Schatten der Wahrheit
(What lies beneath)

USA, 130min
R:Robert Zemeckis
B:Sarah Kernochan, Clark Gregg
D:Harrison Ford,
Michell Pfeiffer,
Diana Scarwid,
Joe Morton
L:IMDb
„Du hast den Geisterpantoffel gestohlen.”
Inhalt
Ein Jahr ist vergangen, seit Dr. Norman Spencer (Harrison Ford) seine schöne Gattin Claire (Michelle Pfeiffer) betrogen hat. Da Claire die Wahrheit nicht kennt, und die Affäre vorbei ist, sind Normans Leben und Ehe scheinbar perfekt - so perfekt, daß Norman - als Claire ihm von den mysteriösen Stimmen erzählt, die sie hört und dem Geisterbild einer jungen Frau, das in ihrem Haus auftaucht - ihre wachsende Angst als Wahnvorstellung abtut. Als Claire jedoch der Wahrheit näherkommt, wird deutlich, daß sich dieser Geist nicht einfach verdrängen läßt.
Kurzkommentar
Frei von Einfällen ergeht sich Robert Zemeckis ("Forrest Gump") in einer behaglich spannenden, aber auch schleppenden Horrorkonvention, die vor allem durch ihre technische Gestalt positiv auffällt. Jedoch bleibt "Schatten der Wahrheit" als Starvehikel nicht mehr als solide Berechnung mit banal enttäuschender Auflösung.
Kritik
Robert Zemeckis, von Haus aus eher Fachmann für die leichte Kost ("Zurück in die Zukunft"), verhalf 1994 mit "Forrest Gump" sich selbst und Tom Hanks zum Oscar. Auch an der Kasse war das naive Märchen weltweit ein immenser Erfolg und ließ Zemeckis´ nächstes Projekt mit Spannung erwarten. Vor drei Jahren nahm der vor allem handwerklich versierte Regisseur dann für "Contact" mit Jodie Foster vorerst zum letzten Mal auf dem Regiestuhl Platz und legte eine intelligenten, aber weniger erfolgreichen Sci-Fi-Film vor. Dass sich Zemeckis nun nach Jahren tatsächlich aufs populäre Gruselfach einlassen würde, dürfte Viele wirklich überrascht haben. Allenfalls seine Produzentenrolle für "House on Haunted Hill" mag Entsprechendes angedeutet haben.

Auf den momentan schon überreizten Horror-Mystery-Zug wird er mit einem nach Erfolg schielenden Auge aufgesprungen sein und das sehr gute Kassenergebnis in den USA hat sein Hoffen bestätigt. Das klingt aber nicht nur nach bewusst umschiffter Innovation. Immerhin macht Zemeckis keine Zugeständnisse an das noch immer dominierende Teenie-Slasher-Genre und orientiert sich eher an der subtilen, fast blutfreien Stimmung eines "Sixth Sense". Mit Alfred Hitchcock hat Zemeckis im Vorfeld deutlich sein großes Vorbild formuliert, dessen "Suspense"-Spannung und ausgeklügelter Psychologie er mit "Schatten der Wahrheit" nacheifern wollte. Natürlich schafft er es nicht. Was, unabhängig von der Qualität des Streifens zum Locken der Massen ohne Frage beigetragen hat, ist die Besetzung der Hauptrollen. Nach dem vermurksten "Begegnungen des Schicksals" hat der alternde Superstar Harrison Ford eine weise Rollenwahl bitter nötig gehabt, wird sich aber zuvorderst auf Zemeckis eingelassen haben, weil alles für einen fetten Erfolg sprach. Fords Leinwandpräsenz dürfte einen Besuch rechtfertigen, aber die Hauptrolle spielen hier ganz andere Dinge.

Überdeutlich ist es Zemeckis daran gelegen, durch eine sich von beginn an penetrant entfaltende Geräuschkulisse eine latent bedrohliche Atmosphäre zu entwickeln. Statt aber sein Starvehikel Ford/Pfeiffer mit einem einfallsreichen Drehbuch ins Rollen zu bringen, kommt Zemeckis über eine Anbiederung an altgediente Horrorkonventionen nicht hinaus: Tür schlagen wie von Geisterhand zu, Merkwürdiges geht im Haus nebenan vor sich, unansehnliche Gesichter erscheinen in Spiegeln und in selbstständig vollgelaufenen Badewannen etc. pp. Von intelligent erzeugtem Spuk also keine Spur, sondern von kühl berechneten Schockmomenten. Altmodisch gemächlich wirkt die ganze Inszenierung, was sich aber dann doch als Vorteil entpuppen kann. Hervorragend plaziert ist Michelle Pfeiffer, die nach ihren letzten, wenig überzeugenden Auftritten hier die eindringlichste Paranoia zum Besten gibt und Harrison Fords Rolle nebenbei noch weiter marginalisiert. In den eng gesteckten Grenzen ihres Charakters schüttelt sie sich vor Furcht wirklich sehenswert, macht bemerkenswerte Wandlungen durch und hat Anteil daran, dass "Schatten der Wahrheit" im Vergleich zum sonstigen Horror-Einheitsbrei mit Stil punkten kann.

Zemeckis lässt keine Chance ungenutzt, ihre blasse Schönheit entsprechend in Szene zu setzen. Unter die Oberfläche der demonstrativen Angst steigt der Film allerdings nicht. Brüche verzeichnet der Handlungsgang in dem unerklärt mysteriösen Gebärden des Nachbarn. Für Harrison Ford bleibt fast nur solides Trauerspiel, das in zweckmäßigem Engagement stecken bleibt. So lassen die zu langen 130 Spielminuten viel Zeit über die Frage verstreichen, wieso sich hier ein großer Star erneut weit unter Wert verkaufen konnte. Aber wo viel Schatten ist, da ist auch Licht und Zemeckis´ platte Hitchcock-Referenz macht vor allem durch ihre technisch-handwerkliche Brillianz simplen Spaß. Trotz der nachhelfend dröhnenden Geräusch -und Musikkullisse, die zuweilen sehr wirksamer Stille weicht, kann gerade die Kameraarbeit zu gemächlich intensiver Nervenanspannung beitragen. Interessant wiegt auch lange die Frage, inwiefern das Übernatürliche wirklich oder nur Claires Illusion ist. So wird aus "Schatten der Wahrheit" durch formale Perfektion ein manchmal wohlig altbackenes, auf Hochglanz poliertes Horror- und Thrillerzitat mit geisterhaftem, aber nicht geistvollem Finis.

Durch perfekte Form stilhafter, aber bloß klassisch flacher Nervenkitzel


Flemming Schock
Weiterer Kommentar auf der folgenden Seite...
Wer sich mal wieder Erschrecken möchte ohne in einen mit Blut überströmten Teenies besetzten Slashermovie zu gehen, darf ruhig einen Blick auf den feinfühlig inszenierten "Schatten der Wahrheit" werfen. Fans von Regisseur Zemeckis, aber auch Fans von Harrison Ford dürften sich hingegen reichlich enttäuscht vorkommen. Die Story bleibt nicht dumm, ab...