen Darstellern


Thomas Schlömer