10 Dinge, die ich an dir hasse
(10 Things I Hate about You)

USA, 98min
R:Gil Junger
D:Heath Ledger,
Julia Stiles,
Joseph Gordon-Levitt,
Larisa Oleynik,
David Krumholtz
L:IMDb
„Kleine Wichser mit viel Scheisse im Hirn”
Inhalt
Bianca Stratford (Larisa Oleynik) will endlich das tun, was jede andere 16-Jährige auch tut: Mit Jungs ausgehen. Doch Biancas Vater, der in jedem pubertären Jüngling einen potentiellen Lüstling sieht, knüpft eine besondere Bedingung an Biancas Dating-Pläne: Bevor Bianca ausgehen darf, soll zuerst ihre ältere Schwester Kat (Julia Stiles) einen Freund finden. Nun ist Kat, ein rebellischer, unausstehlicher Dickkopf, gar nicht scharf auf Jungs. Schöne Aussichten! Wäre da nicht Joey Donner (Andrew Keegan), der unsterblich in die schöne Bianca verliebt ist und deshalb alles daransetzt, die kratzbürstige Kat mit dem ebenso rebellischen Außenseiter Patrick Verona (Heath Ledger) zusammenzubringen.
Kritik
Kaum haben "Eine wie Keine" und "Der zuckersüsse Tod" ihre letzten Besucher verbucht, bricht die Woge des wiederbelebten Genres der High-School Klamotte erneut los. Die Erklärung dafür findet sich nicht etwa darin, dass dieses Genre in der Vergangenheit mit nicht genügend Versuchen beschritten worden und nicht ausgeleiert ist, sondern in zweierlei Faktoren: Erstens hat 'Eine wie Keine' es trotz konservativ witzlosem Schablonencharakter geschafft, erst in den USA und dann hier die Massen zu locken und zweitens ist das fast immer gleiche Inhaltschema hervorragend dazu geeignet, urtypische Schulvorstellungen irgendwie metaphorisch und quasisozialkritisch zu verpacken.

Das Genre hält also als Projektionsfläche für die unterschiedlichsten Ansätze her, jedoch haben die letzten Vertreter eines gemeinsam: Die Lehrer sind als Hassobjekt ausrangiert und spielen nur noch marginale Rollen, denn das Konfliktpotential entzündet sich am sozialen Klassenkampf auf dem Schulhof, dort, wo die Schönen und Reichen das Sagen zu haben scheinen. Doch weil ja ökonomisch gedacht werden und somit ein schwergängiges Sozialdrama vermieden werden muss, ist realitätsabbildender Charakter nicht gefragt. Vielmehr wird auf den distinktiven Klischeemerkmalen der sozialen Gruppen zynisch überzeichnet herumgeritten.

Und da moralpädagogische Lehrfilme fast immer in die Hose gehen, beschränkt man sich auf eine leichtverdauliche Mischung aus Märchen, Klamotte und Schnulze mit einer halbherzigen Prise Existenzphilosophie. Wenn das nicht reicht, wird William Shakespeares Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" als Handlungssprungbrett umfunktioniert. Doch davon merkt man in "10 Dinge, die ich an Dir hasse" eigentlich wenig, denn ehrlich: die verstandesstrafende Erzählstruktur der High-School Komödien besteht IMMER aus sozialen Reibereien, inflationären Liebesbekundungen und - das ist Gesetz - dem Abschlussball als antioriginellen Schlusspunkt. Diese rituelle Gesetzmäßigkeit wird auch hier nicht annähernd angelastet, was einen dicken Minuspunkt wegen hirnrissigem Schablonenfetischismus einbringt.

Nur gut, dass die irrelevante Geschichte nicht im Vordergrund steht, denn was Gil Jungers Film anders und zur besser macht, sind zwei 'Innovationen': das Geschehen ähnelt einer Sitcom und - die Altersfreigabe ab 16 deutet es an - die Sprache hat einen respektlosen, für amerikanische Verhältnisse ungewohnt krass vulgären Zug. Da wird nicht nur schmutzig gedacht, sondern mit 'benutz´ sie als Wichsvorlage' auch so gesprochen. Dass wirkt keineswegs anstößig, sondern aufgrund des glücklichen Händchens der Drehbuchschreiberin Karen McCullah Lutz richtig scharfzüngig und gekonnt plaziert. Die gesamte Inszenierung, die von zynischem Humor lebt, schafft es durch witzreiche Situationskomik, völlig lockere Sprüche und knackige Dialoge alle anderen ('Eine wie Keine', 'Der zuckersüsse Tod') auf die Plätze zu verweisen, die, trotzdem mitunter auch schwarzhumorig, einfach zu brav waren.

So verliert man den Blick für die banale Geschichte und zerrt vom deutlichen Humor, der von vielen Details unterstützt wird: Der Shakespeare-rappende Lehrer, der seine respektlosen Schülern mit wirksam großer Klappe in die Schranken weist, der Vater mit Schwangerschaftsneurose, der Schulmacho als überzeugtes Werbemodel für Hämorroidenchreme, die Frank Sinatra-Imitatur u.s.w. Die gewählten, durchweg unbekannten Schauspieler tragen ihre Rollen sehr überzeugend. Die verschiedenen, bewußt klischeekonzipierten Charaktertypen werden so köstlich zur Schau gestellt. Deutliche Sprache, derbe, aber dennoch subtile Kommentare lassen amüsante Kurzweil entstehen, bis das Ganze gegen Ende leider abflacht und von teils schnulzigen Szenen gehemmt wird. Das Geschehen des Abschlussballs fällt - wen überrascht es - absehbar und wieder erschreckend stereotyp aus. Verzeiht man diese kleinen Aussetzer, bleibt die bisher insgesamt sehenswerteste, aber hoffentlich letzte High-School Farce. Sehr entspannt, aber weit entfernt von Shakespeare.

Scharfzüngig, rotzfrech und erfrischend vulgär - zynisches High-School Amüsement


Flemming Schock