Im Dutzend billiger
(Cheaper by the Dozen)

USA, 98min
R:Shawn Levy
B:Frank B. Gilbreth Jr.,Sam Harper
D:Steve Martin,
Bonnie Hunt,
Piper Perabo,
Tom Welling,
Alyson Stoner
L:IMDb
„Bist du sicher, dass wir hier alle reinpassen, Dad?”
Inhalt
Das Ehepaar Tom (Steve Martin) und Kate (Bonnie Hunt) traf vor 23 Jahren die Entscheidung, dass Kinder im Dutzend vielleicht nicht die billigere, aber auf jeden Fall die bessere Alternative sind. Doch jetzt bekommt Tom die Chance, einen Traumjob in Chicago als Coach einer führenden Uni-Mannschaft anzutreten. Kaum dort angekommen, startet auch die ehemalige Journalistin Kate beruflich wieder durch: Kates Agentin will die sympathische Autorin auf landesweite Promotion-Tour schicken. Kein Problem – glaubt Tom. Als erfahrener Vater wird er locker die Familie und den neuen Job für zwei Wochen parallel bewältigen. Weit gefehlt! Während Kate in sämtlichen Talkshows gastiert, bricht über ihre Familie das totale Chaos herein. Tom wächst die Rasselbande zunehmend über den Kopf und sein Boss ist von den mageren Ergebnissen des neuen Trainers nicht gerade begeistert. In seiner Verzweiflung bittet Tom sogar seine erwachsene Tochter Nora (Piper Perabo), vorübergehend wieder einzuziehen. Auf dem Siedepunkt der Krise erfährt schließlich auch Kate in New York vom heimischen Katastrophenalarm.
Kurzkommentar
Routinierte Familienunterhaltung in wertekonservativer Verpackung - nach diesem laschen Rezept funktioniert auch Steve Martins bemerkenswert erfolgreiche neue Komödie. Regisseur Shawn Levy wird im nächsten Jahr das Remake des „Pink Panthers“ drehen, wiederum mit Martin. Und auch „Im Dutzend Billiger“ ist ein Remake, allerdings ohne jeden Biss. Levy lässt die Möglichkeiten einer sich aufdrängenden Satire ungenutzt und inszeniert ein von wenigen Schauwerten lebenden Familienzirkus, in dem nicht nur Steve Martin nicht zum Zug kommt und der allenfalls das Prädikat „nett“ verdient.
Kritik
Das Gegenteil von rückläufigen Geburtenraten findet sich hier. Große, kolossal vielköpfige Familien sind konservativ, und genau ist auch diese Komödie. Dass „Im Dutzend Billiger“, das Remake der gleichnamigen Komödie aus dem Jahr 1950, in den USA zum Kassenerfolg wurde, ist nur bedingt mit dem Weihnachtsgeschäft (US-Start: 25.12.) erklärbar. Denn Shawn Levys Film ist ausgesuchte Mittelmäßigkeit und setzt die Reihe jener laschen Familienfilme fort, mit der sich Altkomiker Steve Martin nicht erst seit dem letztjährigen „Haus über Kopf“ jeweils nur kurzfristig in Erinnerung ruft. Damit ist noch etwas anderes bezeichnet: Steve Martins Komödien der letzten Jahre haben an Bissigkeit eingebüßt, werden von der Kritik müde zur Kenntnis genommen, das Publikum reagiert in den Bewertungen (so auf www.imdb.com) en Gros nicht anders und doch machen sie, so auch schon „Hals über Kopf, gemessen an den Produktionskosten mächtig Profit.

„Im Dutzend Billiger“ spielte in den USA runde 140 Millionen Dollar ein, in Deutschland dürfte der Erfolg weit geringer ausfallen. Eine mögliche Fortsetzung ist dennoch schon auf den Plan gerufen. Die müsste allerdings mit guten Argumenten aufwarten, denn als Familienkomödie ist „Im Dutzend Billiger“ zwar genregemäß sympathisch, aber nicht gewürzt genug, vergibt die Chance, das im großen Rahmen zu inszenieren, wozu eine zwölfköpfige Familie in Theorie wie Praxis sofort führen müsste: chronisches Chaos. Der eigentlich witzige Einfall hat jedoch schon ein Ausgangsproblem: wie soll es möglich sein, jedem Kopf des zwölffachen Nachwuchses im Film ein über die notdürftigste Charakterisierung hinausreichende Individualität zu verleihen? Dieses Unterfangen wäre mit ziemlicher Sicherheit in keiner Komödie mehr geendet und so blieb nur, das anarchische Nachwuchs-Kollektiv im Zusammenspiel mit Steven Martin und Bonnie Hunt als Mutter von einer Slapstickszene zur nächsten zu hieven.

Möglichst rasch ist die Einleitung abgewickelt, in der schon der nahe liegende Grundkonflikt, der die Wendepunkte und Moral des Films diktiert, angerissen wird: Mann und Frau standen vor dem Dilemma, Karriere und Kinder zu vereinbaren, aber der abnorme Wunsch nach einem ganzen Haufen Nachwuchs triumphierte schließlich über kompromisslose Karrieregelüste. Das Ergebnis ist ländlich-gediegen-beschauliche Großfamilienidylle, vielleicht schon ein Widerspruch in sich, aber in den ersten Momenten, die natürlich – wie weitere Szenen auch – aus der gewaltigen Organisationsleistung des Alltags ihren satirischen Reiz ziehen, recht spaßig umgesetzt. An Drive verliert Levys Inszenierung aber schon früh, wenn der Familienzusammenhalt auf die Probe insofern gestellt wird, als Vater Baker endlich einmal – und natürlich in gänzlicher Unmoral – an sich denkt und in der großen Stadt den beruflichen Totalaufstieg als Trainer einer viel versprechenden Footballmannschaft wittert. Das muss mit Autoritätsverlust des väterlichen Dompteurs geahndet werden.

Bei der folgenden Versetzung des Familiendutzend in die „feindliche“ Umfeld der Großstadt hätte Levy in der Auseinandersetzung mit den überspießigen Nachbarn und sonstigen Angriffspunkten dem fiesen Dutzend freien Lauf lassen können, aber für mehr als eine höfliche Terrorisierung des egomanen Freundes der ältesten Tochter reicht es nicht. Letztlich bleiben Kinder und Streiche viel zu zahm. Gerade hier verschenkt „Im Dutzend Billiger“ einiges an Schärfe. Stattdessen bindet Levy noch alibihaft die Konfliktsituation der Kinder an ihren neuen Schulen ein, was wiederum, genau wie der kurze Karriereausflug der Mutter nach New York, zum Kern gut konservativer Familienideologie und zum unvermeidlich verkitschten Ende führt. Etwaige Ausgleichsversuche von Familie und Beruf sind gekündigt, alles strahlt. Angesichts der angepeilten Zielgruppe ist das zu verschmerzen und für eben diese ist „Im Dutzend Billiger“ auch zu empfehlen. Schade nur, dass diese kaum beherzte Familienklamotte summa summarum keine Spitzen und vielleicht ein Dutzend gute Lacher hat.

Temperamentlose Familienunterhaltung nach konservativem Schema


Flemming Schock